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Deutsche TV-Satiriker sticheln weiter gegen Erdogan

Moderator Christian Ehring.imago stock&people
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Trotz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Jan Böhmermann stichelt "extra 3" weiter: "Würden gerne was bringen, worüber Erdogan lachen kann. So was wie mit einem Wasserwerfer Demonstranten umfahren".

Die deutsche Satiresendung "extra 3" legt im Konflikt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach. "Wir würden gerne einmal in der Sendung was bringen, worüber Erdogan lachen kann. So was wie mit einem Wasserwerfer Demonstranten umfahren. Aber (...) für so was fehlt uns das Geld", sagte Moderator Christian Ehring in der Mittwochabend ausgestrahlten NDR-Sendung.

Ehring bezeichnete den türkischen Präsidenten als "unseren Stammzuschauer". Zugleich mokierte er sich darüber, dass im Konflikt mit Erdogan die Satire als europäischer Wert verteidigt werde. Denn angesichts des EU-Türkei-Flüchtlingsdeals stelle sich die Frage, ob es überhaupt noch europäische Werte gebe. "Europa begibt sich komplett in Erdogans Hand. Kein Wunder, dass er größenwahnsinnig wird."

In einem "extra 3"-Beitrag wurde dessen fiktiver "Chefdramatürk" porträtiert, der für Propaganda-Inszenierungen sorge, beispielsweise Fußballern einschärfe, Erdogan beim Spiel nicht anzugreifen. "Er mag keinen Widerstand, lasst ihn schießen."

Wegen der Ausstrahlung eines kritischen Songs in der NDR-Sendung ("Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast") hatte der türkische Präsident den deutschen Botschafter in Ankara ins Außenministerium zitieren lassen. Die deutsche Politik reagierte empört.

Nun auch Ermittlungen gegen ZDF

Im Zusammenhang mit der Causa Jan Böhmermann (der Satiriker hatte ein unfassbar peinliches und schmutziges Schmähgedicht über den Türkenpräsidenten vorgetragen) sind bei der deutschen Justiz mittlerweile nicht nur gegen ihn, sondern auch hohe Verantwortliche des ZDF Anzeigen eingegangen. Diese würden ebenfalls geprüft, teilte die Leitende Oberstaatsanwältin, Andrea Keller, am Donnerstag in Mainz mit. Die vorherigen Anzeigen gegen Böhmermann durch mehr als 20 Privatpersonen führten dazu, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Satiriker wegen Verdachts auf Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten ermittelt.

Es geht um ein mit "Schmähkritik" überschriebenes Gedicht, das Böhmermann im "Neo Magazin Royale" vorgelesen hatte und sich deutlich unter der Gürtellinie abspielte. Dabei hatte er darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Die Sendung mit dem Gedicht war am vergangenen Donnerstag auf ZDFneo ausgestrahlt worden. Das ZDF hatte den Beitrag in der Wiederholung in der Nacht auf Samstag sowie bei den Online-Ausspielwegen gestrichen.

(APA)