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Geschichte

Audienz im Schlafzimmer der Kaiserin

Hinter dieser Fensterreihe in der Bel etage des Leopoldinischen Trakts der Hofburg befinden sich die Räume der Präsidentschaftskanzlei.
Hinter dieser Fensterreihe in der Bel etage des Leopoldinischen Trakts der Hofburg befinden sich die Räume der Präsidentschaftskanzlei.(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Die Geschichte eines überwältigenden Gebäudes.

In Europas Herrscherresidenzen ging es nicht immer gesittet zu. In der berüchtigten Bartholomäusnacht klebte vielen im Pariser Louvre das Blut der Hugenotten an den Stiefeln. Wie Henker und Mörder im Londoner Tower mit ihren hochadeligen Opfern umgingen, wissen wir aus den Stücken William Shakespeares, ganz zu schweigen vom Moskauer Kreml, in dem Zaren, von ihrem Gewissen geplagt, nächtens halb wahnsinnig in den Gängen heulten. Ähnliche Grausamkeiten finden wir in der beinahe 800 Jahre zurückgehenden Geschichte der Wiener Hofburg nicht, sieht man einmal ab von einigen prominenten türkischen Häftlingen, die nach der ersten Belagerung Wiens in einem Gewölbe beim Michaelertor unter nicht ganz menschenrechtskonformen Haftbedingungen eingesperrt waren. Doch im Großen und Ganzen bietet der umfangreiche Residenzkomplex in der südlichen Gegend der Wiener Innenstadt bei historischer Betrachtung wenig Stoff für Geschichten über Häscher, Henker, Spitzel oder gar blutig ausgetragene Familienfehden. Kein Rasputin weit und breit, vielmehr erwiesen die Oberhäupter der habsburgischen Dynastie, die hier amtierten, wohnten, Ehen auspaktierten und vollzogen, nicht nur den Mitgliedern ihrer Familie den gebührenden Respekt, sondern auch dem Gebäude, das ihr Leben umschloss.

Sie hatten zwar durchaus den Ehrgeiz, ihre Vorgänger durch monumentale Bauten zu übertrumpfen, sie taten das aber nicht, indem sie die alten Wohntrakte der Hofburg systematisch abrissen, sondern beließen sie respektvoll und bauten immer neue Gebäude hinzu. So erfolgten im Lauf der Jahrhunderte Ausbauten, Umbauten und immer wieder Neubauten, und es entstand ein weltweit singuläres asymmetrisches Konglomerat an Gebäuden von atemberaubender Stilvielfalt, das in seiner Komplexität wohl nur noch vom Vatikan oder dem Louvre übertroffen wird. Du, glückliches Österreich, baue!