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Unruhen in Idomeni: Flüchtlinge werden immer wieder in die Irre geführt

An der griechisch-mazedonischen Grenze wird die Situation zunehmend angespannt.
An der griechisch-mazedonischen Grenze wird die Situation zunehmend angespannt.APA/AFP/BULENT KILIC
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In Idomeni werden immer wieder Gerüchte über eine mögliche Grenzöffnung gestreut, berichtet ein Rotkreuz-Mitarbeiter. Griechenland fürchtet die Radikalisierung frustrierter Flüchlinge.

Es war ein weiteres unschönes Wochenende in Idomeni, denn wieder war es zu Gewaltausbrüchen gekommen. Wieder weisen sich mazedonische Grenzpolizei und Flüchtlinge gegenseitig vor, zuerst geworfen zu haben. Tatsächlich waren am Sonntag viele Steine, Gummigeschosse und Tränengasbehälter über den Grenzzaun zwischen Griechenland und Mazedonien geworfen worden. Hunderte Flüchtlinge wurden verletzt. Und auch am Montag haben die Spannungen wieder zugenommen. Erneut hätten sich zahlreiche Migranten zum Protest versammelt, teilte die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) auf Twitter mit.

MSF hatte sich als einzige internationale NGO am Sonntag nicht aus dem improvisierten Lager zurückgezogen, nachdem die Situation eskalierte und Hunderte Migranten den Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Mazedonien gestürmt hatten. Nach eigenen Angaben behandelte MSF 300 Verletzte, davon 200 durch Tränengas und 30 durch Gummigeschoße Verwundete. Darunter seien auch "30 Kinder im Alter zwischen fünf und 15 Jahre" gewesen sowie "drei Kinder mit Kopfverletzungen durch Gummigeschoße", teile die Organisation am Montag in einer Aussendung mit.

Lautsprecherdurchsagen

Die Menschen seien durch Lautsprecherdurchsagen auf Arabisch angetrieben worden, so der Rotkreuz-Sanitäter Gottfried Staufer im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Immer wieder würden kleine Gruppen bewusst Falschinformationen verbreiten.

Sonntagfrüh sei die Stimmung im improvisierten Flüchtlingslager neben dem Grenzübergang "eigenartig ruhig" gewesen, schildert der Oberösterreicher. "Um neun, halb zehn sind dann die ersten Meldungen eingetroffen, dass die Grenze aufgeht." Das sei an und für sich nichts Außergewöhnliches und passiere "jeden zweiten Tag", so Staufer. Kleine Gruppen von "Aktivisten" würden absichtlich Falschinformationen verbreiten um "Unruhe zu erzeugen und die Aufmerksamkeit der Medien nicht zu verlieren".

Bereits Sonntagmorgen hatte die griechische Polizei vor Ausschreitungen in Idomeni gewarnt, nachdem dort Flugblätter aufgetaucht waren, die zum Sturm des Grenzzaunes aufriefen. Nach den Verfassern der Flugblätter wird gefahndet. Auch Mitte März sorgte ein ähnliches Flugblatt für Aufregung. Rund 2000 Flüchtlinge waren damals der Aufforderung gefolgt, einen reißenden Fluss zu überqueren. Drei Menschen waren dabei ertrunken. Wer es nach Mazedonien schaffte, wurde von den dortigen Sicherheitskräften umgehend zurückgeschickt.

"...die Jihadisten von morgen"

Angesichts der Spannungen in Idomeni warnt der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, vor einer Radikalisierung wütender Migranten. Der Umgang der Behörden mit den Protestierenden müsse gut überlegt sein. "Was Sie heute sehen, sind die Jihadisten von morgen", sagte Toskas - Parteikollege bei Syriza von Premier Alexis Tsipras - am Montag dem griechischen Nachrichtensender Skai.

Damit meinte er, dass islamische Extremisten unter den verzweifelten Menschen Mitkämpfer rekrutieren könnten. Am Sonntag hatten Migranten versucht, gewaltsam den mazedonischen Grenzzaun zu überwinden, um sich den Weg nach Mitteleuropa freizukämpfen. Sie zerstörten einen Teil des Zauns und schleuderten Steine auf die mazedonischen Sicherheitskräfte.

"Lage auf Messers Schneide"

Die Migranten weigern sich, in die offiziellen Aufnahmelager zu gehen. Sie wollen stattdessen ihre Weiterreise nach Mitteleuropa erzwingen. Der Bürgermeister der Region um das Lager Idomeni, Christos Goudenoudis, forderte die Evakuierung des Camps bis Ende des Monats. "Die Lage steht auf Messers Schneide", sagte er dem Nachrichtensender Skai am Montag.

Eineinhalb Monate nach der Abriegelung der mazedonisch-griechischen Grenze harren immer noch 11.000 Menschen in dem improvisierten Flüchtlingslager Idomeni aus. Die griechischen Behörden hatten schon mehrmals angekündigt, Idomeni räumen zu wollen. Die Flüchtlinge weigern sich jedoch zu gehen, weil sie immer noch auf eine Öffnung der Balkanroute hoffen.

Weniger Ankünfte

Die Zahl der Flüchtlinge, die aus der Türkei nach Griechenland kommen, hat unterdessen drastisch abgenommen: Innerhalb von 24 Stunden hätten nur noch 18 Migranten übergesetzt, teilte am Montag der Stab für die Flüchtlingskrise in Athen mit. Am Vortag waren 162 und am Tag davor 120 Menschen vom türkischen Festland auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt.

(APA/dpa)