Österreich bleibt ein Standbein der heimsichen Versicherungsgruppe Uniqa , "unsere Wachstumsregion ist aber eindeutig CEE". Aufholprozess der Region gegenüber Westeuropa geht weiter.
Wien. Die Uniqa Group will in den nächsten fünf Jahren ihre Prämieneinnahmen in Zentral- und Osteuropa um 5 bis 6 Prozent pro Jahr steigern. "Das Aufholpotenzial der Region ist nach wie vor sehr groß", sagte Wolfgang Kindl, CEO der Uniqa International, am Dienstagabend bei einem Pressegespräch in Wien. Auch das gesamtwirtschaftliche Umfeld in der CEE-Region sei derzeit sehr günstig.
Sowohl die Versicherungsdichte (Pro-Kopf-Prämie), als auch die Versicherungsdurchdringung (Verhältnis der Versicherungsprämien zum BIP) seien in Zentral- und Osteuropa im Verhältnis zu westlichen Ländern noch sehr gering, sagte Kindl. In Südosteuropa betrage die Höhe der pro Kopf und Jahr bezahlten Versicherungsprämien nur rund 120 Euro, in Albanien nur 36 Euro und in der Ukraine 30 Euro. In den zentraleuropäischen Ländern Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn sei man bereits bei etwa 360 Euro pro Kopf und Jahr - in Westeuropa aber bei über 2.100 Euro. Die UNIQA habe zwei Standbeine, Österreich und CEE, so Kindl, "unsere Wachstumsregion ist aber eindeutig CEE".
Die Uniqa International hat derzeit ein Prämienvolumen von rund 2,4 Mrd. Euro, mit fast 55 Mio. Euro habe man im Vorjahr das bisher beste Ergebnis erzielt, sagte Kindl. "In diesen 55 Millionen ist bereits eine Abschreibung in der Ukraine in einer Größenordnung von rund 13 Millionen enthalten." Dabei habe man in der Ukraine im vergangenen Jahr ein positives Geschäftsergebnis von 12 Mio. Euro verzeichnet, "das beste, das wir je hatten". UNIQA International hat 6.500 Mitarbeiter und 6,5 Millionen Kunden, davon sind 6 Millionen in Zentral- und Südosteuropa. Im Gesamtkonzern hat die UNIQA 10 Millionen Kunden.
Prämienanteil soll sich verzehnfachen
Der Prämienanteil der Märkte in Zentral- und Osteuropa habe sich innerhalb von zehn Jahren von 2 Prozent auf fast 20 Prozent erhöht, berichtete Kindl. Das Prämienvolumen der Uniqa in diesen Ländern sei seit 2010 um 18 Prozent gestiegen. Damit sei man zwar hinter den Erwartungen geblieben - prognostiziert war für den Markt ein Plus von 38 Prozent -, aber man habe sich auch deutlich besser entwickelt als der Gesamtmarkt, der seit 2010 um 4 Prozent geschrumpft sei.
Jedenfalls werde der wirtschaftliche Aufholprozess Zentral- und Osteuropas weitergehen, ist man bei der Uniqa überzeugt, die in 15 Ländern der Region präsent ist: Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Serbien, Kosovo, Montenegro, Albanien, Bulgarien, Mazedonien, Rumänien, Russland und Ukraine. Derzeit mache etwa das BIP pro Kopf in Polen mit knapp über 10.000 Euro nur etwa ein Viertel des österreichischen aus, das Wachstumspotenzial der polnischen Wirtschaft sei aber mit über 3 Prozent doppelt so hoch wie jenes der Eurozone.
Wirtschaftswachstum treibt Prämienwachstum
Und von dem Aufholprozess in der Region werde man profitieren, sagte Kindl. "Das Wachstum der Versicherungsprämien verläuft überproportional zum Wirtschaftswachstum. Ein zusätzliches Prozent Wirtschaftswachstum in Osteuropa bringt uns ein Prämienwachstum von in etwa dem Doppelten." Das bedeute nicht, dass man in jedem Jahr ein so hohes Prämienwachstum haben werde, aber "in der längerfristigen Perspektive und im Durchschnitt". "Wir verdoppeln uns circa alle zwölf Jahre bei den Prämien", sagte Uniqa-Kapitalmarktexperte Martin Ertl.
Das allgemeine wirtschaftliche Umfeld der Region sei derzeit günstig. Die Arbeitslosigkeit in der ganzen Region sinke und werde in Mitteleuropa (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn) heuer im Schnitt auf 6,7 Prozent fallen. Sogar in Kroatien sei nach sechs Jahren Rezession die Arbeitslosigkeit zuletzt gesunken. Gleichzeitig würden dank einer sehr niedrigen Inflation die Reallöhne steigen. Beides sollte sich auf das Prämienwachstum positiv auswirken. Dazu kämen relativ gesunde Budgets und niedrige Staatsschulden.