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Neuer ifo-Chef will mit radikaler Idee Euro-Schuldenkrise lösen

Amtsübergabe: Clemens Fuest mit Hans-Werner Sinn
Clemens Fuest mit Hans-Werner Sinnimago/Sven Simon
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Clemens Fuest trat am Donnerstag offiziell die Nachfolge von Hans-Werner Sinn an und ließ gleich aufhorchen. Er schlägt nachrangige Staatsanleihen für hoch verschuldete Euroländer vor.

Nun ist das Münchner ifo-Institut also offiziell in neuen Händen: Der Ökonom Clemens Fuest hat am Donnerstag den Vorsitz von Medienliebling Hans-Werner Sinn übernommen. Und es scheint so, als würde man auch von Fuest öfter zu hören bekommen. Gleich zum Amtsantritt lässt er bereits mit einer radikalen Idee aufhorchen: Fuest will die Euro-Schuldenkrise mithilfe von nachrangigen Staatsanleihen lösen, berichten deutsche Medien.

Verschuldung und Defizit in der EU(c) APA

Aus der Bankenwelt sind nachrangige Anleihen bereits bekannt. Das Prinzip: Die Investoren erhalten zwar höhere Zinsen, bei einer Insolvenz werden sie aber erst nach allen anderen Gläubigern bedient. Aktuelles Beispiel: die Hypo-Abbaubank Heta.

Revolutionär ist Fuests Vorschlag deshalb, weil das Prinzip auf Staaten noch nie angewandt wurde. Die Idee dahinter: Verletzt ein Land bestimmte Regeln, sollte es nur noch nachrangige Staatsanleihen ausgeben können. Fuest zufolge würden die Anleihen wie Strafkredite wirken, da die Staaten dafür hohe Zinsen zahlen müssen. Außerdem, meint der Ökonom, wäre es ab einem gewissen Punkt nicht mehr einfach, Investoren zu finden. Die EZB darf nämlich nach Fuests Modell keine nachrangigen Anleihen kaufen.

Die nachrangigen Staatsanleihen sollen ab einer Neuverschuldung von 0,5 Prozent ausgegeben werden. Bei einer Staatsschuldenquote von 120 Prozent sollten dann die Zinszahlungen ganz ausfallen. Das wäre derzeit zum Beispiel bei Italien (132,7 Prozent) so. Wenn ein Land den ESM-Rettungsschirm beanspruche, fielen die Anleihen ganz aus.

"Gefährdung der Eurozone"

Durch sein Modell wäre es "für die Staaten der Eurozone deutlich schwerer und teuer, Vorgaben zu übertreten oder zu ignorieren", zitiert die deutsche Nachrichtenagentur "dpa" den neuen ifo-Chef. Das sei nötig, denn in Frankreich, Italien, Spanien oder Portugal stiegen die Defizite wieder. Fuest: "Ich halte diese Entwicklung für eine Gefährdung der Eurozone".

(sk)