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ÖVP: "Wenn ich verliere, verliere ich"

Bei der Stimmabgabe war Andreas Khol noch optimistisch.
Bei der Stimmabgabe war Andreas Khol noch optimistisch.(c) APA (Hans Punz)
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Der schwarze Plan B ist gescheitert. ÖVP-Kandidat Andreas Khol nimmt die Schuld auf sich und versucht, den Parteichef zu schützen.

Die ÖVP-Mitglieder zögerten ein paar Sekunden als Parteiobmann Reinhold Mitterlehner am Wahlabend die Zentrale in der Wiener Innenstadt betrat. Dann klatschten sie doch. Kurz und verhalten. Mehr war nach der Wahlniederlage von ÖVP-Präsidentschaftskandidat Andreas Khol mit Platz vier und 11,2 Prozent nicht drinnen. Der Plan B Mitterlehners, mit Khol als Ersatz für Pröll ins Rennen um die Hofburg zu gehen, ist offiziell gescheitert. Und die parteiinterne Ursachenforschung samt Personalspekulationen ist noch am Wahlabend gestartet.

Ähnlich wie Mitterlehner ließ sich auch Khol nur kurz in der Parteizentrale blicken. Nach einer einminütigen Rede verschwand er wieder durch die Hintertür. Das Wichtigste, aus Sicht der Parteispitze, hatte er da schon gesagt: Es sei lediglich ein „Personen- und Protestwahlkampf“ gewesen. Subtext: Mit der Partei und deren Obmann habe das schlechte Abschneiden freilich nichts zu. Selbst bei seiner Stimmabgabe am Vormittag beschwichtigte der 74-Jährige bereits: Sollte er es nicht in die Stichwahl schaffen, „dann werde ich mich auf niemanden ausreden. Wenn ich gewinne, dann gewinne ich es. Wenn ich verliere, dann verliere ich.“ Noch am Abend legte Khol alle Ämter zurück. Auch „aus der Muppet-Loge“ werde er künftig keine Kommentare mehr abgeben.

Doch so leicht wird es die gewohnt obmannkritische ÖVP ihrem Chef nicht machen. Die Unzufriedenheit mit der Führungsriege, etwa mit Generalsekretär Peter McDonald, wuchs schon in den vergangenen Wochen. Ob Mitterlehners „Relaunch der Regierung“ reichen wird, die Unzufriedenheit zu stillen, ist fraglich. Am Wahlabend nahm sich zumindest die Parteijugend kein Blatt mehr vor den Mund: „Es wäre ein Fehler, mit Mitterlehner in die nächste Nationalratswahl zu gehen. Wir sind für Sebastian Kurz – und sind da nicht die einzigen.“ Ein sofortiger Wechsel wäre schlecht. „Sonst würde Kurz zerrissen.“

„Erste Mal gedacht, dass ich weiß wähle“

Personelle Veränderungen wären die logische Konsequenz einer Wahlniederlage, an der die Partei selbst einen großen Anteil hat. Das begann schon bei der Nominierung des Kandidaten. Niederösterreichs Landeschef Erwin Pröll (ÖVP) galt als Fixstarter, wollte es zu Jahresbeginn dann aber doch nicht machen. Die Suche nach dem Plan B begann.

Khol hatte anfangs nicht nur mit der Zuschreibung, ein Verlegenheitskandidat zu sein, zu kämpfen, sondern ebenso mit einer unausgegorenen Kampagne. Mitte Februar wurde dann der Kampagnenleiter gewechselt. Doch auch er selbst musste sich im Wahlkampf erst zurechtfinden. Bei seinen ersten Auftritten wirkte er müde und fahrig. Als Sympathieträger galt er nie. „Ich habe mir das erste Mal in meinem Leben gedacht, dass ich weiß wähle“, war am Wahlabend sogar unter Parteifunktionären zu hören.

Im Lauf des Wahlkampfs versuchte er, sich als bunter Schwarzer zu positionieren und punktete als Verfassungsjurist mit seiner fachlichen Kompetenz. Sein Wahlkampf schien gegen Schluss zumindest etwas ins Laufen zu kommen. Genau da funkte erneut die niederösterreichische Landespolitik dazwischen. Pröll machte mit dem von ihm initiierten Ämtertausch von Johanna Mikl-Leitner und Wolfgang Sobotka von sich Reden. Hinzu kam Gegenwind, der der Koalition entgegenschlug, und Konkurrenz durch Irmgard Griss.

Den schlechten Umfragen konnte, wollte oder versuchte die ÖVP nicht (zu) glauben. „Glauben Sie an Umfragen? Dann sind Sie der Einzige im Land“, so Khol und fügte hinzu: „Überraschung ist mein Geschäft.“ Es sollte nur eine klitzekleine werden: „Wir können uns trösten, vor der SPÖ zu liegen“, wie ein Funktionär sagte. Zumindest in der Hochrennung inklusive Briefwähler.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2016)