Atrium: Größere Probleme in der Türkei

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Die Immobiliengesellschaft Atrium hat Ärger in der Türkei: Der Milliardar Murat Vargi fühlt sich bei einem gemeinsamen Hotelprojekt geprellt. Nun wurden drei Atrium-Manager vorübergehen in Gewahrsam genommen.

Wien/Ankara (höll). Die an der Wiener Börse gelistete Immobiliengesellschaft Atrium European Real Estate (ehemals Meinl European Land) ist in der Türkei in einen Rechtsstreit verwickelt. Wie am Montag bekannt wurde, haben die türkischen Behörden vergangenen Donnerstag drei hochrangige Manager der türkischen Atrium-Tochter in Gewahrsam genommen. Sie wurden von der Polizei bis in die Abendstunden einvernommen. Danach wurden sie mit der Auflage freigelassen, dass sie das Land vorerst nicht verlassen dürfen. Gegen die Manager wird wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt. Es geht um den Vorwurf von Scheininvestitionen, um den Firmenwert von Atrium zu erhöhen und damit einen unrechtmäßigen Gewinn zu erzielen. Die Gesellschaft wird beschuldigt, gegen Paragraf 157 des türkischen Strafgesetzbuches verstoßen zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Hintergrund: Der türkische Milliardär Murat Vargi, Mitgründer des türkischen Mobilfunkriesen Turcell, fühlt sich von Atrium bei einem gemeinsamen Projekt an der türkischen Schwarzmeerküste hinters Licht geführt. Die MV Holding von Vargi hat bei einem Istanbuler Gericht Klage gegen Atrium wegen Betrugs eingebracht. Vargi fordert dem Vernehmen nach von der Immobiliengesellschaft 40 Mio. Dollar an Schadenersatz.

Vor zwei Jahren Jahren begab sich die damalige MEL in der Türkei auf der Suche nach Grundstücken für Investitionen. Fündig wurde man in Samsun, der mit mehr als 400.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt an der türkischen Schwarzmeerküste. Im April 2007 verkaufte die Stadt Samsun der Projektgesellschaft MEL 2 ein Grundstück. Bedingung war, dass innerhalb von drei Jahren ein Nobelhotel errichtet wird. Der Gesellschaft gelang es auch, einen Investor zu finden. Im März 2008 wurde ein Vertrag mit der Güzel Oteller A.S. unterzeichnet. Dabei handelt es sich um eine 100-Prozent-Tochter der MV Holding. Das Hotel sollte bis 12. Oktober 2009 errichtet und an Güzel Oteller übergeben werden. „Vor einem Jahr wurde mit großem Tamtam und in Anwesenheit von Ministern die Grundstücklegung gefeiert, seitdem ist nichts mehr passiert“, kritisierte ein Sprecher von Güzel Oteller. „Wir haben schon etliche Hotelprojekte umgesetzt. Aber so etwas ist noch nie vorgekommen.“

Zunächst hatte es geheißen, die türkischen Investoren wollten das Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer in Paris einschalten. Dort sollten laut Vertrag solche Streitfälle geregelt werden. Mit der Anzeige vor einem türkischen Gericht wurde jedoch ein Strafverfahren in der Türkei ausgelöst. Atrium wollte die aktuellen Entwicklungen mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren. Die Vorwürfe werden jedoch zurückgewiesen. Die Immobiliengesellschaft hatte bereits vor längerer Zeit einige größere Projekte auf Eis gelegt. Aktuell sollen nur noch Vorhaben realisiert werden, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium befinden.

AUF EINEN BLICK

Atrium (einst Meinl European Land) hat Ärger in der Türkei: Der türkische Milliardär Murat Vargi fühlt sich bei einem gemeinsamen Hotelprojekt geprellt: Dieses werde von Atrium verzögert. Nach einer Strafanzeige wurden nun drei Atrium-Manager vorübergehend in Gewahrsam genommen. Gegen sie wird wegen Betrugs ermittelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2009)

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