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Industrie im leichten Aufwind, „letzter Weckruf“ für Politik

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Von einem kräftigen Aufschwung sind die heimischen Betriebe noch weit entfernt. Die IV fordert, Flüchtlinge rascher in Arbeit zu bringen.

Wien. Die Industriellenvereinigung zeigt sich nach der vierteljährlichen Konjunkturumfrage unter ihren Mitgliedern verhalten optimistisch. Zwar steigt das Barometer zum zweiten Mal in Folge an, von 22 auf 26 Punkte. Aber von einem kräftigen Aufschwung sind die heimischen Betriebe noch recht weit entfernt. Den gab es zuletzt 2010 und 2011 (mit bis zu 36 Punkten im Frühling 2011). Das aktuelle „Lüfterl“ reicht also wohl nicht für Erweiterungsinvestitionen und eine echte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt.

Österreich ist im EU-Vergleich beim Wachstum in den hinteren Rängen zu finden. Nur in drei europäischen Ländern steigt die Arbeitslosigkeit, in Österreich am stärksten. Der Denkzettel bei der Bundespräsidentenwahl war für IV-Generalsekretär Christoph Neumayer deshalb „vorhersehbar“: „Wir sind in einer Systemkrise“, die Regierung stehe nach diesem „Weckruf“ nun auch wirtschaftspolitisch vor ihrer „letzten Chance“.
Konkret drängt Neumayer darauf, den im Vorjahr beschlossenen Katalog für Verwaltungsvereinfachungen rasch umzusetzen. Ein Beispiel aus dem Alltag: Ein Unternehmen erhält vom Bezirk die Genehmigung, eine Anlage zu errichten – aber die Gemeinde blockiert. Solche Verzögerungen soll ein „One-Stop-Shop“ aus der Welt schaffen. Hinter der Novelle des Gesetzes gegen Lohn- und Sozialdumping wittert die IV ein „Bürokratiemonster“, das Osteuropa-Headquarters aus Wien vertreiben könnte.
Auf mehr Tempo drängt die Industrie auch bei den Asylverfahren und der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Die geforderte Devise: Wer aufgrund seiner Herkunft wahrscheinlich in Österreich bleiben darf, muss möglichst früh die Möglichkeit zum Arbeiten bekommen – und sei es auch nur über Praktika oder Lehrlingsausbildung. Sonst werde das Problem „betoniert“ und falle schließlich allen „auf den Kopf“.

Mehr Ausbildung auf Englisch

Freilich tragen Flüchtlinge nur wenig zur Linderung des Fachkräftemangels bei. Dünn gesät seien vor allem Spezialisten für Maschinenbau und Elektrotechnik. Wer einen solchen anstellt, melde meist, er hätte „gern noch einen zweiten und dritten genommen“. Softwareentwickler suchten die Mitgliedsbetriebe oft „ein halbes bis ein Dreivierteljahr“. Bei den entsprechenden Universitätsstudien und Ausbildungen sollte es mehr Angebote auf Englisch geben. Nicht nur für Migranten, findet IV-Chefökonom Christian Helmenstein: „Auch bei uns sollte Englisch selbstverständliche Zweitsprache sein.“ (gau)