US-Notenbanksitzung: Experten schließen Zinserhöhung aus

Die US-Notenbank Fed dürfte mit einer Fortsetzung der Ende 2015 begonnenen Normalisierung ihrer Zinspolitik weiter abwarten. Suche nach Hinweisen über Zeitpunkt.

Washington. Volkswirten zufolge dürfte sie den Leitzins am Mittwoch in einer Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent belassen. Am Finanzmarkt gilt eine Erhöhung - gemessen an der Bewertung bestimmter Finanzprodukte - sogar als ausgeschlossen.

"Spannender ist die Frage, ob die Währungshüter einen Wink geben, dass sie einen Schritt auf der Juni-Sitzung ernsthaft erwägen", schrieb Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank in einem Ausblick.

Die Fed hatte den Leitzins im Dezember erstmals nach der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise von einem Rekordtief angehoben, seither aber nicht mehr an der Zinsschraube gedreht. Konjunkturschwäche in Schwellenländern, Turbulenzen an den Finanzmärkten und nicht zuletzt eine Reihe enttäuschender Wirtschaftsdaten aus den USA hatten die Währungshüter vorsichtig gestimmt.

Mit der erwarteten weiteren Zurückhaltung reagiert die Fed nach Einschätzung der Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba auch auf ein zuletzt schwaches Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt der USA dürfte im ersten Quartal 2016 auf das Jahr hochgerechnet um lediglich knapp ein Prozent gestiegen sein, nach einem ebenfalls nur mäßigen Schlussviertel 2015, schrieb die Expertin.

Allerdings gab es Windt zufolge jüngst auch Anzeichen - etwa in Form einer Trendwende bei den Einkaufsmanagerindizes -, dass die US-Wirtschaft in den Frühlingsmonaten wieder an Schwung gewonnen hat. Folglich dürfte die Fed in den kommenden Monaten ihren Zinserhöhungskurs wieder aufnehmen. Mit einem klaren Bekenntnis sei in dieser Woche allerdings nicht zu rechnen. So ist im Anschluss an die Zinsentscheidung keine Pressekonferenz angekündigt.

Insgesamt dürfte sich die Kommunikation jedoch wieder in Richtung eines strafferen Kurses ändern, schrieben die Experten der BayernLB in einer Studie. Da die Fed die Erwartungen hin zu weiteren Zinsschritten im Jahr 2016 schüren möchte, wird sie wohl versuchen, einige Aussagen in diese Richtung in ihrem Kommentar zur Entscheidung unterzubringen.

Am Finanzmarkt wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Juni nur noch bei knapp 20 Prozent gesehen. Noch im März wurde einem Schritt bis Juni eine rund 50-prozentige Wahrscheinlichkeit eingeräumt. Laut dem Commerzbank-Experten Weidensteiner dürfte die Fed also mit einer gewissen "Anschärfung" der Kommunikation verhindern wollen, dass die Märkte jeglichen weiteren Zinsschritt abschreiben.

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