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Soundframe Festival: Das Bild trifft den Ton

Lichtwirkung. Florence To präsentiert am zweiten Abend Visuelles.
Lichtwirkung. Florence To präsentiert am zweiten Abend Visuelles.(c) Florence To
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Das Soundframe Festival gibt sich in seiner zehnten Ausgabe retrospektiv. Sie wird auch die letzte sein.

Vielfalt, Diversität und Vernetzung: Mit diesen Leitbegriffen wurde bereits 2007 das erste Soundframe Festival für audiovisuelle Ausdrucksformen angekündigt. Neun Jahre sind vergangen, neunmal ist es über die Bühne gegangen, und nun wird unter dem schlichten Titel „Ten“ die Jubiläumsausgabe gefeiert, bei der eine retrospektive Ausstellung, Gespräche und Live-Shows aktuelle und vergangene Tendenzen der audiovisuellen Kunst aufzeigen. An den Maximen des Festivals hat sich auch beim diesjährigen Programm nichts geändert. Eva Fischer, Initiatorin und Kuratorin des Festivals, möchte für das zehnte Soundframe erneut die Interaktion zwischen Künstlern aus verschiedenen Kontexten anregen: „Ich finde es immer schön, wie interdisziplinär und weitläufig die Szene ist. Jeder hat seinen eigenen Stil, seine eigene Handschrift. Trotzdem ist sie sehr vernetzt.“

Zusammenkommen. Aus dieser Intention habe Fischer für das „Schaufenster“-Modeshooting der vorigen Seiten auch bewusst Personen ausgewählt, „die für die unterschiedlichsten Bereiche von Soundframe stehen“, so erklärt sie. Die gemeinsame Liveshow der Musiker Dandario, Paulo Luemba und Jahson Tehuti, der als Solokünstler Jahson the Scientist in diesem Rahmen seine erste eigene EP präsentiert, zeige etwa die „musikalische Vielfalt und wie Musiker in Wien miteinander vernetzt sind“, sagt Fischer und streicht auch bei Tonica Hunters DJ-Tätigkeit im Kollektiv Sounds of Blackness die dahinterstehende Idee der Vielfältigkeit heraus, mit der sich Soundframe gut identifizieren kann: „Die kulturelle und ethnische Vielfalt Europas auszudrücken ist uns auch immer ein Anliegen gewesen, und deswegen finde ich das sehr repräsentativ.“

Poetik der Energie. Die Arbeit „Continuum“ zeigt technologische Möglichkeiten.(c) Tarik Barri

Die Künstler selbst schätzen Soundframe freilich als Plattform, die unterschiedliche Ansätze und Personen verbindet. So kennen sich Visual Artist Leonhard Lass und Architektin Johanna Mayr-Keber – ihr DJ-Name ist Joja –, schon von früheren Festival-Ausgaben, bei denen sie in ganz diversen Bereichen – von der Grafik über die Rauminstallation bis zur Live-Performance – beteiligt gewesen sind.

„Ein neuralgischer Anknüpfungspunkt, wo viele zusammenkommen und experimentieren“, so definiert Lass den Musik-Club als zentralen Raum der audiovisuellen Szene. Er selbst hat diesen Raum im Rahmen von Soundframe allerdings auch verlassen und seine Arbeit mit der Künstlergruppe Depart zum Beispiel im Museum präsentiert. Denn das Festival bespielt nicht nur den üblichen Club, sondern auch andere Umgebungen. Mayr-Keber, die bei eigenen Projekten „möglichst viele Formen von Kunst zusammenführen möchte“, schätzt es auch wie andere eben gerade dafür.

Rückblick. Andere Umgebungen sind für Soundframe oftmals Ausstellungsräume. So ist auch dieses Jahr wieder eine Ausstellung geplant, die inhaltlich zurückblickt, aber auch örtlich zum eigenen Ausgangspunkt zurückkehrt. In der Künstlerhaus-Passagegalerie, wo das Festival vor zehn Jahren zum ersten Mal stattfand, werden die vergangenen Jahre unter anderem mit einer dreidimensionalen Landkarte von Grafikerin Julia Schäfer nachgezeichnet. Schäfer – gemeinsam mit ihrem Kollegen Lukas Fliszar vom Kollektiv 100und1 zudem für die diesjährige Festivalgrafik verantwortlich – hat versucht, mit ihren Arbeiten die Zeit festzuhalten und so die Festivalentwicklung auch optisch fassbar zu machen.
Mit der Entwicklung von Soundframe im Speziellen und der audiovisuellen Szene im Allgemeinen beschäftigen sich auch andere Programmpunkte. In Gesprächsrunden wird Mayr-Keber etwa über die Entwicklung musikalischer Tendenzen reden, Leonhard Lass über jene der Visuals.

Auch Eva Fischer denkt gern über die Geschichte und Bedeutung ihres Festivals nach. Nicht nur, weil sie dabei auf etliche bewegte Jahre zurückblicken kann, sondern weil ihr Reflexion über Soundframe selbst und die künstlerischen Ausdrucksformen, für die es steht, stets wichtig ist. „Das Ziel dabei war schon immer, so eine Art Leuchtturm für die Szene zu sein“, beschreibt sie die eigene Rolle, breite Aufmerksamkeit zu generieren. Heute würde Audiovisuelles bereits stärker als eigenständige Kunstform wahrgenommen werden als früher. Gleichzeitig sei der Zwiespalt, wie audiovisuelle Werke zwischen Party und Museum einzuordnen seien, immer Teil des Festivals, meint Fischer: „Das macht es schwierig, aber auch irrsinnig viel möglich.“ Mittlerweile aber seien Visuals definitiv mehr als ein hübscher Hintergrund zum DJ-Set, und im Idealfall würden sich Ton und Bild zu einem eigenen Dritten verbinden. Dazu trage natürlich auch die voranschreitende Entwicklung der Technologie bei, schließt Fischer: „Computerprogramme, die es möglich machen, Musik und Visuals noch mehr miteinander zu verschränken.“

Vermittlerin. Eva Fischer bringt beim Soundframe Festival Künstler zusammen.(c) Lukas Maul

Ausblick. Wie spannend solche Verschränkungen für Augen und Ohren gegenwärtig klingen und aussehen können, zeigen zum Beispiel die Veranstaltungen des ersten Soundframe-Wochenendes dieses Jahres. Der Visualist Ferdinand Glück und das Duo Bildwerk projizieren dann auf die Fassade des Brut-Theaters eine Mapping-Installation. „Eine technologische Entwicklung, die für die Szene ganz groß ist“, glaubt Fischer. Im Inneren des Brut finden etliche audiovisuelle Performances statt, am ersten Abend präsentieren etwa Musiker Paul Jebanasam und Künstler Tarik Barri ihre Arbeit „Continuum“ – für Fischer eines von vielen Programmhighlights. Auch auf die audiovisuellen Duos des zweiten Abends, unter anderem die Zusammenarbeit des Musikers Jinjé mit der Visualistin Florence To, weist sie gespannt hin.

Die Abschlussveranstaltung in der Alten Post, bei der Soundframe mit dem Take-Festival für Mode kooperiert, soll ein weiterer Höhepunkt werden: „Zum einen spielen dort Musiker und Visualisten, die wir aus vergangenen Jahren gut kennen. Zum anderen wird das die allerletzte offizielle Veranstaltung sein.“ Dann ist Schluss: Das bekannte Festival-Format Soundframe wird es künftig nicht mehr geben. Danach soll es auf neuen Wegen weitergehen. Die Verbindung von Audiovision mit Mode weist schon einen möglichen Weg in die Zukunft. Fischer will nicht mehr „in der eigenen Suppe schmoren“, sondern wirtschaftlich und künstlerisch Kräfte bündeln für interdisziplinäre Projekte, die sie sich seit ihrem ersten Festival so sehr wünscht: „Wir laden Künstler aus verschiedenen Bereichen ein und lassen sie das gemeinsame Dritte machen.“

Die „Presse“ ist Medienpartner von Soundframe.

Tipp

Soundframe 2016 „Ten“: Das Wiener Festival für audiovisuelle Ausdrucksformen feiert von
15. bis 24. April mit einer retrospektiven Ausstellung, Liveshows, Gesprächen und anderem sein zehnjähriges Bestehen. www.soundframe.at