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Anleger misstrauen der Erholung und fliehen weiter in Gold

(c) APA/G�NTER GRANITZER
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Obwohl Aktien und Schwellenländeranleihen in den vergangenen Wochen zugelegt haben, bleiben sichere Häfen gefragt.

New York. Risikoreiche Anlagen von Aktien bis hin zu Währungen der Entwicklungsländer sind seit über einem Monat auf Erholungskurs. Aber bei den sichersten Anlagen hat sich nichts geändert: Das Interesse der Anleger an sicheren Häfen ist ungebrochen stark, und das könnte Probleme bedeuten.

Die meisten der weltgrößten „Sicherer-Hafen-Anlagen“ haben sich als äußerst widerstandsfähig erwiesen, angesichts einer Rallye, die Aktien weltweit gegenüber ihren Februar-Tiefs um mehr als elf Prozent nach oben getrieben hat. Das ist anders als zu Beginn des Jahres, als es eine klare Beziehung zwischen Aktien und Staatsanleihen der Industrieländer gab: Wenn die einen nachgaben, stiegen die anderen. Die nach wie vor anhaltende Nachfrage nach Gold, dem japanischen Yen und Staatsanleihen zeigt, dass Investoren die Erholung skeptisch sehen, die die weltweit risikoreichsten Anlagen nach einem schrecklichen Start ins Jahr 2016 angeschoben hat.

US-Notenbank lässt sich Zeit

Globale Wirtschaftsindikatoren bleiben weiter hinter den Prognosen zurück, zeigt der Citi-Surprise-Index für die größten Volkswirtschaften, und die Erwartungen für die Unternehmensgewinne bleiben dürftig. Zudem haben ein unerwartet langsamer Pfad der Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed und zusätzliche Anleihekäufe der Zentralbanken in Europa und Japan dazu beigetragen, die globalen Anleiherenditen vergangene Woche auf ein Rekordtief zu drücken, was kaum als Zeichen für Wirtschaftsvertrauen interpretiert werden kann. Denn fallende Renditen bedeuten steigende Preise, weil die Nachfrage dank der Notenbanken, aber auch der Flucht in sichere Häfen, stärker geworden ist.

„Sichere Häfen sind der Frühindikator“, sagt Guy Haselmann, Leiter der Kapitalmarktstrategie bei der Bank of Nova Scotia in New York, einem der 22 Primärhändler, die mit der Fed handeln. „Aktien sind ein nachlaufender Indikator, sie reagieren langsamer.“

Drei Signale sprechen jedenfalls dafür, dass die Rallye bei den Risikoaktiva (Aktien und Schwellenländeranleihen) nicht anhalten dürfte: Die normalerweise weit offene Schere zwischen dem globalen Aktienindex MSCI All-Country World und den Staatsanleihen der Volkswirtschaften der G7-Länder hat sich seit Anfang Februar zunehmend geschlossen. Die Bestrebungen der Zentralbanken, Wachstum und Inflation anzukurbeln, haben zu Kursgewinnen bei Aktien geführt und auch die Nachfrage nach Anleihen der Industrieländer angeschoben.

Gold ist wieder gefragt

Gold, der Zufluchtsort auf dem Rohstoffmarkt, hat die seit Jahresbeginn verzeichneten Gewinne größtenteils halten können, obwohl die weltweiten Rezessionsbefürchtungen nachgelassen haben. Eine langsamere Fed und mehr Stimuli von Zentralbanken weltweit dürften die Inflation anschieben, was Gold attraktiver machen würde. Auch ist die Gefahr derzeit gering, dass Gold im Vergleich zu verzinsten Anlageformen unattraktiver werden könnte, da Letztere ebenfalls kaum Zinsen abwerfen.

Die japanische Währung Yen, die ebenfalls als sicherer Hafen gilt, ist in dieser Woche gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit 17 Monaten gestiegen. Die Aufwärtsbewegung gegenüber dem Greenback war stärker als der Anstieg der Schwellenländerwährungen zum Dollar seit der jüngsten Fed-Sitzung.

„Ein stärkerer Yen sieht nach Transaktionen aus, die von einer Flucht in die Qualität angetrieben sind“, sagt John Briggs, Leiter der Strategie für den amerikanischen Kontinent bei dem Primärhändler RBS Securities in Stamford, Connecticut. „Wir haben inzwischen sehr viele der Korrelationen gebrochen, die zu Jahresanfang dominierend waren.“ (Bloomberg/red)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2016)