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„Keiner fragt, wer die Arbeitsplätze schafft“

Franz-Peter Mitterbauer
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Miba-Chef Franz-Peter Mitterbauer spricht über den schwindenden Stellenwert des Unternehmers in Politik und Gesellschaft.

Die Presse: Die Miba AG ist nach dem Rückzug von der Börse wieder zu 100 Prozent im Familienbesitz. Also wieder offiziell ein Familienunternehmen. Was wird sich dadurch ändern?

Franz-Peter Mitterbauer: Prinzipiell halte ich Familienunternehmen für extrem wichtig in unserer Gesellschaft. Was uns betrifft, bin ich der Einzige in der Familie, der operativ im Unternehmen tätig ist. Meine vier Vorstandskollegen und die restlichen 5400 Mitarbeiter sind keine Familienangehörigen. Wir haben uns diesen Rückzug von der Börse sehr gut überlegt. Für uns ist es der richtige Schritt. Wichtig ist für uns aber weiterhin, transparent zu sein. Dieses Gute und Positive aus dreißig Jahren Börsenotierung wollen wir weiter aufrechterhalten. Also Compliance nach innen und außen.


Dennoch wollen Sie offenbar die Betonung stärker auf den Begriff Familienunternehmen legen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Wenn man von Familienunternehmen spricht, sollte man kurz einmal die wirtschaftspolitische Bedeutung zusammenfassen: 70 Prozent aller Arbeitnehmer in Österreich sind in Familienunternehmen beschäftigt. 80 Prozent aller Unternehmen hierzulande sind Familienunternehmen. Familienunternehmen sind also die größten Arbeitgeber. Sie sind einer Region oder einem Standort mehr verbunden als anonyme Unternehmen an der Börse, deren Eigentümerstruktur sehr diversifiziert ist – von Fonds bis Einzelaktionären. Familienunternehmen sind deshalb ein Garant für Stabilität.


Aber für Familienunternehmen gelten doch auch die Gesetze des Marktes, oder?

Dennoch bin ich davon überzeugt, dass sich Familienunternehmen besser um ihre Mitarbeiter kümmern. Wir haben etwa vor zwei Jahren eine firmeninterne Krabbelstube aufgemacht, damit unsere jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Familie und Beruf besser vereinbaren können. Ursprünglich wollten wir einen Betriebskindergarten einrichten. Aber dann haben wir als Feedback bekommen: Kindergarten gibt es ohnehin, wir brauchen eine Krabbelstube. Mittlerweile haben wir in Laakirchen die zweite Gruppe aufgesperrt.


Aber das wirtschaftliche Wachstum spielt sich bei der Miba wohl auch im Ausland ab.

Aber nicht nur. Wir haben 5400 Mitarbeiter weltweit, davon 2400 in Österreich. In den vergangenen zehn Jahren haben wir fast 2000 Arbeitsplätze geschaffen, 400 hier in Oberösterreich. Aber natürlich sind wir vor allem in der Slowakei, wo wir 1500 Mitarbeiter beschäftigen, in den USA und Asien mit jeweils 700 Arbeitsplätzen überproportional gewachsen. Keine Frage: Wir sind ein exportorientiertes Unternehmen. Nur sieben Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir in Österreich.


Womit tut sich ein Industrieunternehmen hierzulande schwer? Wo fehlt es an den richtigen Rahmenbedingungen?

Nehmen wir die Arbeitszeitflexibilisierung. Das klingt bereits abgedroschen, weil es uns seit langer Zeit beschäftigt. Aber es ist ein großes Thema. In Ausnahmefällen zwölf Stunden pro Tag zu arbeiten oder auch einmal an einem Sonntag, ist in der Slowakei möglich, hierzulande nicht. Oder die Lohnnebenkosten. Ein Mitarbeiter in der Slowakei kostet ein Drittel eines österreichischen Arbeitnehmers. Wir bilden mittlerweile auch in der Slowakei Lehrlinge aus.


Und in Österreich?

Wir haben im Laufe der Jahre 1300 Mitarbeiter ausgebildet. Ein Drittel unserer Belegschaft in Österreich hat als Lehrling begonnen. Ich sage immer: Lehrling Nummer eins war mein Großvater. Dieses Modell der Lehrlingsausbildung wollen wir auch in China und in den USA einführen.


Ist man als österreichischer Unternehmer in Österreich genauso willkommen wie in den USA, China oder der Slowakei?

Natürlich bin ich Patriot und lebe gern hier. Auf der anderen Seite muss ich mich natürlich immer fragen, was ich unternehmerisch verantworten kann, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Manchmal frage ich mich tatsächlich: Was für einen Stellenwert hat Unternehmertum in Österreich und in der Regierung?


Und?

Ich habe das Gefühl, dass unser Bundeskanzler mit Unternehmern nicht einmal das Gespräch sucht. Ich höre aber, dass sich die deutsche Kanzlerin Merkel regelmäßig mit CEOs trifft. Das gibt es in Österreich nicht. Daran erkenne ich, welchen Stellenwert Unternehmertum hat. Keiner fragt, wer am Ende die Arbeitsplätze schafft. Das sind nämlich ausschließlich Unternehmer und niemand anderer.


Was werfen Sie der Politik vor?

Entschuldigen Sie das Wortspiel, aber ich finde es passend: Es sollte doch weiterhin „Industriestandort Österreich“ heißen und nicht „Industrie stand dort“. Ich finde, Politik sollte nicht nur tun, was ankommt, sondern auch, worauf es ankommt. So wie Familienunternehmen sollte auch die Politik über eine Generation hinaus planen.


Zuletzt befasst sich die Politik im Zuge der sogenannten Panama-Papers mit Unternehmern und Konzernen. Was sagen Sie dazu?

Mich stört an der Debatte der Generalverdacht. Generell sollte man davon ausgehen, dass Unternehmer etwas Gutes tun wollen. Sie wollen wirtschaftlich erfolgreich sein, nur so können sie Arbeitsplätze sichern und neu investieren. Wenn diese Grundwahrnehmung, nämlich dass Unternehmertum etwas Positives ist, in der Gesellschaft verloren geht, haben wir ein Problem. Wenn das Wort „Leistung“ fast schon zu einem Unwort degradiert wird, haben wir ein Problem. Es wird hierzulande viel über Bürgerrechte geredet, aber so gut wie nie über Bürgerpflichten.


Was fehlt?

Es fehlt eine Vision. Es gibt ja den berühmten Satz, dass wir unseren Planeten nur von den Kindern geliehen und nicht von den Eltern geerbt haben. Das gilt natürlich auch für unser Land.


Wir leben also auf Kosten künftiger Generationen.

Wir investieren immer weniger in die Zukunft. Ich gestehe, ich sehe das auch bei unserem Unternehmen. Wir investieren zwar noch immer das meiste Geld in Österreich, aber es fließt oft in die Erhaltung, weniger in Zukunftsinvestitionen, weil dafür die Rahmenbedingungen in diesem Land einfach nicht gut genug sind.

Zur Person

Franz-Peter Mitterbauer ist seit Sommer 2013 Vorstandsvorsitzender der Miba AG mit Sitz im oberösterreichischen Laakirchen. Das Unternehmen zog sich Ende vergangenen Jahres von der Wiener Börse zurück und ist nun wieder ganz im Familienbesitz. Der Fahrzeugzulieferer beschäftigt weltweit 5400 Mitarbeiter, davon 2400 in Österreich. Miba wurde im Jahr 1927 gegründet und produziert an 22 Standorten in elf Ländern.