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Sex, Lügen, Rücktritte im Tiroler BZÖ - und auch ein Mordauftrag?

(c) BZÖ (Mohsburger)
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Gerhard Huber, der Chef des Tiroler BZÖ, wollte angeblich einen Erpresser ermorden lassen. Auslöser war eine Affäre mit einer Asylwerberin.

INNSBRUCK. Schwere Vorwürfe gegen den Tiroler BZÖ-Obmann und Nationalratsabgeordneten Gerhard Huber: Ehemalige Mitarbeiter und Parteikollegen bestätigen der „Presse am Sonntag", dass Huber über Monate eine Affäre mit einer in Klagenfurt lebenden georgischen Asylwerberin unterhalten habe. Im Februar soll ein bis dato Unbekannter Huber deshalb erpresst haben. Daraufhin habe der BZÖ-Mandatar seinen damaligen parlamentarischen Mitarbeiter J.L. telefonisch aufgefordert, „mit ein paar Leuten nach Klagenfurt zu fahren und dem Mann zwei Wochen Krankenhaus zu besorgen oder ihn ganz verschwinden zu lassen".

Für dieses Telefongespräch gibt es laut L. drei Zeugen: „Ich war an diesem Abend zu Hause, wo ich immer mittels Freisprecheinrichtung telefoniere. Zufällig waren meine Lebensgefährtin und zwei Bekannte anwesend, die das Gesagte mithören konnten." Alle drei Zeugen haben, so L., eidesstattliche Erklärungen verfasst, in denen sie den Inhalt des Telefonats bestätigen. Diese sollen kommende Woche der Exekutive übergeben werden.

Nicolas Forster, bis vergangenen Montag stellvertretender Obmann des BZÖ-Tirol, bestätigt L.s Vorwürfe: „Herr Huber hat mir gegenüber bestätigt, dass er L. den Auftrag gab, den Mann, der ihn erpresst, krankenhausreif zu prügeln." Forster weiß auch von Hubers Affäre mit der georgischen Asylwerberin: „Er hat mich am 21. Februar angerufen und aufgefordert, nach Klagenfurt zu fahren, um die Dame ruhigzustellen. Damit sie keinen weiteren Blödsinn macht."

L. und Forster seien von Huber öfter zu Hilfe gerufen worden, als es Streit mit seiner Geliebten gegeben habe. Sie soll Huber gedroht haben, seine Frau zu informieren. Der BZÖ-Bundesvorstand soll seit Ende Mai von Hubers Affäre und dem kriminellen Auftrag an seinen parlamentarischen Mitarbeiter wissen. „Um der Partei nicht zu schaden", habe er, Leidl, vorerst von einer Anzeige abgesehen und den Vorstand informiert. Zusammen mit Forster habe er Ende Mai BZÖ-Obmann Bucher persönlich in Kenntnis gesetzt. Um die Affäre zu vertuschen, habe der Bundesparteivorstand entschieden, Huber in einem Landesparteivorstand vergangenen Montag abwählen zu lassen.

Eklat im Landesparteivorstand

Im Beisein von BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz wurde dort eine Abwahl Hubers verhindert ss-12;0(der „Presse am Sonntag" liegt ein Protokoll der Sitzung vor). Daraufhin erklärten acht BZÖ-Tirol-Vorstandsmitglieder, darunter Forster, ihren Rücktritt. Freitag gaben die Ausgetretenen bekannt, als Christlich Bürgerliche Union (CBU) eine neue Partei zu gründen.

Huber streitet alle Vorwürfe als „Intrige beleidigter Mitarbeiter" entschieden ab. Mit seinem Anwalt erstattete er am Samstagabend Anzeige wegen „Nötigung eines Mitgliedes des Nationalrates" beim Verfassungsschutz. Die Anzeige sei vorerst „gegen Unbekannt" erfolgt, der Name Leidl, sowie der weiterer BZÖ-Politiker komme im Protokoll vor. Huber behauptet, von mehreren Personen genötigt worden zu sein, sein NR-Mandat niederzulegen, andernfalls werde man ihn „fertigmachen" .

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2009)