Golf: Die unglaubliche Zeitreise des Mister Watson

(c) EPA (Gerry Penny)
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Der 59-jährige Tom Watson verlor die British Open erst im Stechen an Stewart Cink. Seit 1999 spielt Watson mit den Senioren auf der Champions Tour und hat dort bislang fünf Major-Titel errungen.

TURNBERRY. Er wolle ja nicht klingen wie eine alte Nervensäge, sagt Tom Watson, aber: „Golfen ist in den vergangenen 20 Jahren zu einfach geworden mit der modernen Hightech-Ausrüstung. So viel Geschicklichkeit wie früher braucht es heute nicht mehr.“

Tom Watson darf das sagen. Nicht nur, weil der 59-Jährige US-Amerikaner am Wochenende bei den British Open in Turnberry mit sensationellem Spiel alle Blicke auf sich gezogen hatte und erst im Stechen seinem Landsmann Stewart Cink unterlegen war. Nicht nur, weil er Autor von Golf-Standardwerken und Kolumnist des „Golf Digest“ ist und für den TV-Sender ABC eine Golf-Serie betreut. Sondern weil er zwischen 1975 und 1983 acht Major-Turniere gewonnen hat. Er ist gleichsam ein Zeitzeuge der Dynamik dieser Sportart.

Fünfmal hatte er die British Open gewonnen, 1977 auch in Turnberry, als er Jack Nicklaus im letzten Augenblick den Titel wegschnappte. Viermal spielte Watson im Ryder Cup und heimste ein Remis und drei Siege (1993 als Kapitän) und daneben 39 Erfolge auf der US-PGA-Tour ein.

Seit 1999 spielt Watson mit den Senioren auf der Champions Tour und hat dort bislang fünf Major-Titel errungen. Doch für die British Open kehrte er noch einmal zu den „Jungen“ zurück. Vielleicht ein wenig vom Australier Greg Norman inspiriert, der im Vorjahr mit 53 Jahren die British Open als Dritter beendet hatte. Watson war unter Zeitdruck, denn der Veranstalter, der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews, hat eine Altersregel. Diese gewährt ehemaligen Siegern nur bis zu deren 60. Geburtstag ein Startrecht.

Der routinierte Golf-Opa

Dass Watson so ungeniert am Rad der Zeit drehen kann, hat auch mit der Architektur des Ailsa-Kurses zu tun. Die Anlage thront über der teils steil abfallenden südwestlichen Küste Schottlands, wo der Wind eine ganz zentrale Rolle spielt. Ailsa kommt ihm, in seinen Bewegungen nicht mehr so schnell und in seinen Schlägen nicht mehr so lang, entgegen und unterstützt sein präzises kurzes Spiel. Das sei, ist Watson überzeugt, auch seine größte Stärke. „Da bin ich wie Steve Ballesteros. Und der ist ein Zauberer, wenn es darum geht, den Ball zur Fahne zu bringen.“ Der 52-jährige Ballesteros übrigens, rekonvaleszent nach einer Gehirntumoroperation, will 2010 bei den British Open sein Comeback geben.

Worauf der in Turnberry als „Golf-Opa“ titulierte Watson noch setzt und was ihn von vielen Jüngeren unterscheidet, ist Routine, gepaart mit Gelassenheit. All das spielte er in aller Ruhe aus.

Watson ist aber auch einer, mit dem man sich nicht nur über Golf unterhalten kann. Er machte seinen Abschluss in Psychologie in Stanford. Und seit dem tragischen Tod seines langjährigen Caddies Bruce Edwards, der 2004 49-jährig an ALS, einer Nervenkrankheit, die zur Muskelerlahmung führt, geht er mit Neil Oxman über den Platz. Der ist Miteigentümer der Campaign Group, die Politiker coacht. Die beiden hatten sich 1972 kennengelernt, als Watson noch als langhaariger Hippie herumgeisterte. Mittlerweile hat er auch seine politischen Zugänge geändert. Oxman, selbst überzeugter Demokrat, urteilte, er sei von einem Liberalen zu einem „spießbürgerlichen Republikaner mutiert“. Dennoch oder gerade deswegen verstehen sich die beiden so gut, und wo sie auftreten, wirken sie mitunter wie ein altes Ehepaar.

AUF EINEN BLICK

Tom Watson (* 4. September 1949 in Kansas City, Missouri) gewann in seiner Karriere zwischen 1975 und 1983 acht Major-Turniere. Viermal stand er im US-Team für den Ryder Cup (ein Remis, drei Siege), dessen erfolgreicher Kapitän er 1983 war. Auf der US-PGA-Tour holte Watson, der in Stanford ein Psychologiestudium absolviert hat, 39 Siege.

Bei den British Open im schottischen Turnberry dominierte er das Turnier, während andere große Namen Probleme hatten. Die Nummer eins der Golfwelt,
Tiger Woods, etwa war nach der zweiten Runde überraschend am Cut gescheitert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2009)

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