Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Nachfrage nach Banksafes steigt

Inside A Metro Bank Plc Branch As Company Prepares For Listing On The London Stock Exchange
Die Deutschen verstauen ihre Wertsachen verstärkt in Banksafes.(c) Bloomberg (Simon Dawson)
  • Drucken

Deutsche und Österreicher packen ihr Geld und Gold vermehrt in Banksafes, aus Angst vor Negativzinsen und Einbrüchen. In manchen deutschen Städten gibt es schon Wartelisten.

Wien/Berlin.Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und die Einführung von Negativzinsen für Bankeinlagen bei der EZB hat die Sparer in Österreich und Deutschland offenbar aufgeschreckt. So boomt in Deutschland die Nachfrage nach Safes und Schließfächern bei Banken und Sparkassen. Mancherorts gibt es bereits Wartelisten. „Vor allem in Städten ist die Nachfrage größer als das Angebot“, heißt es dazu aus dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Offenbar setzen viele Deutsche angesichts befürchteter negativer Zinsen sowie einer Bargelddebatte in den Medien auf die Lagerung von Bargeld und/oder Edelmetallen im Banksafe.

Die Angst kommt nicht von ungefähr. Zwar bezweifeln viele Ökonomen, dass die Banken negative Zinsen, die sie selbst für Einlagen bei der Zentralbank zahlen müssen, an Kunden weitergeben könnten. Aber der deutsche Bundesbank-Vorstand, Andreas Dombret, hat dem in einem Interview widersprochen. Er befürchtet tatsächlich, dass Finanzinstitute die Belastungen durch Niedrigzinsen weitergeben könnten und hält auch Negativzinsen für Konten von Privatkunden für möglich.

In Österreich gibt es zwar noch keine Wartelisten, die Erste Bank bestätigt auf Anfrage der „Presse“ aber, dass es inzwischen einen gestiegenen Bedarf an Schließfächern und Banksafes gibt (in Schließfächern dürfen nur Dokumente, in Safes auch Wertsachen gelagert werden).

„Das hat in den vergangenen Jahren ein bisschen nachgelassen, nimmt aber seit einigen Monaten wieder zu“, sagt Erste-Sprecherin Karin Berger. Es gehe dabei aber nicht nur um Bargeld: „Die Leute glauben nach wie vor an Gold und es wird auch wieder vermehrt Gold gelagert.“ Der Preis des Edelmetalls hat nach einer langen Talfahrt Anfang dieses Jahres wieder kräftig angezogen. In Deutschland und Österreich ist die Affinität zu Gold und Silber traditionell sehr hoch – ein Erbe der Erfahrungen mit Hyperinflationen im vergangenen Jahrhundert. Aber Inflation ist diesmal überhaupt nicht das Problem.

Die Maßnahmen der EZB sind darauf ausgelegt, ein Abgleiten in die Deflation zu verhindern. Und die Zentralbank wird sich von ihren Maßnahmen wie Negativzinsen sowie Aufkäufe von Staats- und Unternehmensanleihen auch nicht abbringen lassen. Der EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hat den Einsatz unkonventioneller geldpolitischer Schritte zur Anheizung der Konjunktur und der Inflation verteidigt. Die lange Zeit niedriger Inflation habe die Gefahr verstärkt, dass das Inflationsziel ständig verfehlt werde, „was sehr schädlich für die Wirtschaft wäre“, sagte Praet in einer Rede an einer Privathochschule in Rom.

 

Ausweitung der Maßnahmen

„Deshalb haben wir so stark reagiert, um unser Ziel zu sichern – und wir werden das künftig auch weiterhin tun, falls notwendig.“ Sobald Zentralbanken Inflationserwartungen wegdriften ließen und nicht gegensteuerten, gebe es keine Garantie, dass diese sich auf einem anderen wünschenswerten Niveau einpendeln, sagte Praet. „Bis dahin hätten die niedrige Inflation und das schleppendes Wachstum zusammen einen noch tieferen Rückgang bewirkt“, warnte er. „Indem wir jetzt entschlossen handeln, um unser Ziel zu verteidigen, können wir noch schwerere volkswirtschaftliche Ungleichgewichte abwehren.“

Die Währungshüter hatten vor wenigen Wochen ein großes Maßnahmenbündel beschlossen. Die EZB senkte unter anderem alle drei Leitzinsen. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld liegt nun erstmals bei 0,0 Prozent. Gleichzeitig wurden die Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren auf 80 Mrd. Euro pro Monat ausgeweitet. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2016)