Anlagen: „Flucht ins Gold ergibt keinen Sinn mehr“

(c) Reuters (Leonhard Föger)
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Experten der Erste Bank empfehlen einen Strategiewechsel: Unternehmensanleihen statt Sparbuch. In Österreich sind die Vermögen im Jahr 2008 um 8,5 Prozent auf 119 Mrd. Euro geschrumpft.

Wien (mar). Im Zuge der Krise sind die Privatvermögen in Europa um rund ein Fünftel auf 5,9 Billionen Euro gesunken – 1,7 Billionen Euro sind „verpufft“. In Österreich sieht die Situation der Erste Bank zufolge besser aus als im EU-Schnitt: Hier sind die Vermögen im Jahr 2008 um 8,5 Prozent auf 119 Mrd. Euro geschrumpft. Ab heuer rechnet die Erste Bank mit einer Kehrtwende bei einem Zuwachs von bis zu vier Prozent. Die Bank ist eigenen Angaben zufolge Marktführer im Segment der sogenannten „Reichen“. Zu ihnen zählt sie Kunden mit einem frei verfügbaren Vermögen zwischen 300.000 und drei Mio. Euro. In Österreich gibt es keine genauen Zahlen, Schätzungen zufolge fallen 70.000 bis 80.000 Personen in diese Kategorie.

„Die Welt ist nicht untergegangen“

Obwohl man die Auswirkungen der Krise noch lange spüren werde und die Entwicklung unsicher sei, sei die globale Rezession vorbei. Das stellte Wolfgang Traindl, Leiter des Private Banking der Erste Bank, am Donnerstag in Wien fest. So sind einige Unternehmensergebnisse in jüngster Zeit „überraschend positiv“ ausgefallen, und Unternehmensanleihen von OMV, Verbund, Voest oder Bewag waren innerhalb weniger Stunden überzeichnet. Entsprechend sieht Traindl auch bei Anlagestrategien eine Trendumkehr. Einerseits seien früher belächelte Anlagen, die sich an Kategorien wie „Heimat“ und „Bekanntes, Verständliches“ orientieren, schwer im Kommen. Früher stark nachgefragte, möglichst ausgefallene Strukturprodukte seien dagegen „out“.

Andererseits ist auch der Trend des ersten Halbjahres, vor allem Kapital zu retten und in Cash, Sparbücher und Gold zu flüchten, zu Ende. Dagegen ist Traindl zufolge im zweiten Halbjahr „einiges an Performance“ drin, entsprechend nötig sei ein Strategiewechsel. Gold bleibe eine gute Beimischung in einem diversifizierten Portfolio, hier ist der Bank zufolge in den nächsten zwölf Monaten mit hoher Volatilität, aber auch Preisen bis zu 1300 Dollar je Unze zu rechnen. „Gold ist zu einem Anlagemedium geworden wie jede andere Anlage auch“, meint Traindl. Seine Empfehlung: „Bleiben Sie nicht beim Sparbuch und investieren Sie nicht nur ins Gold – die Welt ist nicht untergegangen.“

Im zweiten Halbjahr sollte der Erste Bank zufolge ein gut diversifiziertes Portfolio zwischen drei und vier Prozent abwerfen. Traindl setzt allerdings weniger auf Aktien und verstärkt auf Unternehmensanleihen. Vorsichtigen Anlegern rät das Institut zu 15 Prozent Aktien erstklassiger Firmen in entwickelten Märkten. 70 Prozent sollten Anleihen mit guter und bester Bonität einnehmen, dazu gehören neben Staatsanleihen und staatsgarantierten Hypothekaranleihen vor allem Unternehmensanleihen. Einen kleinen Teil können hier auch sogenannte Risikopapiere (High Yields) einnehmen. Neben jeweils fünf bis zehn Prozent Immobilien- und Cashfonds ist schließlich auch Gold denkbar: als eine Beimischung mit bis zu fünf Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2009)

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