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Noch ein Job für Alfred Gusenbauer

Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer hat (wieder) einen neuen Job: Er berät den spanischen Baukonzern FCC. Er bekommt ein Aufsichtsratsmandat bei FCC und bei deren Österreich-Tochter Alpine.

Das Restaurant „O'Pazo" in der Calle Reina Mercedes in Madrid: Hier lässt es sich wirklich vortrefflich speisen, das Lokal gilt als eines der besten Fischrestaurants des Landes. Nicht unbedingt wohlfeil, aber das ist für die illustre Runde, die sich am 8. Juli hier eingefunden hat, wirklich kein Thema.

Niemand Geringerer als Esther Koplowitz hat zum Mittagessen eingeladen, große Ehre. In der spanischen High Society zählt sie zu den schillerndsten Persönlichkeiten, die Hochglanzblätter beten sie förmlich an: Sie ist attraktiv, sie ist Aristokratin, und sie ist beruflich auch noch ziemlich erfolgreich - und mächtig. Koplowitz ist Großaktionärin des spanischen Baukonzerns Fomento de Construcciones y Contratas (FCC).
Und wer sind Koplowitz' Gäste an jenem Mittwoch? Anwesende im Restaurant erkennen Baldomero Falcones Jaquotot, den Chef des Baukonzerns. Aber die anderen drei?

Es sind Österreicher. Der eine ist der frühere SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Der andere ist Dietmar Aluta-Oltyan, langjähriger Chef des Salzburger Baukonzerns Alpine. Er wird von seinem Vertrauten Willi Berner, einst Kabinettschef im Infrastrukturministerium, begleitet.

"Statthalter" für die Spanier

Die Runde hat ordentlich etwas zu feiern. Alfred Gusenbauer hat nämlich gerade einen ziemlich lukrativen Job übernommen: Er wird in den Aufsichtsrat der österreichischen Alpine Holding einziehen - quasi als „Statthalter" für die Spanier. FCC hat ja im Sommer 2006 rund 80 Prozent an der Alpine erworben. Gusenbauer soll mit seinen hervorragenden Verbindungen zu allem, was in Osteuropa Rang und Namen hat, beratend zur Seite stehen.

Ein durchaus feiner, weil honoriger Job. An jenem Mittwoch im „O'Pazo" soll es für den Ex-Bundeskanzler aber noch einen Dreh feiner werden: Koplowitz schlägt nämlich spontan vor, dass Gusenbauer auch ein Aufsichtsratsmandat bei FCC übernimmt. Und der nimmt freudig an.
Womit es quasi amtlich ist: Koplowitz hält große Stücke auf Gusenbauer.

Das wiederum ist das Ergebnis einer Bekanntschaft, die vor etwas mehr als einem Jahr begann. Gusenbauer war damals noch Bundeskanzler - freilich mit bedrohlich näher rückendem Ablaufdatum. Was man nicht zuletzt auch daran erkennen konnte, dass allerorts über seine weitere berufliche Laufbahn spekuliert wurde.

Im Vorjahr eingefädelt

„Die Presse" berichtete damals - zum Erstaunen aller - von einem Job für Gusenbauer in der Bauwirtschaft. Bei der spanischen FCC bahne sich etwas an. Und so war es auch: Aluta-Oltyan hatte im vergangenen Jahr ein erstes Treffen zwischen Koplowitz und Gusenbauer eingefädelt - und die Sache ging „voll auf": Koplowitz war vom Noch-Bundeskanzler regelrecht begeistert. Seine guten Kontakte nach Osteuropa beeindruckten die Unternehmerin, vor allem aber seine einwandfreien Spanischkenntnisse.

Seitdem hat es mehrere Treffen dieser Art gegeben - mal flog Gusenbauer nach Madrid, mal reiste Koplowitz nach Österreich. In den vergangenen Monaten hat Gusenbauer dem Konzern auch schon als Türöffner gedient. Erst vor wenigen Tagen hat die Alpine als erstes europäisches Unternehmen einen Konzessionsvertrag für den Bau der Autobahnstrecke Moskau - St. Petersburg unterzeichnet - angeblich ist der Deal mit tatkräftiger Unterstützung Gusenbauers zustande gekommen.

Aluta-Oltyan, der die restlichen 20 Prozent an der Alpine hält, kann sich also nach seinem gelungenem Gusenbauer-Coup zufrieden zurücklehnen: Für die Bauwirtschaft liegt das große Geschäft bekanntlich in Osteuropa - und dank Gusenbauers Umtriebigkeit in der Region gewinnt die Alpine im FCC-Konzern deutlich an Gewicht.

Jobregen über den Ex-Kanzler

Alfred Gusenbauer kann sich natürlich auch nicht beklagen. Im vergangenen Jahr noch in Ungnade gefallener Bundeskanzler - heute kann er sich der vielen Jobs gar nicht erwehren: Im Jänner 2009 startete er als Europareferent der Arbeiterkammer Niederösterreich. Den Job hat er allerdings mittlerweile wieder aufgegeben, aus zeitlichen Gründen: Seit Februar unterrichtet er an der Brown University, einer US-Elite-Universität. Seit März ist er Chef des Beirats des Immobilienentwicklers Signa, der von seinem Freund René Benko geführt wird. Und seit einem Monat ist Gusenbauer auch noch Südosteuropa-Berater der deutschen WAZ-Mediengruppe.

Der neue FCC-Job gilt aber als besonders prestigeträchtig. FCC ist einer der führenden Bau- und Dienstleistungskonzerne Spaniens, ist börsenotiert, zählt weltweit 70.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 14 Milliarden Euro.

Da kann sich Alfred Gusenbauer also erhobenen Hauptes in die Reihe anderer ehemaliger europäischer Regierungschefs einreihen: Der ehemalige spanische Ministerpräsident José Maria Aznar etwa berät die britische Hedge-Fonds-Gesellschaft Centaurus Capital. Der frühere deutsche Kanzler Gerhard Schröder ist Aufsichtsratschef des russischen Pipeline-Konsortiums NEGP. Und Großbritanniens Tony Blair berät die Investmentbank JP Morgan. Angeblich bekommt er für den Teilzeitjob pro Jahr eine Million Dollar auf die Hand.

Gusenbauers FCC-Salär wird wohl auch nicht zu knausrig ausfallen - die Höhe bleibt allerdings leider ein Geheimnis. Der Exkanzler lässt der „Presse" bloß ausrichten, dass er den neuen Job angenommen hat. Kommende Woche, am Mittwoch, sei „Dienstantritt": Der ehemalige Bundeskanzler wird in Salzburg an der ersten Alpine-Aufsichtsratssitzung teilnehmen.

(Die Presse, Printausgabe, 25. 6. 2009)

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