Warum Anleger aufmerksam auf den Zustand des US-Finanzierers CIT achten sollten und Porsche bald den Kursturbo zünden könnte.
Die Weltbörsen haben sich in der vergangenen Woche überraschend gut gehalten: Die zuletzt registrierte Verschlechterung der Chartbilder an den wichtigsten Märkten ist durch positive Unternehmensnachrichten aus den USA (sowohl von Banken wie auch von „Techs“) weitgehend aufgehoben worden. Der Tipp, trotz verschlechterter Gesamtsituation die Gewinne (vorsichtshalber mit strikten Stopps) weiterlaufen zu lassen, hat sich also als richtig herausgestellt.
Die wichtigsten Analysten sind nun durchwegs wieder auf die optimistische Seite gewechselt und rechnen durchaus damit, dass die Börsenindizes zum Ende des Sommers höher stehen werden als jetzt.
Ganz einig sind sich die Experten da freilich nicht: Die Sommerendprognosen für den deutschen Leitindex DAX, der derzeit bei knapp 5000 Punkten steht, reichen beispielsweise von 4500 bis 5700. Da liegt viel Spielraum dazwischen.
Allerdings gibt es kurzfristig einen extremen Unsicherheitsfaktor: Der amerikanische Mittelstandsfinanzierer CIT kämpfte gegen Ende der Woche gegen die Insolvenz – und Marktbeobachter gaben ihm am Freitag nur noch wenige Stunden bis Tage, falls nicht im letzten Moment doch noch ein Retter mit mehreren Milliarden Dollar in der Tasche auftaucht.
Sollte CIT tatsächlich krachen, dann sehen die USA wohl den größten Konkurs seit Lehman Brothers im vergangenen Herbst. Die Auswirkungen wären zwar nicht ganz so dramatisch wie die bei Lehman. Aber stark genug, um die Börsen ordentlich durchzubeuteln.
Und zwar nicht nur die amerikanischen. Auch europäische Banken hängen über sogenannte strukturierte Produkte, die sie in ihren Portfolios haben, ziemlich tief drinnen.
Ein CIT-Konkurs hieße für Anleger also wohl Alarmstufe Rot: enge Stop-Loss-Limits und erst nach dem Abebben der Turbulenzen zu tieferen Kursen wieder in den Markt.
Wir wollen aber den Teufel nicht an die Wand malen und einmal nachsehen, wo es laufen könnte, wenn nichts Großes passiert: Trotz der gewaltigen Krise in der Autoindustrie haben die Aktien der deutschen Nobelhersteller BMW und Daimler ordentlich zu laufen begonnen. Beide profitieren von drastischen Effizienzsteigerungsprogrammen, bei Daimler ist auch noch die neue Mercedes E-Klasse ziemlich gut angelaufen.
Mehr Potenzial als BMW und Daimler dürfte die Aktie des Sportwagenherstellers Porsche haben: Die hat seit der ersten „Presse am Sonntag“-Empfehlung Mitte Juni schon um knapp 13 Prozent zugelegt, obwohl der Machtkampf der Familien Piëch und Porsche um die Nobelmarke da noch voll im Gange war. Jetzt beginnt sich die Lage langsam zu klären – und das könnte bei der Porsche-Aktie durchaus den Turbo zünden. Da ist es durchaus noch nicht zu spät, einen Teil der Aufwärtsstrecke mitzugehen. Langfristig, nach der Buy-and-Hold-Methode, würde ich jetzt aber keine Autoaktien ins Portefeuille nehmen.
Immer interessant sind Übernahmespekulationen: Die treiben den Kurs des Übernahmekandidaten normalerweise kräftig an. In Deutschland murmeln Börsianer derzeit, dass die Softwareschmiede SAP und der Düngemittelhersteller K+S durch ihre Börsenbewertungen zu klassischen Übernahmekandidaten mutiert seien. Und dass es zumindest für K+S auch konkretes Interesse gebe. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Bei SAP hat es immer wieder Übernahmegerüchte gegeben, die sich immer wieder als Wunschvorstellung (oder als gezieltes Gerüchtestreuen) herausgestellt haben.
K+S gibt nach den jüngsten Kursverlusten tatsächlich einen attraktiven Übernahmekandidaten ab, wenn sich die Gerüchte aber als unwahr herausstellen, dann ist das Papier alles andere als ein Geschäft: Die Düngemittelbranche kämpft zurzeit mit enormen Überkapazitäten, fundamental sieht die Lage also weniger rosig aus.
Die zuletzt wieder optimistisch gestimmten Märkte setzen derzeit übrigens den Staatsanleihen zu: Die RZB hat in der Vorwoche eine Verkaufsempfehlung für US-Staatsanleihen herausgegeben, weil die Finanzmärkte derzeit ein zu pessimistisches Szenario eingepreist hätten. Auch deutsche Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit sollten verkauft beziehungsweise durch spanische und österreichische Anleihen mit gleicher Laufzeit ersetzt werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2009)