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Geldpolitik: Risken bei Anleihen nehmen zu

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(c) bilderbox - Fotolia
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Steigen die Zinsen, haben Bondinvestoren ein Problem. Denn sie setzen derzeit auf Papiere, die ihnen in Zukunft gewaltige Verluste bescheren könnten.

Wien. Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat in den westlichen Industriestaaten zu einem Anlagenotstand geführt. Wer an einigermaßen attraktiven Zinsen interessiert ist, muss heute bereits hohe Risken an den Kapitalmärkten in Kauf nehmen. Investoren, die auf Nummer sicher gehen wollen, haben es jedoch noch schwerer. Sie müssen zum Teil schon Geld dafür bezahlen, ihr Kapital überhaupt anlegen zu dürfen. Bei Staatsanleihen ist das beispielsweise schon seit Längerem der Fall.
Inzwischen notieren Staatsanleihen mit einem Volumen von 7,8 Billionen Dollar (6,9 Billionen Euro) mit einer Rendite unter null. Das führt dazu, dass Vermögensverwalter auf der Suche nach Ertrag auf Papiere mit Laufzeiten von bis zu 100 Jahren setzen. Im April hat Frankreich erstmals seit 2010 wieder eine Anleihe mit 50-jähriger Laufzeit begeben. Irland hat hingegen gleich eine Jahrhundertanleihe mit einer Rendite von 2,35 Prozent auf den Markt gebracht.
Die Zentralbanken machen es den Investoren dabei nicht gerade einfach. Denn sie treten als große Akteure auf dem Anleihenmarkt auf, das engt den Spielraum der anderen Anleihenkäufer zusätzlich ein. Die Europäische Zentralbank kauft den Banken etwa Anleihen ab, in der Hoffnung, diese würden der Volkswirtschaft das Geld in Form von Krediten zur Verfügung stellen. Das soll die Wirtschaft letztlich in Gang bringen.

Unterschiedliche Erwartungen

Das Problem dabei: Auf Anleger könnten empfindliche Verluste zukommen, wenn die Renditen der Anleihen auch nur ein wenig von ihren äußerst niedrigen Niveaus steigen. Ein Renditeanstieg von einem halben Prozentpunkt würde auf dem weltweiten Bondmarkt zu einem Verlust von etwa 1,6 Billionen Dollar führen, wie Berechnungen auf Basis von Daten der Bank of America zeigen. Allein in diesem Jahr sei die Gefahr für das Halten von Festverzinslichen so stark gestiegen wie seit 2010 nicht mehr.
„Es ist nur eine recht geringe Bewegung bei den Renditen am langen Ende nötig, um den Jahresertrag zunichte zu machen“, sagt Thomas Wacker von UBS Wealth Management. Denn, steigt die Rendite einer Anleihe, dann sinkt der Anleihenkurs. Für die Inhaber dieser Papiere ist das unerfreulich, wenn sie ihre Anleihen vorzeitig abstoßen wollen. Der Hintergrund, wenn die Zinsen steigen: Neue Anleihen sind dann besser verzinst und somit attraktiver. Auch das wirkt sich negativ auf den Anleihenkurs der alten Bonds aus. Ein Renditeanstieg von jeweils einem Prozentpunkt auf dem globalen Anleihenmarkt würde derzeit einen Kursrückgang von rund 6,8 Prozent zur Folge haben.

Erst in diesem Monat hat der Internationale Weltwährungsfonds davor gewarnt, dass die Gefahr einer weltweiten Stagnation zunimmt, da das Niveau des Wirtschaftswachstums schon lange flach ist. Der IWF hat seine Wachstumsprognose für 2016 von 3,4 auf 3,2 Prozent gesenkt. Diese Eintrübung hat zusammen mit aggressiveren Stimulus-Maßnahmen der japanischen Notenbank und der Europäischen Zentralbank die durchschnittlichen Renditen von Papieren aus dem BofA Merrill Lynch Global Broad Market Index im Volumen von 48 Billionen Dollar erst in diesem Monat auf ein Rekordtief von 1,29 Prozent gedrückt. Derzeit liegt das Niveau bei 1,38 Prozent.
Ökonomen sagen, dass der Anleihenmarkt die Möglichkeit eines Renditeanstieges unterschätzt, insbesondere da die US-Notenbank Zinserhöhungen erwägt. Die Median-Schätzung in einer Umfrage von Bloomberg geht davon aus, dass die Fed die Zinsen heuer zweimal erhöht, während Händler die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in diesem Jahr bei etwa 60 Prozent sehen. (Bloomberg/red.)

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