Lance Armstrong gescheitert: Contador in Gelb

(c) AP (Bas Czerwinksi)
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Bei der Auffahrt nach Verbier in der Schweiz fiel die Entscheidung. Armstrong, der als Neunter ins Ziel kam, hatte mit jenem Dämon, als den ihn die Konkurrenz bei seinen sieben Toursiegen erlebt hatte, nichts mehr gemein.

VERBIER. Alberto Contador hatte 5,5 Kilometer vor dem Ziel im schweizerischen Verbier Fakten geschaffen. Auf der 15. Etappe zeichnete er vor, wie das Endklassement aussehen könnte. Der Spanier brach auf dem steilen Anstieg hinauf zu dem mondänen Skiort aus dem Feld aus. Lance Armstrong durfte seinem Kapitän aus Teamräson nicht nachsetzen und blieb zurück.

Für den 37-Jährigen Texaner kam es auf dieser erst zweiten richtigen Bergetappe nach der Bergankunft in Andorra aber noch viel dicker. Was folgte, war seine Demontage: Er konnte weder den davonziehenden Luxemburgern Andy und Fränk Schleck nachfolgen noch dem spanischen Vorjahressieger Carlos Sastre und dem Vorjahreszweiten Cadel Evans aus Australien oder auch Vincenzo Nibali aus Italien.

Armstrong, der als Neunter ins Ziel kam, hatte mit jenem Dämon, als den ihn die Konkurrenz bei seinen sieben Toursiegen erlebt hatte, nichts mehr gemein. Er schien gezeichnet, ohne Energie eigene Akzente zu setzen. Sogar Andreas Klöden, sein deutscher Adjutant, hatte ihn auf den letzten Metern des Schlussanstiegs zurückgelassen. Er konnte für Armstrong nichts mehr tun.

Contador hingegen schien souverän, elegant nahm er die bis zu 16 Prozent steile Rampe. Auf den finalen Metern nahm er schließlich den Funk aus dem Ohr, um seinen Etappensieg auf 1468 Metern Höhe in aller Ruhe genießen zu können und nicht mehr durch Funksprüche aus der Astana-Zentrale gestört zu werden.

Contador 1:37 vor Armstrong

Damit ist der Plan Armstrongs wohl gescheitert, bei seinem Comeback ein achtes Mal als Sieger nach Paris zu fahren. In der Gesamtwertung ist er zwar Zweiter, sein Rückstand auf Contador beträgt aber satte 1:37 Minuten. Und er hat den Rücken keineswegs frei. Der Engländer Bradley Wiggins ist ihm immerhin bis auf zehn Sekunden nahegekommen. Der bisherige Gesamtführende Rinaldo Nocentini hielt sich gut: Er liegt als Gesamtsechster 2:30 Minuten hinten.

Überrascht konnte Armstrong von Contadors Aktion keineswegs sein, obwohl der 26-Jährige vor der Etappe tiefgestapelt. Die 207 Kilometer lange Etappe sei zu wenig hart, der Schlussanstieg zu kurz, um einen großen Vorsprung herauszuholen, hatte er gemeint. Er beklagte auch, dass es auf dieser Tour in Summe zu wenig Berge gebe. Eines darf er dabei aber nicht übersehen. Am vorletzten Tag der Tour wartet noch der Mont Ventoux. Und der, hatte Armstrong ja schon vor Tagen angekündigt, werde erst die endgültige Entscheidung bringen.

Dass das Gelbe Trikot erst am Sonntag einen neuen Träger fand, war genau genommen einem taktischen Fehler George Hincapies geschuldet. Denn der ehemalige Edelhelfer von Lance Armstrong hatte es am Samstag verabsäumt, dem späteren Etappensieger Sergej Iwanow aus der Spitzengruppe heraus nachzusetzen. Dieser hatte zehn Kilometer vor dem Ziel sein Glück in einer Soloflucht gesucht und gefunden. Doch einen Tag später in Verbier waren die fünf Sekunden, die Hincapie gefehlt hatten, Makulatur. Das Astana-Team hatte die Vorentscheidung herbeigeführt. Nur ein eklatanter Einbruch kann Contadors Triumph in Paris noch verhindern.

AUF EINEN BLICK

Der Spanier Alberto Contador
triumphierte auf der 15. Etappe. Er erreichte nach 207 Kilometern die Bergankunft im Schweizer Wallis und schlüpfte somit ins Gelbe Trikot.

Der Luxemburger Andy Schleck wurde Etappenzweiter und ist nun in der Gesamtwertung als fünftplatzierter ein ernst zu nehmender Verfolger des Spaniers.

Großer Verlierer des Tages war Lance Armstrong. Der siebenfache Toursieger wurde nur Neunter. Im Gesamtklassement ist er 1,37 Minuten hinter Contador.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2009)


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