Porsche beschließt Kapitalerhöhung über fünf Mrd. Euro

(c) EPA (Kay Nietfeld)
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In einer Marathonsitzung hat der Porsche-Aufsichtsrat die Weichen für die Rettung des hoch verschuldeten Autounternehmens gestellt: Neben einer Kapitalerhöhung soll das Golf-Emirat Katar bei Porsche einsteigen.

Der Porsche-Aufsichtsrat hat in einer Marathonsitzung die Weichen für die Rettung des hoch verschuldeten Sportwagenbauers gestellt. Die Milliardenschulden sollen durch eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro sowie den Einstieg des Golfemirates Katar abgebaut werden. Das teilte das Kontrollgremium in der Nacht zum Donnerstag in Weissach bei Stuttgart mit. In dem beispiellosen Machtkampf mit VW macht Porsche damit den Weg zur Bildung eines Konzerns mit Volkswagen frei.

Die Kapitalerhöhung könne in Form einer Bar- und/oder auch einer Sacheinlage geleistet werden, hieß es. Ein Porsche-Sprecher lehnte es ab, weitere Details zu nennen. Die Sitzung des Aufsichtsrats dauere noch an, fügte er hinzu. Ziel sei es, die Voraussetzungen für die Bildung eines integrierten Automobilkonzerns aus der Porsche SE und der Volkswagen AG zu schaffen, erklärte der Aufsichtsrat nach dem einstimmigen Beschluss. Die Stuttgarter hatten sich bei der geplanten Übernahme von VW finanziell übernommen und kämpfen mit rund zehn Milliarden Euro Schulden.

Sondersitzung des Aufsichtsrats

Das zwölfköpfige Kontrollgremium von Porsche war am Mittwochabend überraschend im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Weissach zusammengekommen, um die Weichen für die Zukunft des Autobauers zu stellen. Ursprünglich war die Sitzung für Donnerstag geplant. Einzelheiten zu dem Rettungskonzept gab es zunächst nicht. Am Donnerstagmittag sollte der Aufsichtsrat von VW in Stuttgart wie geplant zusammenkommen. Ob der Porsche-Aufsichtsrat erneut tagt, war offen.

Die Familien Porsche und Piëch hatten sich nach früheren Angaben aus Konzernkreisen grundsätzlich darauf geeinigt, dass VW Porsche schrittweise komplett übernimmt und der Sportwagenbauer als zehnte Marke in den Wolfsburger Konzern integriert wird. Damit hätte sich VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch mit seinem Plan durchgesetzt.

Wiedeking-Schicksal ungewiss

Nach wie vor ungewiss war das Schicksal von Wiedeking, der Porsche mit Hilfe der Finanzspritze Katars vor der drohenden Übernahme durch VW retten will. Finanzkreisen zufolge ist das Emirat aber vor allem an VW interessiert, weniger an Porsche. "Das ist ganz überwiegend ein VW-Investment", sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Zur Finanzierung bemüht sich der Golfstaat auch um Milliardenkredite, um das Eigenkapital zu schonen. Porsche beharrte darauf, das Katar vorrangig bei Porsche einsteigen wolle.

Wiedeking hat Porsche im Zuge der Übernahme der Stimmrechtsmehrheit an VW in die Verschuldung getrieben. Da sein Vertrag noch bis 2012 läuft, kann der Manager mit einer millionenschweren Abfertigung rechnen, sollte er vorzeitig ausscheiden. Die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten auf ihrer Internetseite, es gebe bei den zerstrittenen Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piech Überlegungen, Wiedeking eine Abfindung von mindestens 250 Millionen Euro zu bezahlen. Porsche wollte sich dazu nicht äußern.

Sitzung dauerte Donnerstag früh an

Wiedekings Widersacher in dem Machtkampf ist VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piech. Er will die Gunst der Stunde nutzen und den angeschlagenen Sportwagenbauer Porsche unter die Kontrolle von VW bringen.

Die Marathonsitzung des Porsche- Aufsichtsrats in Weissach bei Stuttgart hat Donnerstag früh noch immer angedauert. Sollte kein Durchbruch erzielt werden, können die Porsche-Eigentümer am kommenden Mittwoch einen weiteren Anlauf unternehmen. Dann kommt der Aufsichtsrat nochmals zu einer regulären Sitzung zusammen.

(APA)

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