Finale im Kampf um VW-Porsche

(c) AP (Thomas Kienzle)
  • Drucken

Der Poker zwischen Volkswagen und Porsche geht in die entscheidende Phase. Kurz vor den Aufsichtsratssitzungen am Donnerstag zeichnet sich ab, dass VW den Sportwagenbauer übernehmen wird. Die Abfindung für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erhitzt in Deutschland die Gemüter.

Im Machtkampf zwischen Porsche und VW geht es um Einfluss und Macht, um Eitelkeiten und Feindschaften. Und natürlich auch um sehr viel Geld. Um acht Milliarden Euro, vielleicht sind es sogar zwölf. Nach langem Hin und Her geht die Auseinandersetzung nun in die entscheidende Phase. Wie der „Spiegel“ am Samstag berichtete, steht der Volkswagen-Konzern kurz vor der Übernahme von Porsche. Die beiden Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sollen sich weitgehend einig sein.

Die Entwicklung kommt einem Paukenschlag gleich: Erst zu Jahresbeginn hatte Porsche mit 50,8 Prozent die Mehrheit an dem deutlich größeren VW-Konzern übernommen. Mit der Transaktion hatte sich der Sportwagenbauer jedoch übernommen und hohe Schulden angehäuft. Im Zuge der Finanzkrise wurden die Banken nervös. Nun dreht Volkswagen den Spieß einfach um.

Laut „Spiegel“ soll Porsche in zwei Schritten an VW verkauft werden. Die „Porsche Automobil Holding“ soll dafür acht Milliarden Euro bekommen und könnte damit einen Großteil der Schulden tilgen. Die Beschlüsse sollen auf getrennten Aufsichtsratssitzungen der Aufsichtsräte von Porsche und VW kommenden Donnerstag fallen. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrats Christian Wulff sagte am Samstag, er rechne mit einer breiten Mehrheit für einen integrierten Autokonzern. Porsche soll im VW-Konzern als zehnte Marke weitergeführt werden.

Auch die Eigentümerstruktur des vereinten VW-Porsche-Konzerns steht weitgehend fest. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch werden mehr als 50 Prozent halten. Niedersachsen soll weiterhin mit 20 Prozent beteiligt sein, das Emirat Katar mit einem Aktienpaket zwischen 14,9 und 19,9 Prozent.


Der 100-Millionen-Euro-Mann. Damit ist die Zeit von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking abgelaufen. Der Autochef wollte die Krise bei Porsche mit Hilfe einer Beteiligung des Wüstenstaates Katar alleine lösen. Doch damit scheint er gescheitert zu sein. Wiedeking hatte noch vergangenen Donnerstag beim 100-Jahr-Jubiläum von Audi stolz verkündet, er mache sich keine Sorgen, denn sein Vertrag laufe bis 2012.

Nach diesem Auftritt soll Wiedeking Besuch von den Eigentümerfamilien bekommen haben. Ausgerechnet Wolfgang Porsche, der wichtigste Vertreter aus dem Familienzweig der Porsches, soll ihm sinngemäß gesagt haben, so gehe es nicht mehr weiter. Man müsse sich leider trennen.

Hinter den Kulissen wird schon an den Kosten für die Ablöse gefeilscht. Klar ist nur: Der Abgang des Porsche-Chefs wird ziemlich teuer. Wiedeking verdiente zuletzt fast 80 Millionen Euro im Jahr. Ihm dürften daher mindestens 100 Millionen Euro zustehen – die höchste Abschiedszahlung, die es jemals in Deutschland gegeben hätte.

In der Bundesrepublik gehen deswegen bereits die Wogen hoch. Die „Bild“-Zeitung zitierte Professor Rudolf Hickel von der Universität Bremen: „Wiedeking hat bei der versuchten Übernahme von Volkswagen mit abenteuerlichen Mitteln völlig versagt. Er sollte deshalb auf seine vertraglichen Ansprüche verzichten. Es wäre ein Skandal, seinen Vertrag voll auszubezahlen.“


Porsche-Mitarbeiter drohen. Unterstützung erhält Wiedeking vom Porsche-Betriebsratschef. Dieser sagte, er sei enttäuscht darüber, dass seit Wochen versucht werde, „einen Menschen zu zerstören“.

Die Porsche-Mitarbeiter wollen für ihren Chef auf die Barrikaden steigen. Die Beschäftigten planen, bei einer Übernahme durch VW die Werke zu besetzen. Sogar unbefristete Streiks seien vorgesehen. Die Produktion soll so lange ruhen, bis die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch auf die Forderungen der Belegschaft eingegangen sind.

Aller Voraussicht nach wird VW auch das Autohandelshaus der Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch in Salzburg übernehmen. Die Porsche Holding Salzburg ist Europas größter Händler von VW-Konzernmarken und Porsche-Modellen. Sie machte im vergangenen Geschäftsjahr 13,7 Milliarden Euro Umsatz, ein Drittel davon in Österreich. Neben Porsche hat das Unternehmen die Marken VW, Audi, Seat, ?koda, Bentley, Lamborghini und Bugatti im Angebot

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Symbolbild
International

VW/Porsche: Bis Donnerstag soll Klarheit herrschen

Für Niedersachsens Ministerpräsident Wulff liegen "alle Fakten auf dem Tisch", spätestens am Donnerstag soll klar sein, wie es bei VW und Porsche weitergeht.
FILE - A logo of a car of German car maker Volkswagen VW is reflected in the varnish of a Porsche spo
International

Autobranche: Volkswagen schluckt Porsche

Nach einer monatelangen Übernahmeschlacht setzt sich VW-Aufsichtsratschef Piëch durch. Der Porsche-Betriebsrat plant nun massiven Widerstand und will Werke zu besetzen.
Österreich

VW-Patriarch Piëch als Gewinner

Der in Wien geborene Ferdinand Piëch hat sich durchgesetzt.
Let's make money

Der Porsche-Kurs könnte bald "abfahren"

Warum Anleger aufmerksam auf den Zustand des US-Finanzierers CIT achten sollten und Porsche bald den Kursturbo zünden könnte.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.