Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Trotz Faymann-Malus: Wie die SPÖ die rote Aufholjagd starten will

BP-WAHL: WAHLKAMPFAUFTAKT SPÖ: RISSER/HUNDSTORFER/FAYMANN
Die Positionierung von Hundstorfer als Krisenmanager soll die Krise im roten Wahlkampf beenden.APA/HERBERT PFARRHOFER
  • Drucken

Rudolf Hundstorfer liegt in den Umfragen zurück. Nun setzt die SPÖ auf die TV-Duelle und die Kernklientel.

Wien. Rudolf Hundstorfer hatte Tränen der Rührung in den Augen. So viel Lob, so viele Anekdoten von politischen Weggefährten. Gut, auf den Scherz seines langjährigen Vertrauten Michael Häupl hätte er vielleicht verzichten können. Dieser hatte Hundstorfer beim Wahlkampfauftakt am Donnerstagabend als „Musterbeispiel für einen sozialen Aufstieg, für den die SPÖ steht“, bezeichnet – mit den Worten: „Vom Referat für Hundesteuer (wo Hundstorfer als Lehrling begonnen hat, Anm.) zum höchsten Amt im Staat. Da ist der Tellerwäscher, der Millionär wird, ein Wurstel dagegen.“

 

Partei will Krise(n) für sich nützen

Die SPÖ ist als erste Partei offiziell in die heiße Phase des Wahlkampfs für die Bundespräsidentenwahl am 24. April gestartet. Wobei die Auftaktveranstaltung deutlich besser verlaufen ist, als es für Hundstorfer bisher im Wahlkampf läuft. Während es bei der Auftaktveranstaltung nur kurz Aufregung im Saal gab, als die Moderatorin bei der Begrüßung „viel Applaus für den stellvertretenden Bundesparteichef Hans Niessl“ forderte (seit Rot-Blau im Burgenland ist er in Wien beliebt wie eine Grippewelle), hat die SPÖ im Wahlkampf ein Problem. Hundstorfer liegt in etlichen Umfragen hinter Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, Norbert Hofer (FPÖ) und Irmgard Griss nur an vierter Stelle. Nach derzeitigem Stand würde er nicht einmal den Sprung in die Stichwahl schaffen.

Es droht ein rotes Debakel, nun will die Partei das Ruder herumreißen. Wie, das zeigt das neueste Wahlkampfvideo: Schnelle, unkoordinierte Schnitte, chaotisch durcheinander- und übereinandergeworfene Bilder. Und in der Mitte, unbeweglich und unverrückbar, Rudolf Hundstorfer. Damit will die SPÖ in Zeiten der (noch andauernden) Wirtschaftskrise, der massiv steigenden Arbeitslosenzahlen in Österreich und des Flüchtlingsansturms Rudolf Hundstorfer als Fels in der Brandung, als krisenfesten, verlässlichen Lenker positionieren. Nicht umsonst wird in der SPÖ unermüdlich betont, dass man in Zeiten wie diesen jemand brauche, der krisenfest sei. Dabei werden Erinnerungen an den SPÖ-Nationalratswahlkampf 2013 wach, als sich Werner Faymann mit „sicherer Hand“ in Zeiten der Krise plakatieren ließ; wenn auch mit einer etwas anderen Tonalität. Jedenfalls trifft man in diesen Tagen keinen SPÖ-Funktionär, der nicht sofort auf Hundstorfers Rolle als Krisenmanager bei Bawag und ÖGB sowie seine Tätigkeit als Sozialminister (Botschaft: Sichere Arbeitsplätze, sichere Pensionen) hinweist. „In Zeiten der Unsicherheit haben die Menschen das Bedürfnis nach Sicherheit“, wird es in seinem Wahlkampfteam formuliert. Deshalb wird Hundstorfers Erfahrung ins Zentrum gerückt.

Die zweite Schiene bedient die Stoßrichtung gegen die FPÖ. Genauer gesagt, richtet sie sich an die rote Kernklientel, die wegen Flüchtlings- und Wirtschaftskrise unzufrieden in Scharen zur FPÖ überläuft. Immerhin liegt die Partei von Heinz-Christian Strache in bundesweiten Umfragen derzeit mit rund 33 Prozent satte zehn Prozentpunkte vor SPÖ und ÖVP. „Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Meine Mutter war Hausfrau, mein Vater Arbeiter. Gelebt haben wir in einer Zweizimmerwohnung mit Toilette auf dem Gang.“ Derartige Botschaften Hundstorfers tragen den Wahlkampfslogan „Einer von uns. Einer für uns“. Die SPÖ will damit transportieren: „Unser Rudi“ ist der einzige der Kandidaten, der aus einfachen Verhältnissen stammt und daher die Sorgen und Ängste des „kleinen Mannes“ versteht. Und der mit seinem Aufstieg vom Lehrling zum Minister gezeigt hat, wofür die SPÖ steht.

 

Große Zweifel bei vielen Genossen

Offiziell heißt es, Hundstorfer komme selbstverständlich in die Stichwahl und werde Bundespräsident. Inoffiziell gibt es große Zweifel bei viele Genossen. Beim Wahlkampfauftakt sprach kaum jemand von einem roten Sieg. Die Optimisten in der Partei meinten nur, „dass aufgrund der knappen Abstände das Erreichen der Stichwahl möglich ist“ und man dann weitersehen werde. Die Pessimisten dagegen rechnen fix damit, dass das minimale Ziel der Stichwahl verfehlt wird und artikulieren hinter vorgehaltener Hand bereits Kritik am „dilettantischen“ roten Wahlkampf. „Wir können nur noch auf die TV-Duelle hoffen“, war in diesen SPÖ-Kreisen oft zu hören, wo auch eine Befürchtung kursiert: Wegen der hohen Unzufriedenheit mit der Performance der Bundespartei würden viele Funktionäre nicht laufen. „Sie meinen Werner Faymann, treffen aber Rudi Hundstorfer, um den es mir leid tut“, meinte ein Genosse zur „Presse“.

Tatkräftige Schützenhilfe in diesem Wahlkampf erhält Rudolf Hundstorfer jedenfalls von der Gewerkschaft: Immerhin ist er deren ehemaliger Präsident. Und medial unterstützt ihn auch die „Kronen Zeitung“ nach Kräften.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2016)