Burkini
Geht die Freiheit baden?
Marks & Spencer, Mango und Dolce & Gabbana bieten Kleidung für praktizierende Musliminnen an, etwa den Ganzkörperbadeanzug Burkini.
Debatten um die Verhüllung muslimischer Frauen nehmen in Frankreich schnell hysterische Züge an. Und auch der frisch entbrannte Streit um Islamic Fashion - im Speziellen um den Burkini -, hat schnell Dimensionen erreicht, bei denen viele sich verwundert die Augen reiben.
Madamme BK Paris
In dem Land, das noch traumatisiert ist von den islamistischen Anschlägen vom 13. November, wird gerade mit scharfen Worten über Mode, Religion und Frauenrechte gestritten - Kleidung wird zum Politikum.
Assila (Facebook)
Am Anfang der Debatte steht die Sozialistin Laurence Rossignol (hier im Bild), französische Ministerin für Familie, Kinder und Frauenrechte.
APA/AFP (PATRICK KOVARIK)
Sie empörte sich in einem Interview über große Modefirmen wie Marks & Spencer, Mango und Uniqlo, die schicke Kleidung für praktizierende Musliminnen anbieten, etwa den bekannten Ganzkörperbadeanzug Burkini - eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini - und das Hidschab-Kopftuch.
Marks & Spencer
2015 zeigte auch der schwedische Billigmarkenriese H&M in einer Werbung erstmals auch eine muslimische Frau, die ein Kopftuch trug – allerdings waren in dem Spot u.a. auch eine Seniorin in kurzem Rock und ein Mann mit körperlicher Behinderung zu sehen. Die Botschaft des Videos sollte lauten: Es gibt keine Regeln in der Modewelt.
H&M
"Unverantwortlich" sei das von den Herstellern, wetterte die Ministerin allerdings: "Sie entziehen sich ihrer sozialen Verantwortung und werben in gewisser Weise für ein Einsperren des weiblichen Körpers."
Mango Ramadan Collection
Der Präsident der Beobachtungsstelle für Islamfeindlichkeit, Abdallah Zekri, warf Rossignol eine "Stigmatisierung" muslimischer Frauen vor und legte später noch einen drauf: Die Ministerin helfe den Anwerbern der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat".
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Rossignol erhielt aber auch Beistand: Der bekannte Geschäftsmann Pierre Berge, langjähriger Lebenspartner des Modeschöpfers Yves Saint Laurent und Mitbegründer des gleichnamigen Modehauses, findet die islamisch angehauchten Angebote der westlichen Bekleidungsfirmen "skandalös".
DKNY
"Ich dachte immer, dass ein Modeschöpfer dazu da sei, Frauen schöner zu machen, ihnen Freiheit zu geben, und nicht Komplizen dieser Diktatur zu sein, die Frauen dazu zwingt, sich zu verstecken", so Pierre Berge.
Dolce & Gabbana
"Verzichtet auf Geld, habt Überzeugungen!", rief Berge den Anbietern der Islamic Fashion zu. Und die bekannte französische Modeschöpferin Agnes Trouble warnte davor, solche Bekleidung zu "verharmlosen".
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Die laizistische Modenation Frankreich, in der mehr Muslime leben als in jedem anderen europäischen Land, ringt schon seit langem mit dem richtigen Umgang mit muslimischer Kleidung. Vor rund fünf Jahren trat ein umstrittenes Burka-Verbot in Kraft.
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Schon 2004 war an Frankreichs öffentlichen Schulen verboten worden, die Religionszugehörigkeit offen zur Schau zu stellen - was insbesondere auf muslimische Kopftücher abzielt. Vor einem Jahr sorgte der Fall einer muslimischen Schülerin für Aufsehen, die vom Unterricht ausgeschlossen wurde; die Direktorin interpretierte einen langen schwarzen Rock der 15-Jährigen als religiöses Symbol.
Assila (Facebook)
Die aufgeheizte Stimmung erklärt, warum der Streit um modische Burkinis so schnell ausarten konnte.
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Für den muslimischen Blogger Fateh Kimouche eine vollkommen unnötige Polemik: Das Angebot der großen Marken sei ganz einfach eine Reaktion auf die Nachfrage, "dahinter stehen keine dicken Bärtigen", sagt er. "Man sollte vielleicht ein bisschen pragmatisch sein."
Assila (Facebook)
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