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Kardinal König: Diplomat in Gottes Diensten

(c) APA (Roland Schlager)
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Vor 50 Jahren betrat Wiens Erzbischof die Bühne der Weltkirche. Er verstarb am 13. März 2004 im 99. Lebensjahr.

Die Meldung in den „Salzburger Nachrichten“ vom 5. Juli 1959 war dezent, wie es dem Stil der Zeitung entsprach: Der Wiener Erzbischof Franz Kardinal König sei in Rom von Papst Johannes XXIII. zu einer „ungewöhnlich langen“ Privataudienz empfangen worden, dann in die USA gereist und werde nun – nach seiner Rückkehr – „in nächster Zeit viel von Wien abwesend sein“.

Eine kryptische Andeutung, die erst im Licht der weiteren Ereignisse verständlich wird. Der „spröde Bauernsohn Franz König aus dem Pielachtal“ (© Hubert Feichtlbauer) hat damals, vor genau 50 Jahren, die Bühne der Weltkirche betreten. Er sollte sie – unter wechselnden Päpsten – über Jahrzehnte prägen.

Die Behauptung des damaligen Salzburger Erzbischofs Rohracher war diplomatische Halbwahrheit: König habe im Vatikan lediglich „Angelegenheiten der Salzburger Universität“ besprochen. Dazu hätte es keiner auffällig langen Audienz bedurft.

 

Das Konzil wird vorbereitet

Nein, der Papst hatte in dem Wiener Oberhirten einen Weggefährten für ein gewagtes Experiment gefunden: Im Jänner 1959 hatte Johannes in der Kirche San Paolo fuori le mura erstmals verkündet, dass er ein allgemeines Konzil der Gesamtkirche einberufen wolle. Er habe lange mit sich gerungen, meinte der Papst. Unterstützt wurde er von Kardinal König, die vatikanische Kurie war beileibe nicht so begeistert.

Auch die geheimnisvolle Amerikareise Königs diente diesem Ziel. Er hatte vom Papst eine „Ökumenische Order“ mit auf den Weg bekommen, zur Anbahnung von Gesprächen mit allen im freien Westen lebenden Metropoliten der russischen Orthodoxie. Johannes XXIII. entschied sich für den Wiener offenbar wegen dessen Sprachgewandtheit und seiner Herkunft aus einem neutralen Land.

Und „nebenbei“ sollte das heikle Problem Mindszenty besprochen werden. Der ungarische Primas lebte seit 1956 in der Budapester US-Botschaft und war ob seiner Unbeugsamkeit für den Vatikan ein Ärgernis.

Neben dieser Vermittlertätigkeit stand für König aber auch die Vorbereitung des Weltkonzils auf der Agenda. Während ihm in Wien der „Kirchen-Manager“ Franz Jachym als Erzbischof-Koadjutor den Rücken frei hielt, bereitete König die ersten Themenschwerpunkte für die Versammlung von 2500 Bischöfen aus aller Welt vor. Latein als einzig verbindliche Liturgiesprache stand zur Disposition; die Frage von Millionen Ehen, die zwischen Angehörigen verschiedener Konfessionen geschlossen wurden; die Frage der Mitschuld an der Judenverfolgung quer durch die Jahrhunderte; letztlich auch das Schisma zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche. In den diversen Kommissionen sollten die Bischöfe in ihrer Landessprache zu Wort kommen; sogar regelmäßige Pressekonferenzen wurden geplant.

So gestaltete sich das Konzil in den Jahren von 1962 bis 1965 zu einer öffentlichen Angelegenheit, zu einem Weltereignis, das von dem Spannungsverhältnis zwischen Bewahrern und Reformern lebte. Kardinal König gehörte zu den gemäßigten Reformern, sein theologischer Berater Karl Rahner war um eine Spur radikaler (jeder Bischof konnte sich seinen Experten selbst aussuchen). Der Jesuit, vom Vatikan wegen seiner kühnen Theologie gemaßregelt, entpuppte sich als kongenialer Partner Königs; dieses Duo prägte die Beratungen tiefgreifend und sehr nachhaltig.

 

Als Konzilsvater „papabile“

Die plakative Charakterisierung des Wiener Kardinals als Wortführer des progressiven Flügels lehnt Hubert Feichtlbauer ab: „Er war kein Fahnenschwinger irgendeines Flügels, kein Revoluzzer. Keiner, der sich im Feuer der eigenen Reformleidenschaft verzehrte – wie Münchens Erzbischof Julius Kardinal Döpfner.“ Königs Glanzrolle war die des Vermittlers. Und es spricht für ihn, dass beide Flügel zu ihm ein Mindestmaß an Vertrauen fassten. Er war nach dem Tod Johannes' XXIII. schon „papabile“, also des Papstthrones würdig gewesen, doch man wählte Kardinal Montini (Paul VI.) und nach ihm Kardinal Albino Luciani. Das Konzil hat Franz König weltbekannt gemacht. Er überlebte alle Konzilsväter. Als er am 13. März 2004 im 99. Lebensjahr starb, war er der einzige Kardinal, den noch Johannes XXIII. erwählt hatte. So wurde er zum „Jahrhundertkardinal“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2009)