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Locker am Hocker: Wie der FPÖ-Kandidat im TV punktet

BP-WAHL FERNSEHDISKUSSION: HOFER / KHOL
Norbert Hofer, wegen seiner Gehbehinderung sitzend, forderte Andreas Khol, stehend, im Rahmen der „Elefantenrunde“ auf Puls4 heraus.(c) APA/HANS PUNZ
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Im Fernsehen werden die Karten nun neu gemischt. Erster Profiteur ist Norbert Hofer. Im Gegensatz zu 2010 läuft die FPÖ-Kampagne bisher rund.

Umfragen sind stets mit Vorsicht zu genießen – vor allem, wenn es sich um eine Blitzbefragung mit einem 500er-Sample handelt. Oder wie Wolfgang Schüssel zu sagen pflegte: „Umfragen sind wie Parfum. Man soll daran riechen, nicht davon trinken.“

In einer OGM-Blitzumfrage, Sample 500, nach der ersten TV-Runde mit allen Präsidentschaftskandidaten am Sonntag auf Puls4 ging FPÖ-Kandidat Norbert Hofer zweimal als Sieger hervor – bei den Fragen: „Wer hat Sie überzeugt?“ und „Wer hat Sie überrascht?“.

Wie immer man eine solche Umfrage auch bewerten mag: Sie hat auf jeden Fall das verstärkt, was die Amerikaner „Momentum“ nennen – die Aufmerksamkeit des Augenblicks, den sich gewissermaßen von selbst tragenden Schwung einer Kampagne. Der freiheitliche Wahlkampf läuft bisher durchaus rund. Norbert Hofer hat – auch in anderen Umfragen – gute Chancen, in die Stichwahl einzuziehen.

Das mag überraschend sein angesichts eines Kandidaten, den die breite Mehrheit zuvor bestenfalls vom Hörensagen kannte. Andererseits hat es aber auch seine Logik: Hofer hat eine – wiederum in aktuellen Umfragen ausgewiesene – 30-Prozent-Partei hinter sich. Rund um diesen Wert liegt die FPÖ derzeit, die anderen Parteien liegen abgeschlagen dahinter.

Nun ist eine Präsidentenwahl zwar nicht gerade ein Herzensanliegen freiheitlicher Wähler, jahrelang wurde ihnen zudem eingeredet, dass das Amt eigentlich verzichtbar sei. Aber im Gegensatz zur ursprünglich geplanten Kandidatin Ursula Stenzel sollte der in der Partei verankerte Hofer dieses Potenzial halbwegs abrufen können.

Wenn im Wahlkampf keine größeren Fehler passieren. Aus seiner politischen Vergangenheit herrührende Vorwürfe sind bisher mehr oder weniger abgeprallt: Ob die in „News“ erhobenen, Hofer habe einem potenziellen Investor aus dem Iran die österreichische Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt, wenn er Geld in eine Stiftung, der Hofer vorstand, einzahlt. Oder die vom „Falter“ wiederholten, Hofer habe ein Geheimpapier mitverfasst, dass der burgenländischen FPÖ nach der Landtagswahl 2005 hohe Positionen im Land sichern sollte, egal, wie die Wahl ausginge.

Vor allem ein Anstreifen am rechten Rand kann – wie man bei der Bundespräsidentenwahl 2010 am Beispiel von Barbara Rosenkranz gesehen hat – eine Kampagne sehr schnell kippen. Hofer ist das bewusst. Er müsse bei den unzähligen Interviews, die er gebe, auf jeden Satz achten, den man ihm negativ auslegen könnte, meinte er zu Wahlkampfbeginn.

 

Odin, der Lieblingsmaler

Insofern war es erstaunlich, dass er sich ohne Not in eine solche Situation brachte. Im Marcel-Proust-Fragebogen für die „Presse am Sonntag“ vor zwei Wochen nannte er als seinen Lieblingsmaler einen gewissen Odin Wiesinger. (Künstler-)Nomen war in diesem Fall Omen. Dieser, eigentlich Manfred mit Vornamen, Spezialdisziplin Burschenschafter, malte auch schon für die „Aula“.

Aber auch das scheint dem freundlichen Gesicht der FPÖ mit der sanften Stimme nicht nachhaltig geschadet haben. In der Puls4-Sechserrunde gab er, als Einziger auf dem Hocker sitzend wegen seiner Gehbehinderung, dann sogar eine Art Ko-Moderator, indem er etwa Andreas Khol mit kritischen Fragen in Bedrängnis zu bringen versuchte. Was bei Khol, der mittlerweile wieder zur gewohnten Form zurückgefunden hat, aber nicht wirklich verfing. Diese ungewohnte Aggressivität war wohl das überraschendste an Hofers TV-Auftritt.

Sonst sind seine Auftritte eher rar gesät. Auch das hat mit den Folgen seinen Paragleiterunfalls zu tun. Stundenlang auf Marktplätzen zu stehen ist für ihn schwer möglich. Also konzentriert er seine Kräfte auf den Platz mit der größtmöglichen Wirkung – das Fernsehen. Zudem organisiert ihm auch noch die Partei die eine oder andere größere Veranstaltung.

Denn just im Präsidentschaftswahlkampf feiert die FPÖ am morgigen Mittwoch ihr 60-Jahr-Jubiläum mit einem Festakt im Palais Ferstel. Der eigentliche Geburtstag, also der Tag der Gründung der Partei, war zwar am 3. November 1955. Es trifft sich nun allerdings gut, dass der dazugehörende Parteitag erst am 7. April 1956 war.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2016)