Fed-Chefs: „Keine Blasenökonomie“

Janet Yellen Attends Panel Discussion In New York City
Janet Yellen Attends Panel Discussion In New York City(c) Bloomberg (Andrew Renneisen)
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Diskussion. Die US-Notenbank-Chefs der jüngsten 37 Jahre ziehen wohlwollend Bilanz.

New York. Mit Janet Yellen, Ben Bernanke, Alan Greenspan und Paul Volcker diskutierten erstmals die US-Notenbankchefs der vergangenen 37 Jahre über den Zustand der US-Wirtschaft, die Macht der Fed-Chefs und die Frage, ob die Notenbank es allen recht machen kann.

„Zum Glück muss ich mich nicht drum kümmern“, scherzt Bernanke mit Blick auf Yellen. Es geht darum, wie die Fed die Geldschwemme aus seiner Amtszeit je wieder unfallfrei aus dem Finanzsystem abziehen will. Um sich nach dem Crash von 2008 gegen den Totalabsturz der US-Wirtschaft zu stemmen, hat die Notenbank massenhaft Liquidität in die Märkte gepumpt und ihre Bilanz um fast drei auf 4,5 Billionen Dollar (vier Billionen Euro) aufgebläht.

Obwohl sich die US-Wirtschaft erholt hat, ist die schwindelerregende Summe noch immer in den Büchern der Notenbank. Für Yellen ist das kein Problem: „Es läuft alles glatt“, sagt sie. Die „schrecklichen Dinge“, vor denen gewarnt wurde, seien bisher nicht eingetreten.

Yellen verteidigt Zinsanhebung

Rückblick: Unter Bernanke musste sich die Fed beim Krisenmanagement neue Rezepte ausdenken. Als der Leitzins, der die Konditionen für kurzfristige Kredite steuern soll, die Nulllinie erreichte, waren die herkömmlichen Mittel der Geldpolitik ausgeschöpft. Um die Konjunktur anzuschieben, begann die Fed ein gewagtes Experiment und flutete das Finanzsystem von Ende 2008 bis Oktober 2014 über Anleihekäufe mit Zentralbankgeld. Das birgt Risken und Nebenwirkungen: Zu viel Liquidität kann Spekulation anheizen und die Preise für Aktien, Anleihen oder Immobilien aufblähen, was zum nächsten Kollaps führen kann. Davon will Bernanke nichts wissen, die Sorgen vor Dollar-Crash und Hyperinflation hätten sich als unbegründet entpuppt.

Yellen stimmt zu: Von einer Blasenökonomie und überbewerteten Preisen könne keine Rede sein. Sie hat andere Sorgen. Angesichts der ungewissen Aussichten der US-Wirtschaft werfen ihr Kritiker vor, im Dezember überhastet die Zinsen erhöht zu haben – es war die erste Anhebung seit fast zehn Jahren. Yellen verteidigte den Schritt. Sie nehme an, dass die Zinsen weiter steigen werden. (ag)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2016)

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