Der australische Pensionsfonds berücksichtige nicht die guten Wachstumsaussichten des Wiener Airports, sagt der Vorstand.
Wien. Als der australische Pensionsfonds IFM im Spätherbst 2014 dem Flughafen Wien ein Einstiegsangebot machte, bot er zuerst 80 und nach Intervention von Aktionär Petrus Advisers 82 Euro je Aktie – bei einem Kursniveau von 62 Euro. Damit hat sich IFM 29,9 Prozent geangelt und die Länder Wien und Niederösterreich, die je 20 Prozent am Airport besitzen, überrundet.
Jetzt wollen die Australier mehr, konkret weitere zehn Prozent – und stoßen auf heftigen Widerstand. Der Flughafen-Vorstand lehnt nämlich das bis 28. April laufende freiwillig öffentliche Angebot ab und rät den Aktionären, das Offert nicht anzunehmen. Der Aufsichtsrat schloss sich dem Vorstand voll inhaltlich an. Dabei bietet IFM jetzt 100 Euro (98 plus zwei Euro Dividende) je Aktie. Allerdings ist der Kurs inzwischen auf nahezu diesen Wert gestiegen. Die Aktie pendelte am Mittwoch bei etwa 98 Euro.
Das allein ist für die Flughafen-Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger jedoch nicht der Grund für ihre Entscheidung. Denn der Preis liege in der Bandbreite der Analystenempfehlungen für Kursziele zwischen 81 und 110 Euro. Vielmehr weisen die Manager auf die sehr guten Wachstumsaussichten bei Umsatz und Ergebnis hin, die „im Aktienkurs nicht adäquat berücksichtigt sind“.
Darüber hinaus sei das Angebot nicht auf zwei aktuelle Entwicklungen eingegangen: Einerseits hat der Wiener Airport die Anteile am Flughafen Malta aufgestockt, was „zu einer signifikanten Erhöhung der Guidance 2016 bei Umsatz, Ebitda und Nettogewinn führte“. Andererseits wurde vor wenigen Tagen das eine halbe Milliarde Euro schwere Investitionsprogramm für die Terminalerweiterung bis 2023 bekannt gegeben. Diese Expansion werde künftig zu höheren Erlösen und einer verbesserten Rentabilität führen.
Streubesitz würde sinken
Was für die Flughafen-Spitze aber mindestens so schwer ins Gewicht fällt, ist die Reduktion des Streubesitzes dann auf rund zehn Prozent (denn die Mitarbeiterstiftung hält ebenfalls zehn Prozent). Das würde die Liquidität der Aktie maßgeblich beeinträchtigen, heißt es in der Stellungnahme.
Den Aktionären, die letztendlich selbst entscheiden müssen, wie es heißt, stellt der Vorstand noch ein Zuckerl in Aussicht: Angesichts der guten Entwicklung dürften die Dividenden steigen.
Der Flughafen geht in seiner Ablehnung mit Petrus Advisers konform. Deren Partner Klaus Umek hat schon vor zwei Wochen deponiert, dass ihm das Angebot zu niedrig ist. In einer Analyse betonte er, dass das Offert den Flughafen signifikant unterbewerte („Die Presse“ berichtete am 1. April). Umek sieht einen fairen Preis bei 124 Euro je Aktie.
Jetzt heißt es für die Australier bis zum 28. April abwarten. Nachbessern können sie nicht – das haben sie nämlich in ihrem Angebot definitiv ausgeschlossen. (eid)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2016)