Pop

Florence + the Machine in Wien: Verkaterte Geschichten

KONZERT ´´FLORENCE + MACHINE´´ IN DER WIENER STADTHALLE.
KONZERT ´´FLORENCE + MACHINE´´ IN DER WIENER STADTHALLE.(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)
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Die Sängerin Florence Welch gastierte mit ihrer Band in Österreich. Ein energiegeladenes Konzert.

Vor einigen Tagen sind Guns N' Roses wieder in alter Besetzung in Las Vegas aufgetreten. Mit Einschränkungen. Zwar waren Sänger Axl Rose und Gitarrist Slash wieder vereint, doch erstens fehlten die Originalmitglieder Izzy Stradlin und Steven Adler, und zweitens war Rose schwer beeinträchtigt. Er hatte sich bei einem Überraschungskonzert in Los Angeles vergangene Woche den Fuß gebrochen. Also saß er auf einem Stuhl auf der Bühne – ein ungewohntes Bild, erinnert man sich an die Aufnahmen der Konzerte aus den frühen Neunzigern, bei denen der Sänger unablässig von einem Bühnenrand zum anderen wetzte. An diese jugendliche Agilität musste man bei dem Konzert von Florence + the Machine am Dienstagabend in der Wiener Stadthalle denken. Barfuß und auf den Ballen tänzelnd lief sie im halbtransparenten rosa Rüschenkleid hin und her, drehte Pirouetten und tanzte im Gegenlicht.

Beneidenswert, diese Energie. Vor allem, da ihr während der Songs keinerlei Anstrengung anzuhören war. Ob das leidenschaftliche „Ship To Wreck“ oder „What The Water Gave Me“ im ersten Teil des eineinhalbstündigen Sets von Florence Welch und ihrer (wechselnden) Band, die Songs entfalteten außergewöhnliche Kraft – auch Dank des Einsatzes von Bläsern, Harfe und Background-Sängerinnen. Der Titeltrack des jüngsten Albums, das atmosphärische „How Big How Blue How Beautiful“, geriet besonders eindrucksvoll. Das dramatische „Queen of Peace“ mit seinen wuchtigen Rhythmen war live weniger gut umgesetzt als „Shake it Out“, das auch in einer Akustikversion mitriss.

„The queen of peace always does her best to please“ , heißt es in Queen of Peace“. Auch Welch selbst wollte gefallen. Welch lobte ihren „Gast-Chor“, das Publikum, ließ sich von den Zuhörern der ersten Reihe berühren und von „beautiful girls“ Blumenkränze aufsetzen. Dieses Maß an Nettigkeit erstaunte, denn die Britin erzählt in ihrer Musik, in der sie Folk, Rock, Indie und Pop mischt, oft von Düsternis und persönlichen Abgründen. Ob das daran liegt, dass sie einige der Lieder – wie sie in der Stadthalle verriet – verkatert geschrieben hat?

Live beschwor Welch die Botschaft des Friedens und Miteinanders. Sie forderte die Zuhörer auf, einander zu umarmen und bat bei „Third Eye“ das Publikum, endlich die Smartphones einzustecken, zumindest für einen Song, damit man den Moment gemeinsam erlebe. Ob das funktionierte? Erstaunlich gut. Die großgewachsene Britin mit der großen Stimme weiß eben zu überzeugen.

Die Setlist des Wien-Konzerts

  1. What the Water Gave Me
  2. Ship to Wreck
  3. Bird Song Intro
  4. Rabbit Heart (Raise It Up)
  5. Third Eye
  6. Sweet Nothing (Calvin Harris cover)
  7. Delilah
  8. Shake It Out (Akustikversion)
  9. How Big, How Blue, How Beautiful
  10. Cosmic Love (Akustikversion)
  11. Long & Lost
  12. Mother
  13. Queen of Peace
  14. Spectrum
  15. You've Got the Love
  16. Dog Days Are Over

Zugabe

  1. What Kind of Man
  2. Drumming Song

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