Österreich, Deutschland und die Schweiz wollen ihre Hotels einheitlich bewerten. Das neue System beruht auf 270 statt bisher knapp 50 Kriterien. Das internationale Chaos bei den Hotelsternen bleibt aber bestehen.
Wien (cim). Man kennt das Problem: Fünf Sterne in der Türkei versprechen noch keinen Luxus, drei italienische Sterne kein sauberes Zimmer. Die Hoteliersverbände Österreichs, der Schweiz und Deutschlands wollen nun zumindest in diesen Ländern – später könnten mehr dazukommen – ihre Sterne einheitlich vergeben. Ab 2010 werden der Fachverband Hotellerie der WKÖ, der deutsche Hotel- und Gaststättenverband und ab 2011 auch Hotelsuisse ihre Häuser nach gemeinsamen Kriterien klassifizieren.
Das neue System beruht auf 270 statt bisher knapp 50 Kriterien. Einige sind ein Muss, wenn man eine bestimmte Zahl von Sternen will (zum Beispiel muss für drei Sterne die Bettwäsche zweimal pro Woche gewechselt werden, ein Viersternehotel braucht eine Hotelbar, ein Fünfsternehotel mindestens zwei Suiten). Andere Kategorien werden als Bonus eingeführt, zum Beispiel ein Bügeleisen oder ein PC im Zimmer. Mit diesen Pluspunkten kann ein Hotel einen halben Stern (den Zusatz „Superior“, den es bisher nur bei Viersternehäusern gibt) erreichen. Aus fünf Sternen, die bisher vergeben werden, wird somit eine neunteilige Skala.
Es ist nicht der erste Versuch, das System zu vereinheitlichen. Seit Jahren streiten Urlaubsländer rund um den Globus um gemeinsame Standards. Eine entsprechende Initiative auf EU-Ebene ist gescheitert, seit 2005 arbeitet man daran bei der Welttourismusorganisation der UNO (UNWTO). Vor allem Länder mit hohen Standards legen sich quer. Sie fürchten, dass diese aufgeweicht würden und schließlich könne man Hotels nicht weltweit auf einen Schlag gleich bewerten.
In Europa können sich die Hotels fast aller Länder – außer in Norwegen und Finnland – mit ein bis fünf Sternen bewerten lassen. Der sechste Stern, mit dem sich manch ein Haus schmückt, wird offiziell nicht vergeben. In Österreich lässt sich die Hälfte der 18.000 Beherbergungsbetriebe und 76Prozent der 4700 Hotels mit Sternen bewerten. Das System ist nicht unumstritten: Denn die Sterne werden von den jeweiligen Fachgruppen Hotellerie in den Landeskammern für Tourismus an ihre eigenen Mitglieder durch eine „unabhängige Kommission“ für drei bis fünf Jahre vergeben. Dann wird wieder kontrolliert, ob das Niveau gehalten wurde. Laut WKÖ halten sich die Auf- und Abwertungen die Waage. Durch das Internet bekommen die Sterne Konkurrenz. Neben persönlichen Empfehlungen und den Sternen gewinnen die Bewertungen der Unterkünfte auf Buchungsplattformen immer mehr Bedeutung.
Die Österreichische Hoteliersvereinigung begrüßt die Reform. „Es ist gut, wenn das System auf eine breitere Basis gestellt wird“, sagt Geschäftsführer Thomas Reisenzahn.
Heuer bis zu minus 7,5Prozent
Unabhängig von den Sternen erwarten die Hoteliers heuer ein Minus. Die Prognose für den Tourismus ist noch bitterer als die für die gesamte Wirtschaft. Während sich der Fremdenverkehr bei jedem Prozent BIP-Wachstum über ein Plus von 1,25Prozent freuen kann, ist auch das Minus größer: Ein Prozent Schrumpfen des BIP wird von den Wirtschaftsforschern mit einem Faktor von 1,5auf den Tourismus umgelegt. „Bei den aktuellen Prognosen bedeutet das heuer einen Rückgang der Einnahmen um bis zu 7,5Prozent“, sagt Klaus Ennemoser, Hoteliers-Obmann in der Wirtschaftskammer.
Für den Sommer erwartet er ein Minus von fünf Prozent. Das entspricht den Wifo-Prognosen. „Da geht die Welt nicht unter, wir haben das Niveau von 2007 erreicht.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2009)