VW–Porsche: Eine Übernahme mit Hindernissen

(c) Reuters (Johannes Eisele)
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Kauf durch Steuerzahlungen in Milliardenhöhe gefährdet. Gelinge es nicht, diese Steuerbelastung zu vermeiden, könnte der Deal platzen, heißt es aus Porsche-Aufsichtsratskreisen.

Wien (ag./nst). Was schon auf halbem Wege besiegelt schien, könnte nun doch noch zu Fall gebracht werden. Denn der Machtkampf zwischen den deutschen Autobauern Porsche und Volkswagen ist um eine Facette reicher geworden. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, könnte die Übernahme von Porsche durch den deutlich größeren VW-Konzern am Fiskus scheitern. Informationen der Zeitung zufolge werden im Zuge der Übernahme Steuerzahlungen in Höhe von drei Milliarden Euro fällig (vermutlich über die Aufdeckung stiller Reserven, Anm.).

Dass es „diese Problematik“ gibt, leugnet Porsche nicht. Keine Stellungnahme gibt es dazu von VW. Gelinge es nicht, diese Steuerbelastung zu vermeiden, könnte der Deal platzen, heißt es aus Porsche-Aufsichtsratskreisen.

Werden Zahlungen an die Finanzbehörden fällig, weil Porsche weniger wert ist, als VW zu zahlen bereit ist, würde das Geld mehrheitlich an das Land Baden-Württemberg fließen, da Porsche dort seinen Firmensitz hat. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll bereits einen Ausweg gefunden haben. Durch die Gründung neuer Gesellschaften könnten Zahlungen verhindert werden, berichtet die „SZ“. „Zu Inhalten unseres Konzepts äußern wir uns nicht“, hieß es aus dem VW-Konzern.

Die geplante Übernahme von Porsche durch VW treibt auch Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück auf die Barrikaden. Er will Porsche nicht kampflos an VW abtreten und auch Mitarbeiter mobilisieren. Zudem fordert er Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger dazu auf, „keine Steuergeschenke zu machen“.

Entscheidung am Donnerstag?

Porsche hat sich zu Jahresbeginn mit der versuchten Übernahme des weit größeren Autobauers VW finanziell in eine schwierige Lage gebracht. Am Markt wurden VW-Aktien zugekauft, bis Porsche 50,8% der Anteile hielt. Die Folge waren Schulden von über acht Mrd. Euro. Im Machtkampf zwischen Porsche und VW witterte nun die Familie Piëch ihre Chance. Anstatt sich von Porsche schlucken zu lassen, will jetzt der finanzstarke Volkswagen-Konzern den Sportwagenbauer in zwei Schritten übernehmen. Porsche könnte so acht Mrd. Euro erhalten und wäre den Großteil seiner Schulden los. Fraglich ist, ob es noch diese Woche zu einer Lösung zwischen den Herstellern kommen wird.

Ursprünglich war ein Beschluss für diese Woche vorgesehen. Am Donnerstag sollen die Aufsichtsräte in getrennten Sitzungen eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnen. Porsche-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche hat sich laut „Handelsblatt“ jedoch dafür eingesetzt, dass es zur keiner Abstimmung über die Integration in den VW-Konzern kommen wird. Lediglich der Einstieg des Emirats Katar, das Porsche mit sieben Mrd. Euro unter die Arme greifen will, soll genehmigt werden. Die Agentur Reuters zitiert unterdessen eine mit den Verhandlung vertraute Person. Demnach wird und muss es am Donnerstag eine Richtungsentscheidung geben. Die Übernahmeschlacht wird sich wohl noch bis Ende Juli hinziehen. Eine Entscheidung könnte kommende Woche fallen.

Die Anleger goutierten die Spekulationen nicht. Die Aktien beider Hersteller gaben am Montag nach. VW-Aktien waren mit zeitweise minus zwölf Prozent die einzigen Verlierer im Dax. Porsche-Aktien fielen im Tagesverlauf um rund sieben Prozent auf etwa 48 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2009)

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