Fed-Chef Bernanke
''Mann des Jahres'' als Sündenbock
Die Wiederwahl des obersten Währungshüters der USA sollte eigentlich glatt über die Bühne gehen. Doch dann wurde der Fed-Chef zum Spielball der amerikanischen Innenpolitik.
Das "Time"-Magazine wählte Ben Bernanke, den Chef der US-Notenbank Fed, zum Mann des Jahres 2009. Das Magazin lobte seine Geldpolitik im Zuge der Finanzkrise - diese hätte schlimmeres verhindert. Der US-Senat stimmte einer zweiten Amtszeit zwar mit 70 zu 30 Stimmen zu, doch davor musste er sich herben Anfeindungen stellen.
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Eigentlich sind sich die meisten Ökonomen einig, dass Bernanke zum Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 richtig handelte. US-Präsident Obama betonte vor kurzem, dass Bernanke der richtige Mann fürs Amt sei. Dennoch ist seine Politik des "billigen Geldes" umstritten."Sie verschaffen Ihren Herren an der Wall Street billiges Geld, während normale Geschäftsleute um ihren Kredit kämpfen müssen", wettert etwa Senator Jim Bunning.
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Wäre es nach dem Republikaner Ron Paul gegangen, so wäre Bernankes Abschied eine beschlossene Sache gewesen. Er kritisiert vor allem die Machtfülle der US-Notenbank:"Sie können Billionen von Dollar drucken und an Freunde verteilen, und das ohne jede Transparenz. Die Fed ist mächtiger als der Kongress".
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Paul hätte sich nicht einmal mit einem Rücktritt Bernankes zufrieden gegeben. Er fordert sogar die Abschaffung der Notenbank Fed."Viele glauben, dass die Fed versagt hat, ihre Bankenaufsicht zu lasch gehandhabt und das Anwachsen der Blase mit niedrigen Zinssätzen befördert habe", schreibt das "Wall Street Journal".
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Auch US-Finanzminister Timothy Geithner bekannte sich laut "Financial Times Deutschland" nicht mehr offen zu Bernanke. Hatten die beiden im Herbst 2008 noch gemeinsam nach Lösungen für die angeschlagenen Großbanken gesucht (Geithner damals als New Yorker Fed-Chef), konnte sich Geithner plötzlich auch einen Regierungsvertreter als Notenbankchef vorstellen.
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Bernanke musste sich gegen schwere Vorwürfe wehren. Er und Ex-Finanzminister Henry Paulson sollen im Zusammenhang mit der Not-Übernahme von Merrill Lynch im Herbst 2008 Bank-of-America-Chef Kenneth Lewis vor die Wahl gestellt haben: Stimme der Fusion zu oder verliere deinen Job.
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Merrill hatte sich im September 2008 aus Furcht vor den Folgen der Finanzkrise in einer überraschenden Nacht-und-Nebel-Sitzung für 50 Milliarden Dollar an die Bank of America verkauft - nur Stunden vor dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers.Die Fusion war das Ergebnis mehrerer Krisensitzungen binnen Stunden im damals hermetisch abgeriegelten Fed-Gebäude in New York.
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Lewis sagte aus, Paulson sei der Meinung gewesen, der Merrill-Kauf müsse durchgezogen werden, um ein Desaster an den Finanzmärkten zu verhindern.Paulson und Bernanke hätten ihn zudem gedrängt, über die Verluste von Merrill zu schweigen. Diese waren im Dezember 2008 binnen Tagen von neun auf zwölf Milliarden Dollar gestiegen, am Ende lag der Quartalsverlust gar bei 15 Milliarden Dollar.
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Die Vorwürfe wogen schwer: "Das Komitee hat inzwischen erfahren, dass Bernanke und die Fed unangemessen damit gedroht haben, das Management der Bank of America zu feuern, wenn dieses der 'Zwangsehe' mit Merrill Lynch nicht zustimmt", schrieb der Abgeordnete Darrell Issa (mit Kenneth Lewis, im Bild rechts) laut "Welt" in einer Stellungnahme nach einer Kongress-Anhörung im Juni.
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Den Abgeordneten lägen auch eine ganze Reihe Dokumente und E-Mails aus der US-Notenbank vor, aus denen ihre Rolle bei dem Deal "hinter den Kulissen" deutlicher werde. "Wir haben den Beweis, dass Bernanke daran beteiligt war, Druck auf Ken Lewis auszuüben", sagte Issa dem US-TV-Sender CNBC.
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Vergessen waren da Bernankes Erfolge. Die ermöglichte Übernahme von Bear Stearns durch JPMorgan sowie die Rettung des US-Versicherers AIG, dessen Pleite wohl das wahr gemacht hätte, was Bernanke der Kongress-Abgeordneten Nancy Pelosi in einer Krisensitzung sagte: Vielleicht haben wir am Montag keine Wirtschaft mehr".
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Die geplante neue Finanzreform räumt der US-Notenbank eine noch größere Machtposition ein als bisher. Die Fed wäre dann eine Art "Supercop" für Banken und Märkte.Ökonomen warnen allerdings: Mit mehr Macht ginge auch etwas weit Wichtigeres verloren: Die Unabhängigkeit von der Regierung.
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"Die Fed war maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, Lehman Brothers in die Insolvenz fallen zu lassen", zitiert "Financial Times Deutschland" den Ökonomen Kenneth Thomas.Dieser Fehler habe die Welt in die Rezession getrieben: "Und nun sollen ausgerechnet diese Leute die Systemsicherheit überwachen?"
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Sogar Bernanke-Vorgänger Greenspan hält wenig von einer Machtausweitung der Fed. Die Vorstellung der Fed als systemweiter Supercop schrieb er laut "Spiegel Online" in seiner Autobiografie, sei eine "mission impossible."
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Bernanke darf also noch nicht ins Privatleben abtreten.Ben Bernanke bei einem Baseball-Spiel der Washington Nationals gegen Toronto Blue Jays im Juni 2009.
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Bernanke musste stellvertretend für die US-Regierung als Sündenbock herhalten, ehe sich US-Präsident Obama hinter den Fed-Chef stellte. Das dürfte Benankes zweite Amtszeit gesichert haben.Denn noch nie seit Gründung der Fed 1913 hat der US-Senat einen Wunschkandidaten des Präsidenten abgelehnt...
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