Das Geldinstitut soll Investoren und Mitarbeiter bespitzelt haben. Zwei hochrangige Manager mussten bereits ihre Schreibtische räumen, die beiden sollen den Aktionär Michael Bohndorf bespitzelt haben.
Frankfurt am Main (red.). Mikrofone in Blumensträußen, eingeschleuste Mitarbeiter, angeheuerte Mädchen – was nach einem Agentenfilm klingt, könnte sich in der Deutschen Bank tatsächlich so zugetragen haben. Bereits seit Mai ermittelt die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in der größten Bank Deutschlands zu möglichen Fällen von Bespitzelung. Nun hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Geprüft wird, ob der Fall strafrechtlich relevant ist und ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Weitere Details gab die Staatsanwaltschaft nicht bekannt.
Zwei hochrangige Manager mussten bereits ihre Schreibtische räumen. Bei den Mitarbeitern, deren Verträge laut Berichten der „Financial Times“ aufgelöst wurden, handelt es sich um den Leiter der Konzernsicherheit in Deutschland, Rafael Schenz, sowie den der Abteilung Investor Relations vorstehenden Wolfram Schmitt. Die beiden sollen den Aktionär Michael Bohndorf bespitzelt haben. Das geht aus dem Bericht der mit der Angelegenheit befassten Anwaltskanzlei Cleary, Gottlieb, Steen & Hamilton hervor. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Unlautere Methoden
Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Jahr 2006 soll der damals 66-jährige Investor, so berichten deutsche Medien, kritische Fragen gestellt haben, woraufhin Aufsichtsratschef Clemens Börsig den mittlerweile freigestellten Leiter der Sparte Investor Relations beauftragt habe, mehr über den Störenfried in Erfahrung zu bringen.
Um an die gewünschten Informationen zu kommen, hätten die Spitzel zu unlauteren Methoden gegriffen. So soll eine von der Bank beauftragte Detektei eine 23-jährige Brasilianerin engagiert haben. Ihr Auftrag: Den damals 66-Jährigen zu verführen und ihm auf diese Weise Informationen zu entlocken. Der Fall wurde von der Bank bislang nicht bestätigt.
Bereits in der Vergangenheit hatte die Deutsche Bank für Aufregung gesorgt. Gemeinsam mit einer Gruppe von Unterstützern hatte der Medienunternehmer Leo Kirch versucht, auf gerichtlichem Weg Beschlüsse der Hauptversammlung 2004 anzufechten. Als Kirchs Anwälte bei der Hauptversammlung im Juni 2006 kritisch fragten, habe Schmitt den Auftrag erhalten, herauszufinden, ob Bohndorf und Kirch zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck hat die Deutsche Bank angeblich versucht, einen Rechtsreferendar in die Kanzlei Bub Gauweiler einzuschleusen, die Kirch in seinem Rechtsstreit mit der Deutschen Bank vertritt.
Nachdem die Deutsche Bank im Mai öffentlich eingestand, dass es möglicherweise zu Verstößen gegen das Datenschutzgesetz gekommen sei, verordnete die BaFin eine Sonderprüfung. Die Bank selbst schaltete eine Anwaltskanzlei ein, die die Vorgänge, die sich in den Jahren 2001, 2006 und 2007 zugetragen haben sollen, genauer unter die Lupe nehmen sollte.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kündigte damals an, sich höchstpersönlich „an die Spitze der Untersuchungen“ zu stellen. Zu den aktuellen Entwicklungen hüllte er sich bislang in Schweigen. Ein Sprecher der Deutschen Bank bekannte allerdings, dass das Institut voll mit den Behörden kooperieren wolle.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2009)