Schnellauswahl

Lesbos: Flüchtlinge wehren sich gegen Abschiebung in Türkei

REUTERS
  • Drucken
  • Kommentieren

Flüchtlinge attackierten den griechischen Migrationsminister mit Wasserflaschen. Die Ausschreitungen hielten über Stunden an. Erstmals seit dem EU-Türkei-Deal wurden auch Syrer zurück in die Türkei gebracht.

Im Aufnahmelager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist es zu stundenlangen Ausschreitungen zwischen Flüchtlingen und Polizisten gekommen. Die Schutzsuchenden protestierten gegen eine mögliche Ausweisung in die Türkei sowie die schlechten Lebensbedingungen. Mindestens zehn Menschen seien leicht verletzt worden, berichtete das Staatsradio.

Demnach konnten die Sicherheitskräfte erst Mittwoch früh wieder die Ordnung in dem Aufnahme- und Abschiebelager herstellen. Die Stimmung sei explosiv, berichteten Reporter vor Ort.

Tränengas gegen Demonstranten

Die Protestierenden bewarfen unter anderem den griechischen Migrationsminister Yannis Mouzalas mit Wasserflaschen und anderen Gegenständen. Einige zündeten Mistkübel an. Als einige Flüchtlinge versuchten auszubrechen und Steine warfen, setzten Sicherheitskräfte Tränengas ein.

Griechenland hatte am Mittwoch insgesamt 49 Personen in die Türkei abgeschoben. Grundlage dafür ist der EU-Flüchtlingspakt mit Ankara. Dieser sieht vor, dass alle ab dem 20. März illegal eingereisten Flüchtlinge von Griechenland in die Türkei zurückgeschickt werden. Insgesamt waren davon bisher 374 Personen betroffen.

Erste Rückführung syrischer Flüchtlinge

Erstmals seit Inkrafttreten des Deals sind am Mittwoch auch zwölf syrische Flüchtlinge von Lesbos in die Türkei zurückgeführt worden. Die Flüchtlinge hätten freiwillig eine von der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex gecharterten Maschine in Richtung türkischer Hafenstadt Adana bestiegen, hieß es. Zuvor waren bereits 374 Migranten aus anderen Staaten per Schiff in die Türkei zurückgeschickt worden.

Im improvisierten Camp in der griechischen Hafenstadt Piräus in der Nähe von Athen halten sich indes 2.680 Flüchtlinge auf, wie die Tageszeitung "Kathimerini" am Mittwoch unter Berufu5ng auf Behörden berichtete. In der Früh seien nur 27 Neuankünfte verzeichnet worden. Die Migranten kamen mit einer Fähre von den Ägäis-Inseln Chios und Lesbos. Die Behörden hatten sich dafür ausgesprochen, den Hafen von Piräus noch vor dem Ostertourismus - das griechische Osterfest wird am 1. Mai gefeiert - zu räumen.

(APA/dpa/red.)