Der Außenminister will mit seinem US-Pendant die Schließung der Balkanroute besprechen. Die USA würden diese Position verstehen, glaubt Kurz.
Aufklärungsarbeit bezüglich der Flüchtlingskrise wollte Außenminister Sebastian (ÖVP) am Montag bei seinem Besuch in Washington leisten. "Es gibt in den USA zu wenig Information darüber, was in Europa stattgefunden hat und stattfindet", sagte der ÖVP-Politiker in der Früh (Ortszeit) vor seinem Treffen mit dem "Secretary of State" John Kerry.
"Es geht auch darum, die österreichische Position zu erklären", so Kurz. Es gebe in den USA "immer wieder auch kritische Stimmen zur Westbalkanschließung", räumte Kurz im Gespräch mit österreichischen Journalisten ein. "Dabei brauchen wir uns nicht zu verstecken. Österreich hat einen überproportional großen Beitrag geleistet. Wir haben 90.000 Menschen aufgenommen, drei Mal so viele wie Kanada und die USA zusammen, obwohl das deutlich größere Länder sind."
Mit diesen Zahlen könne gezeigt werden, "dass wir gezwungen waren, hier nicht weiter zuzusehen", unterstrich Kurz seine Position vor dem Treffen mit Kerry. "Alles andere würde zu einer massiven Überforderung unseres Landes führen." Zudem würden die Amerikaner "zu Recht" einen "großen Wert auf Sicherheit legen", analysierte der Außenminister. "Sie haben sicher Verständnis dafür, dass es nicht der richtige Weg sein kann, eine Million Menschen vollkommen unregistriert durch Mitteleuropa durchziehen und weiterwandern zu lassen."
Erst Kerry, dann Lawrow
Dass er nach seinem Treffen mit dem US-Außenminister am Montag gleich einen Tag später in Moskau den gemeinsamen Amtskollegen Sergej Lawrow treffen wird, begründete Kurz mit den Vorbereitungen auf den österreichischen Vorsitz in der "Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (OSZE) im kommenden Jahr, "Ich glaube, es ist ein wichtiges Signal, wenn wir mit beiden Polen im OSZE-Raum, also den USA und Russland, gleich zu Beginn der Vorbereitungen auf den Vorsitz sprechen."
Österreich wolle als Vorsitzland 2017 "einen Beitrag leisten, um Europa sicherer zu machen, aber auch wieder ein Mehr an Kooperation zu haben." Hauptthema werde daher dem Thema "Kampf gegen Radikalisierung und Terrorismus" sein. "Das ist ein Thema, wo auch die USA und Russland an einem Strang ziehen können." Am Dienstag der kommenden Woche wird Kurz im Rahmen der OSZE-Troika gemeinsam mit Serbiens Außenminister Ivica Dacic bei Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin weilen. Deutschland hat derzeit den OSZE-Vorsitz inne.
Zum Auftakt seines Washington Kurz-Besuchs traf der Außenminister gleich den republikanischen Senator und US-Präsidentschaftskontrahenten von Barack Obama bei der Wahl im Jahr 2008, John McCaine. Der 79-jährige Vietnam-Veteran gab dem um fast auf den Tag genau 50 Jahre jüngeren ÖVP-Politiker gleich zu Beginn verstehen, dass er immer noch up-to-date ist. Auf seine alten Tage sei er jetzt auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter unterwegs, scherzte McCain, um nicht ohne Stolz hinzuzufügen: "Eine Mitarbeiterin hat mir gerade vorher gesagt, dass wir schon zwei Millionen Follower habe."
(APA)