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Test Leica SL: Schärfer geht`s nicht

Leica SL
Leica SLLeica
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Leica setzt mit der spiegellosen SL neue Maßstäbe bei der Bildqualität. Das größte Manko von spiegellosen Kameras sucht man vergebens.

Lange Jahre hatte Leica vor allem ein Verkaufsargument: den Namen Leica. Man lebte gut davon, dass viele besser verdienende Hobbyfotografen glaubten, eine Leica-Kamera allein mache sie schon zu einem besseren Fotografen. Wirklich innovativ war man nicht. Oder besser formuliert: Die Techniker waren innovativ (Leica entwickelte beispielsweise mit der S eine der ersten Digitalkameras der Welt), aber dem Management fehlte der Weitblick (man entwickelte die S nicht weiter), und so stand das Unternehmen 2004 am Rand des Abgrunds.

Dann kam - man darf es ruhig mit etwas Nationalstolz sagen - der in Salzburg lebende Andreas Kaufmann, steckte Millionen in das Unternehmen und rettete es so nicht nur vor der Pleite, sondern machte auch Neuentwicklungen möglich. Es kam die digitale M, eine überarbeitete S, die X-Serie, die Q - und jetzt mit der SL der große Wurf. Leica ist heute wieder ein florierendes Unternehmen mit innovativen Produkten.

Rief

Die SL ist eine spiegellose Systemkamera, die alle positive Eigenschaften von Leica in sich vereint: ein unverschnörkeltes Design, eine auf das Wesentliche reduzierte Bedienung, eine einfache Menüführung und vor allem eine Bildqualität, die neue Maßstäbe setzt.

Weder klein, noch leicht.

Die bekannten Eigenschaften einer spiegellosen Systemkamera sucht man bei der SL vergebens: Sie ist weder klein, noch ist sie leicht. Kamera und Normalzoom (24-90mm) wiegen stolze 2204 Gramm. Allein das Vario-Elmarit-SL 1:2,8-4/24-90mm ASPH bringt es auf 1224 Gramm - so viel, wie andere Spiegelreflexkameras samt Objektiv wiegen. Dafür liefert das Zoom aber auch eine Schärfe, die viele andere Hersteller nicht einmal mit ihren Festbrennweiten erreichen.

Schneller Wechsel der AF-Felder dank Joystick
Schneller Wechsel der AF-Felder dank JoystickRief

Auch das größte Manko von spiegellosen Kameras sucht man vergebens: Üblicherweise liefert ein elektronischer Sucher ein pixeliges Bild oder zieht Schlieren, wenn man die Kamera schnell schwenkt. Beim elektronischen Sucher der SL könnte man glauben, man schaue durch einen optischen einer Spiegelreflexkamera, so natürlich wirkt das Bild. Zu verdanken ist das einem Sensor mit stattlichen ⅔ Zoll und einer Auflösung von 4,4 Megapixel. Besser geht es derzeit nicht, man blickt mehr oder weniger in die Zukunft.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung der Kamera. Statt vielen Knöpfen, finden sich auf der Rückseite der SL nur vier unbeschriftete Tasten. Über sie kommt man ins Menü, startet die Bildwiedergabe, setzt die Aufnahmeparameter. Es braucht ein paar Tage, bis man sich zurechtgefunden hat und nicht ständig alle Tasten drücken muss. Aber dann liebt man die Einfachheit der Bedienung. Sony kann sich hier einiges abschauen.

Bei der Software haben die Leica-Techniker endlich eine kleine, aber sehr wesentliche Änderung realisiert, die Nutzer der X-Serie zur Verzweiflung treibt: man muss nach der Aufnahme nicht mehr den Auslöser ganz loslassen, um das nächste Bild machen zu können. Hält man ihn halbgedrückt, bleiben Entfernung und Belichtung gespeichert und man kann nahtlos das nächste Foto  machen.

Hugs for free:
Hugs for freeRief
Hugs for free
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Hugs for free
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Der Autofokus der Leica SL arbeitet schnell und präzise, man kann zwischen Punkt, Feld und der ganzen Fläche wählen. Ideal ist der kleine Joystick neben dem Sucher, mit dessen Hilfe man schnell zwischen den verschiedenen AF-Punkten wechseln kann.

Im Gegensatz zu anderen Herstellern setzt Leica auf keinen Hybrid-AF, sondern auf einen reinen Kontrast-AF. Bei Tageslicht macht das keine Probleme (außer bei einem kleinen AF-Feld bei sehr hellen Flächen), in dunkleren Situationen musste er teilweise suchen - aber auch nicht mehr, als ein Phasen-AF. In diesen Situationen lernt man übrigens den Bildstabilisator der SL zu schätzen, der bei etwas ruhigerer Hand auch noch Belichtungszeiten von 0,3 Sekunden (bei 24mm) zulässt.

Bemerkenswert ist, was der 24-Megapixel-CMOS-Sensor von der Größe eines Kleinbildnegativs (24×36 Millimeter) liefert. Er hat keinen Tiefpassfilter, bringt also sehr detailreiche Bilder. Das schlägt sich aber nicht in höherem Rauschen nieder. Ganz im Gegenteil: Ein 3200-ISO-Bild ist mehr oder weniger rauschfrei, ISO 6400 sieht noch immer sehr gut aus, wir haben ein Bild mit der höchsten ISO-Einstellung 50.000 gemacht - und selbst das lässt sich noch für bestimmte Zwecke verwenden.

Der Bildstabilisator beeindruckt bei 1/3 Sekunde
Der Bildstabilisator beeindruckt bei 1/3 SekundeRief
100 Prozent Ausschnitt
100 Prozent AusschnittRief

Der Pufferspeicher für den Bildprozessor der Maestro-II-Serie ist zwei Gigabyte groß: Wenn man nur Rohdaten im dng-Format speichert, schafft er 33 Aufnahmen ohne Pause. Videos kann man in 4k-Auflösung filmen.

Die Kamera verfügt über GPS und Wi-Fi. Die App, mit der man Bilder von der Kamera auf das Handy überspielen kann, ist noch verbesserungswürdig. Derzeit ist die Bedienung mühsam, es fehlen einige Features.

Testobjekt Petersdom
Testobjekt PetersdomRief
3200 ISO: 100 Prozent Ausschnitt
3200 ISO: 100 Prozent AusschnittRief
6400 ISO: 100 Prozent Ausschnitt
6400 ISO: 100 Prozent AusschnittRief
50.000 ISO: 100 Prozent Ausschnitt
50.000 ISO: 100 Prozent AusschnittRief

Fazit

Mit kaum einer anderen Kamera macht Fotografieren derzeit so viel Spaß, wie mit der Leica SL. Von der Bedienung bis zur herausragenden Bildqualität - viel besser geht es nicht.

Canon, Nikon und Sony müssen trotzdem nicht vor der erstarkten Konkurrenz aus Deutschland zittern. Warum? Die Leica SL kostet 6900 Euro, das 24-90mm schlägt mit 4296 Euro zu Buche, wer sich das neue 2.8-4/90-280 dazunehmen will, muss noch einmal 5800 Euro hinblättern.