Die Credit Suisse rechnet mit steigenden Aktienkursen bis Anfang 2010 bei bleibender Volatilität. Anja Hochberg, Chefökonomin bei Credit Suisse, begründet dies mit der Verbesserung bei zahlreichen Frühindikatoren.
Wien (mar). Obwohl noch viele Schwierigkeiten kommen, ist das Schlimmste überstanden – dies ist die Kernaussage von Experten der Credit Suisse bei ihrem Ausblick auf die globalen Märkte und die damit zusammenhängenden Anlagestrategien. „Mithilfe von Abwehrmaßnahmen konnte eine schwere Rezession, die wie Armageddon hätte ausgehen können, vermieden werden“, sagte Stefan Keitel, Investmentchef des Schweizer Finanzhauses, am Mittwoch.
Frühindikatoren zeigen nach oben
Anja Hochberg, Chefökonomin bei Credit Suisse, begründet diese Einschätzung mit der Verbesserung, die bei zahlreichen Frühindikatoren festzustellen ist. So legt die Industrieproduktion weltweit ebenso zu wie der globale Einkaufsmanagerindex, was in etwas verhaltenerem Ausmaß auch für die Eurozone gilt. Die Beurteilung der Lage ist laut Ifo-Index zwar negativ, aber bei den Erwartungen gibt es eine Aufhellung. Für den Juni zeigen sowohl der Einkaufsmanagerindex als auch der Ifo-Index deutlich nach oben. Zusätzlich stuft Hochberg die Situation auf dem Kreditmarkt als deutlich entspannter ein als noch zu Jahresanfang. Die Volkswirte der Credit Suisse erwarten, dass die Zentralbanken ab dem zweiten Halbjahr 2010 erste vorsichtige Normalisierungsschritte wagen werden: „Aus ,ultra-low‘ wird dann ,low‘“.
Bekanntlich bleiben zahlreiche schwerwiegende Risiken bestehen (siehe unten stehender Bericht). Das betrifft auch den Arbeitsmarkt, den Immobilienmarkt, drohende Unternehmensinsolvenzen und den Konsum. Hier dürften sich die Auswirkungen der Krise noch weiter verstärken. Daher fällt auch der Konsum in den USA als ein wesentlicher Antrieb der Weltwirtschaft aus. Dagegen schafft die solide chinesische Binnennachfrage deutliche internationale Anreize, positive Signale kommen auch von lateinamerikanischen Ländern, hier insbesondere aus Brasilien.
Auf den Aktienmärkten erwarten die Experten eine deutliche Wiederbelebung in der zweiten Jahreshälfte und Anfang 2010. Allerdings wird die Erholung nicht nachhaltig sein, so Keitel: „Eine erneute Volatilität ist sehr wahrscheinlich.“ Weil Keitel zufolge deutlich mehr als die Hälfte der Anleger „unterinvestiert“ sei, würden jetzt viele den steigenden Kursen folgen. Hier rechnet Keitel bis Jahresende mit einer Aufwärtsbewegung auf den Aktienmärkten von zehn bis 20 Prozent. „Danach ist es Zeit, auf die Seite zu gehen und antizyklisch zu verkaufen“, so der Ratschlag angesichts der Schwankungen, die dem derzeitigen Aufschwung folgen dürften.
Keitel: „Unser ,Sell into Strength‘-Postulat hat immer noch Gültigkeit, angesichts der aktuellen fundamentalen Lage bleiben wir jedoch vorsichtig.“ Die Credit Suisse attestiert Aktien inzwischen ein besseres Potenzial als Staatsanleihen, weil diese in zahlreichen Investorenportfolios nur bescheiden repräsentiert seien und bald ein Kaufdruck einsetzen dürfte. Unter den Regionen halten die Experten Schwellenländer, hier in erster Linie Lateinamerika, sowie Rohstofflieferanten für attraktive Regionen.
AUF EINEN BLICK
■Antizyklisch agieren. Experten skizzieren drei Wellen, die den Aktienmarkt hochtreiben: Gegenreaktionen auf Kursstürze Ende März, „Hoffnungskäufe“ danach und ein jetzt erfolgender Markteintritt unterinvestierter Anleger. Die Kurse sollen demnach 2009 um bis zu 20 Prozent steigen, ab Anfang 2010 ist Verkaufen und Beobachten angesagt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2009)