Ein Rücktritt "als Protest gegen die mediale Vorverurteilung"

ARCHIVBILD: PANAMA-LEAKS - HYPO VORARLBERG-CHEF GRAHAMMER TRITT ZUR�CK
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Panama-Leaks. Michael Grahammer, Chef der Hypo Vorarlberg, gab seinen Rücktritt bekannt. Er tue das, obwohl er davon überzeugt ist, dass die Kontrollen seiner Bank keine Verfehlungen zutage fördern werden.

Die Hypo Vorarlberg zählt neben der Raiffeisen International zu jenen beiden österreichischen Banken, die in den Panama-Papers aufscheinen. 20 Offshore-Firmen haben Konten bei der Hypo Vorarlberg. In einem Fall führt die Spur zum Putin-Vertrauten Gennadi Timtschenko, der seit 2014 auf der US-Sanktionsliste steht. Mittlerweile hat die Bank diese Geschäftsbeziehung aufgelöst. Laut Bank wurde in allen Fällen immer alles anhand der gesetzlichen Vorgaben kontrolliert. Dennoch gab Hypo-Vorstandschef Michael Grahammer am Donnerstag seinen Rücktritt bekannt. Mit der „Presse“ sprach er über seine Beweggründe.

Die Presse: Herr Grahammer, Ihr Rücktritt kann wohl nur bedeuten, dass die Hypo Vorarlberg doch tiefer in Offshore-Geschäfte involviert ist, als bisher im Zuge der Panama-Papers-Berichterstattung bekannt geworden ist.

Michael Grahammer: Ich kann verstehen, dass man diesen Eindruck gewinnen kann. Aber er ist völlig falsch. Ich bin mir absolut sicher, dass die FMA bei der Hypo Vorarlberg nichts finden wird, was strafrechtlich relevant sein könnte. Das schließe ich aus.

 

Noch am Dienstag wollten Sie nur zurücktreten, wenn bei den Ermittlungen etwas herauskommt. Woher der Sinneswandel? Oder wurde hier missverständlich kommuniziert?

Die Kommunikation war schon richtig. Die Aussage stammte allerdings von Montagfrüh. Der mediale Sturm ging eigentlich erst danach richtig los. Daher kam mein Entschluss, die Ergebnisse gar nicht erst abzuwarten.

Was gab den Ausschlag für den plötzlichen Rückzug?

Ich sehe meinen Schritt auch als einen Protest gegen eine mediale Vorverurteilung. In dieser Situation möchte ich durch meinen Rücktritt die Bank aus dem Kreuzfeuer nehmen.

Normalerweise reagiert man auf mediale Vorverurteilungen mit Klagen und nicht mit Rücktritt.

Ja, aber was bringt eine Klage? Die Vorverurteilung bleibt, die Gegendarstellung nimmt keiner wahr und das Verhältnis zu den Medien ist nachhaltig gestört.

Mit anderen Worten: Sie nehmen den Hut, obwohl Sie sich keiner Schuld bewusst sind.

Die Panama-Papers sind nur das letzte Glied einer Kette von Ereignissen. Diese Entscheidung ist in mir seit knapp 15 Monaten gereift. Da war das Heta-Moratorium, das extrem herausfordernd für mich war. (Die Hypos haften für die Heta im Ausmaß von 1,2 Milliarden Euro, Anm.) Wenn man alle drei Tage mit der Aufsicht telefoniert, sich mit immer neuen Regularien herumschlagen muss, und am Ende von einigen Medien eine völlig unsachliche PanamaLeaks-Affäre konstruiert wird, dann reicht es. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man zu sich sagt: Das habe ich nicht nötig.

Sie wurden also nicht gebeten, aus der Bank auszuscheiden?

Nein, ganz im Gegenteil. Es war allein mein Entschluss.

Das passt so gar nicht zur österreichischen Rücktrittskultur.

Dabei geht es um keine Kultur. Mir geht es darum, den Ansprüchen, die ich mir selbst stelle, gerecht zu werden.

Wann werden Sie aus dem Unternehmen ausscheiden?

Ich wurde gebeten, nicht sofort aufzuhören. Ich werde also der Bank noch bis Herbst, höchstens aber bis Ende des Jahres erhalten bleiben.