Der bisherige Produktionschef Michael Macht soll Wendelin Wiedking als Porsche-Chef nachfolgen, berichtet "Spiegel Online". Porsche dementiert. Auch Gerüchte um eine Abfindung von 100 Millionen Euro machen die Runde.
Am Donnerstagabend hatte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bei der 100-Jahr-Feier von Audi noch gesagt, er sei ein glücklicher Vorstandschef: "Ich fühle mich in der Rolle pudelwohl", so Wiedeking. Er habe einen Vertrag bis 2012. Er sei verantwortlich für das Unternehmen und nehme diese Verantwortung wahr. Doch Spekulationen um seinen Rücktritt reißen einfach nicht ab.
Nach Informationen von "Spiegel Online" und "Wirtschaftswoche" haben sich die Eigentümerfamilien auf einen Nachfolger für den umstrittenen Porsche-Chef geeinigt. Demnach soll Michael Macht, bisher Produktionsvorstand, die Porsche AG führen.
Porsche hat das umgehend dementiert: Es gebe keinen Vorstandswechsel, wurde verkündet. "Wir haben unverändert den alten Vorstandsvorsitzenden", sagt ein Sprecher. Wiedeking "ist und bleibt" Porsche-Chef, betont er. "Dazu wäre ein Präsidialbeschluss des Porsche-Aufsichtsrates notwendig. Den gibt es nicht." Wiedeking sei damit weiter im Amt. Auch Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche hat die Medienberichte zurückgewiesen. "Ich weise diese Spekulationen entschieden zurück", zitierte ein Sprecher den Vorsitzenden des Aufsichtsrats.
100 Millionen Euro Abfindung?
Nach Angaben der "Süddeutsche Zeitung" könnte Wiedeking eine Abfindung von mehr als 100 Millionen Euro erhalten, falls er das Unternehmen verlässt. Das wäre die höchste Abschiedszahlung, die es in Deutschland jemals gegeben hat.
Einigung auf grundsätzliches Konzept?
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa haben sich die Eigentümerfamilien grundsätzlich auf ein Konzept über die Zukunft eines integrierten Porsche/VW-Konzerns geeinigt und damit den Plan von VW-Patriarch Ferdinand Piëch angenommen. Demnach soll Volkswagen knapp die Hälfte an der Porsche AG übernehmen und der Sportwagenbauer als zehnte Marke in den Konzern integriert werden. Einigkeit soll auch darüber bestehen, dass das Emirat Katar die VW-Optionen von Porsche übernehmen und neben Niedersachsen dritter Großaktionär bei VW werden soll. Der Sportwagenbauer ist mit rund zehn Milliarden Euro verschuldet.
Wiedeking wollte über eine Kapitalerhöhung mit Hilfe der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch Geld in die Kassen spülen und hoffte auf einen milliardenschweren Einstieg des Emirats Katar.
Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff rechnet beim Gerangel um die Zusammenführung von Volkswagen und Porsche mit einer klaren Entscheidung für einen integrierten Autokonzern. "In den Aufsichtsratssitzungen der Porsche SE und der Volkswagen AG sollte am Donnerstag eine Grundsatzvereinbarung für einen integrierten Automobilkonzern eine breite Mehrheit bekommen", sagte Wulff der "WirtschaftsWoche". Dritter Großaktionär dieses erweiterten Konzerns würde durch die Übernahme der derzeit von Porsche gehaltenen Optionen auf VW-Aktien das öl-reiche Emirat Katar.
(Red./Ag.)