Jahrelange Verluste gefährden Opel-Übernahme

Dunkle Wolken über Opel
Dunkle Wolken über Opel(c) AP (Michael Probst)
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Autobauer Opel macht seit 2003 durchgehend nur Verluste. Das könnte nun zu einem Stolperstein bei der geplanten Übernahme werden: Die deutsche Regierung muss der EU beweisen, dass Opel ein gesundes Unternehmen ist.

Der angeschlagene Autobauer Opel hat seit dem Jahr 2003 nur Verluste gemacht. Die Verluste der Adam Opel GmbH aus den Jahren 2003 bis 2007 summierten sich auf 1,861 Milliarden Euro, schreibt die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf eine Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag.

In den vergangenen zehn Jahren habe Opel demnach einzig in den Jahren 2001 und 2002 einen Gewinn von 386 Millionen beziehungsweise 1,555 Milliarden Euro einfahren können, in den Jahren 1999 und 2000 habe das Unternehmen ebenfalls rote Zahlen geschrieben. Für 2008 lägen noch keine Angaben vor. Die Regierung berufe sich bei den Zahlen auf die Jahresabschlüsse der Adam Opel GmbH.

Brisant daran: Die deutsche Bundesregierung muss der EU-Kommission nachweisen, dass die GM-Tochter in der Vergangenheit ein gesundes Unternehmen war. Nur dann darf die Übernahme von Opel durch einen Investor wie geplant staatlich abgesichert werden, berichtet "Financial Times Deutschland". Mit diesen Zahlen dürfte das allerdings schwerfallen. Mögliche Folgen: Die EU-Kommission könnte staatliche Kredite oder Bürgschaften untersagen. Die deutsche Regierung begründete ihre Hilfszusagen für Opel immer damit, dass der Autobauer unverschuldet in die Krise geraten sei.

Magna vs. RHJ

Indes geht der Bieterwettkampf um den angeschlagenen Autobauer in die Schlussrunde: Bis heute will der Mutterkonzern General Motors (GM) alle Übernahmeangebote für den Autobauer vorliegen haben und dann rasch den neuen Mehrheitseigentümer auswählen.

GM-Favoriten sind der kanadisch-österreichische Zulieferkonzern Magna und der belgische Finanzinvestor RHJ. Doch auch der chinesische Autohersteller BAIC wolle "aller Wahrscheinlichkeit nach" ein Angebot vorlegen, schreibt die "Bild"-Zeitung.

Nach der Rettungsaktion für Opel Ende Mai mit 1,5 Milliarden Euro an Staatskrediten haben Bund und Länder ein Mitspracherecht bei der Entscheidung. Laut "Financial Times Deutschland" will die Bundesregierung nach einer ersten Prüfung durch GM am Dienstag bereits am Mittwoch Angebote und eine eventuelle Bewertung durch GM prüfen.

Der Niedergang von Opel

Der Niedergang Opels lässt sich dem Bericht zufolge auch in den Zulassungszahlen ablesen: In Deutschland ging der Marktanteil von Opel nach Regierungsangaben von 1999 bis 2008 von 13,7 Prozent auf 8,4 Prozent zurück. Wegen der Abwrackprämie stieg der Anteil im ersten Halbjahr 2009 auf 9,1 Prozent.

Die Verkaufszahlen halbierten sich: Verkaufte Opel 1999 in Deutschland noch rund 522.000 Autos, waren es 2008 nur noch 258.000. Im ersten Halbjahr dieses Jahres setzte Opel rund 187.000 Fahrzeuge ab, 51.652 wurden davon bisher nach Angaben der Regierung mit der Abwrackprämie gefördert, schreibt die Zeitung.

"Nicht dauerhaft am Staatstropf hängen"

Angesichts der Zahlen forderte der FDP-Wirtschaftspolitiker Rainer Brüderle in der "Financial Times Deutschland", der Autobauer dürfe "nicht dauerhaft am Staatstropf" hängen. "Opel braucht so schnell wie möglich eine Strategie, die ohne staatliche Subventionen auskommt", sagte Brüderle.

(Ag.)

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