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Vranitzky: "Borgen uns eine Rodel und gehen ins Hallenbad"

Altkanzler Franz Vranitzky
Altkanzler Franz VranitzkyAPA/ROBERT JAEGER
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Altkanzler Vranitzky hält eine Personaldiskussion in der SPÖ für nicht sinnvoll - Veränderungen dagegen für unbedingt notwendig. Den Bürgern müsse eine Strategie geboten werden, keine Schuldzuweisungen.

Gleich zweimal innerhalb weniger Stunden ist der frühere Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) ausgerückt, um seine Meinung über das „dramatisch schlechte Abschneiden“ des roten Präsidentschaftskandidaten Rudolf Hundstorfer (11,3 Prozent) in Worte zu fassen. Zuerst erklärte der gebürtige Wiener Montagabend im ORF-„Report“, er halte es für durchaus sinnvoll, den für Oktober angesetzten Parteitag der Sozialdemokraten vorzuziehen. Denn, Hundstorfers vierter Platz könnte die Partei in einen „Schwebezustand“ versetzen.

Wenige Stunden darauf, erläuterte er im Ö1-„Morgenjournal“, er wolle sich in Personalfragen nicht einmischen. Allerdings verstehe er, „dass langjährige und verdiente Mitglieder der SPÖ nicht zur Tagesordnung“ übergehen wollen. Wenn ein Wahlergebnis so drastisch ausfällt, sei es „nahezu natürlich, dass in einer immer noch großen Partei Stimmen laut werden, die personelle Veränderungen fordern“.

"Man steht nicht alleine auf der Wiese"

Geführt habe zum schwachen Ergebnis Hundstorfers, dessen Personenkomitee Vranitzky gemeinsam mit der früheren SPÖ-Spitzenpolitikerin Brigitte Ederer leitete, wohl eine „Mischung“. Konkret: „Jeder, der für so ein exponiertes Amt kandidiert, muss sich des Risikos bewusst sein, dass er so abschneidet oder so – Hundstorfer hat so abgeschnitten.“ Dabei hätte der 64-Jährige durchaus gute Voraussetzungen gehabt, um ein besseres Ergebnis einzufahren. „Er war ein erfolgreiches Regierungsmitglied, hat auf Gewerkschaftsebene seine Pluspunkte zu verzeichnen, er ist eine unantastbare Persönlichkeit, ist integer und klar im Ausdruck“, so Vranitzky. Aber: „Man steht ja nicht alleine auf der Wiese mit seinen Voraussetzungen.“

So habe etwa die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss aus dem politischen Nichts heraus knapp 20 Prozent erreicht. „Das ist schon eine beeindruckende und auch in gewisser Hinsicht eine bedenkliche Erscheinung“, kommentierte Vranitzky im ORF-Radio den dritten Platz der Juristin. „Das muss die zwei Regierungsparteien außerordentlich nachdenklich machen.“

"Ausgeprägte Anti-Regierungspartei-Propoganda"

Weitere Gründe für den schlechten vierten Platz Hundstorfers sieht Vranitzky in der nicht gerade rasenden Unterstützung des Kandidaten durch die Bundespartei und Gewerkschaft. Außerdem hätten sicher auch die Medien ihren Beitrag geleistet: „Es ist schon auch festzustellen, dass etwa in den Printmedien eine sehr ausgeprägte Anti-Regierungspartei-Propoganda betrieben wurde – nahezu ausnahmslos.“

Auf die Frage, ob es sich bei der Ankündigung, etwa von Bundeskanzler Werner Faymann, nun intensiver arbeiten zu wollen („Fürs Arbeiten sind wir gewählt und nicht fürs Streiten“, meinte er gestern Abend nach dem kurzfristig einberufenen SPÖ-Präsidium) nur um müde Beteuerungen handelt, meinte Vranitzky: „Ich habe festgestellt, dass gesagt wurde, in der SPÖ darf es so nicht weitergehen. Und dieser Tage höre ich: Wir machen so weiter wie bis jetzt. Was ist das jetzt? Wir borgen uns eine Rodel aus und gehen damit ins Hallenbad. Das ist keine Botschaft.“

Die Bürger würden sich jetzt keine ewig hingezogenen Nachinterpretationen und Schuldzuweisungen erwarten, sondern eine nach vorne gerichtete Strategie.

>>> Vranitzky im ORF-„Report“

>>> Bericht im Ö1-„Morgenjournal“

(hell)