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Nach Übergriffen: Die Bäder rüsten für den Sommer auf

Mehr Personal, Sicherheitskurse für Bademeister oder Piktogramme mit Benimmregeln: Wie die Sommerbäder nach den Vorfällen in Hallenbädern den Saisonstart vorbereiten.

Putzen, schrubben, Wege neu asphaltieren, eine Rollstuhlrampe für den Behindertenstrand ins Wasser legen, die Becken kärchern und die Schlingpflanzen – so viele wie heuer waren es noch nie, vermutlich liegt das am warmen Winter – mit dem Rechen aus der Alten Donau fischen. Schon seit Wochen laufen im Gänsehäufel die Vorbereitungen für den Start der Sommersaison, die in Wien traditionell am 2. Mai beginnt. Aber es ist kein Saisonstart wie zuvor, die Anspannung ist größer. „Die Gerüchteküche brodelt seit Wochen“, sagt Erich Gsellmann. Er ist seit 30 Jahren Bademeister, seit 1989 ist der Mittfünfziger mit den langen Dreadlocks jeden Sommer in Shorts und mit Kapperl und Pfeiferl im Gänsehäufel unterwegs.

Über das Thema, das derzeit in den Bädern alle beschäftigt, redet er aber nicht gern: eine Anordnung der MA 44, zuständig für die Bäder. Dort will man nicht zu viel Wirbel um die Frage der Sicherheit, die nach Zwischenfällen mit Asylwerbern in Bädern aufgekommen ist, machen. Dabei läuft diese Debatte seit Monaten. Seit im Dezember ein Bub im Meidlinger Theresienbad von einem jungen Iraker vergewaltigt wurde, war die Aufregung schließlich auch nach harmloseren Zwischenfällen in Bädern groß. Das endgültige Sicherheitskonzept für die Wiener Bäder soll kommende Woche stehen, aber so viel ist fix: Es soll keine uniformierten Securities geben, dafür soll das Personal der Bäder um rund 40 Mitarbeiter aufgestockt werden. Gesichert ist diese Zahl noch nicht, auch die Finanzierung müsse noch geklärt werden, wie Martin Kotinsky, Sprecher der MA 44, sagt.

Schulung statt Securities

Statt Securities setzt Wien auch auf Schulungen: Kürzlich sind zehnteilige Präventions-Kurse für Mitarbeiter angelaufen, die von der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft und unter Beteiligung eines Polizeivertreters durchgeführt werden.

Die Mitarbeiter sollen dabei lernen, etwa pädosexuelle Handlungen – wenn zum Beispiel ein Mann Kinder beobachtet – frühzeitig zu erkennen, bevor es zu einem Übergriff kommen kann. Einen Fokus auf Asylwerber gibt es dabei ausdrücklich nicht.
Dass jegliche sexuelle Belästigung in Bädern untersagt ist, das soll auch in eine Art neue Zusatz-Badeordnung – ausformuliert ist derzeit erst das Muster – aufgenommen werden. Diese Badeordnung soll auf Deutsch und Englisch ausgehängt werden – und in einige weiteren Sprachen übersetzt für den Bedarfsfall in den Bädern aufliegen. Geht es um Freibäder, Baderegeln und Sicherheit, gehen die Länder und Regionen unterschiedliche Wege: Die Stadt Salzburg ließ nach Beschwerden über sexuelle Belästigung durch Asylwerber Piktogramme erstellen, die Verhaltensregeln (zum Beispiel Frauen nicht anstarren, Abstand halten) nonverbal kommunizieren. Die Piktogramme sollen dieser Tage in den städtischen Bädern angebracht werden. In Salzburg geht man aber auch in Sachen Sicherheit einen anderen Weg als in Wien: Im Paracelsusbad sind etwa nach einigen Beschwerden über Belästigung oder Diebstähle zwei Securities im Einsatz. Seither habe es keine Beschwerden mehr gegeben.

Im oberösterreichischen Vöcklabruck gibt es demnächst für die Mitarbeiter der Badeanstalten eine Schulung über den Umgang mit anderen Kulturen durch die Polizei. Außerdem sollen Bewohner in Asylwerberunterkünften über die heimischen Baderegeln informiert werden. In Niederösterreich will man vorerst die Badeordnung auf Arabisch oder Farsi übersetzen und, so heißt es von der Wirtschaftskammer, auch mit Piktogrammen Regeln kommunizieren. In Wien lehnt man derartige Vorschläge vorerst ab. Wie Securities, die etwa Personalvertreter für die Sommerbäder gefordert hatten. „Das eigene Personal kennt die Anlagen, wird in Deeskalation geschult und kann die Zeit, bis die Polizei da ist, gut überbrücken. Außerdem übernimmt es Arbeiten und geht nicht, wie Securities, nur spazieren“, sagt Kotinsky. Auch gegen Piktogramme habe man sich entschieden. Sexuelle Belästigung sei ohnehin gesetzlich verboten, und man wolle Flüchtlingen nicht damit nonverbal unterstellen, potenzielle Täter zu sein.

Seltene Belästigung

Erich Gsellmann, der Bademeister-Routinier, sieht die ganze Diskussion vor Saisonbeginn relativ entspannt. Fälle von Belästigung habe es selten, aber doch immer wieder gegeben. Auch, dass sich Jugendliche aufführen, weil sie besonders lässig sein wollen, in Straßenkleidung ins Becken springen, sich gegenseitig ins Wasser stoßen oder Mädchen angehen – das gehöre eben zum Freibadbetrieb. Und das sei vor 30 Jahren nicht viel anders gewesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2016)