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Olympia: ÖSV-Biathleten dürfen in Vancouver starten

(c) Reuters (Alessandro Bianchi)
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Hinter den Kulissen einigten sich Skiverband und Österreichisches Olympisches Comité, dass die Biathleten zu den Spielen nach Kanada entsendet werden. Mit dabei sind auch in die Turin-Affäre involvierte Betreuer.

WIEN. Mitten im Hochsommer feiert der Österreichische Skiverband (ÖSV) seinen ersten wichtigen Saisonsieg. Die geschlagenen Gegner kommen allerdings nicht aus der Schweiz, Norwegen oder Italien. Sie sind aus dem eigenen Land und sitzen im Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC). Das ÖOC, so erfuhr „Die Presse“ am Freitag aus Verhandlungskreisen, hebt die Sperre gegen Biathlon-Direktor Markus Gandler und andere Betreuer auf. Damit steht einer Entsendung des erfolgreichen Biathlon-Teams zu den olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver nichts mehr im Weg. Die Entscheidung soll offiziell bei einer ÖOC-Sitzung nächsten Mittwoch bekannt gegeben werden.

Welche Deals zu diesem Ergebnis führten, wird am Mittwoch wohl nicht im Detail erläutert werden. Fest steht: Der Sieger des erbitterten Machtkampfs hinter den Kulissen heißt Peter Schröcksnadel. Der ÖSV-Präsident hat somit auch vom ÖOC schwarz auf weiß, was er seit dem Dopingskandal bei den Spielen 2006 in Turin immer wieder gebetsmühlenartig betont. „Es gibt keine Dopingstrukturen im ÖSV.“

Zur Erinnerung: Am Abend des 18. Februar 2006 stürmte eine Spezialeinheit der Carabinieri die Mannschaftsquartiere der Biathleten und Langläufer in Pragelato und San Sicario. Bei den Athleten wurden Bluttransfusionsgeräte sichergestellt. Die Folgen des Skandals: Mehrere Sportler wurden vom Internationalen Olympischen Comité und vom Internationalen Skiverband (FIS) gesperrt. Gegen den Betreuerstab gab es hingegen nur Sanktionen seitens des ÖOC.

Dagegen lief Schröcksnadel seit Monaten Sturm. Ohne Betreuerteam werde der ÖSV auch keine Athleten entsenden, erklärte er im Winter und forderte eine Entscheidung bis Sommer. Schließlich müssen in Vancouver Quartiere bestellt werden, argumentierte er.

Schröcksnadels größter Trumpf in dem Machtpoker waren die tollen Erfolge der Biathleten in der abgelaufenen Saison: Dominik Landertinger eroberte bei der WM im südkoreanischen Pyeongchang Gold, Christoph Sumann und die Staffel schafften Silber.

In Anbetracht derart großer Medaillenhoffnungen sind auch erbitterte Dopinggegner wie Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) bereit, an das Gute zu glauben. Nämlich: dass all die Betreuer in Turin nichts vom verdächtigen Treiben ihrer Schützlinge gewusst haben.

Im Frühjahr trafen Darabos und Schröcksnadel sogar mit IOC-Vertretern zusammen. Ziel der heiklen Mission: abzuklären, ob den Biathlon-Betreuern seitens des IOC noch Probleme drohen. Schließlich will man sich bei den Spielen im kommenden Februar eine neuerliche Razzia tunlichst ersparen. Das IOC gab grünes Licht.

Darabos' Interesse an einem Start der Biathleten ist nicht ganz uneigennützig. Biathlon gilt als militärischer Paradesport. Jeder zweite Athlet ist zudem Heeressportler. Im Falle eines Medaillen-Regens stünde Darabos auch als Verteidigungsminister an vorderster medialer Front.

 

Zugeständnisse ans ÖOC?

Bleibt die Frage: Mit welchen Argumenten konnte ÖOC-Präsident Leo Wallner nun doch zum Einlenken bewegt werden?

Immerhin geht es kommenden Mittwoch nicht nur um rein sportliche Agenden. Bei der ÖOC-Sitzung steht auch der Bericht des Wirtschaftsprüfers auf der Tagesordnung. Die Prüfung war auf Betreiben von Darabos angesetzt worden. Denn rund um die Finanzen des ÖOC gab es zuletzt große Ungereimtheiten. Möglicherweise wird sich nun auch dieser Streit in Wohlgefallen auflösen, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Heikel ist die Aufhebung der ÖOC-Sperre aber auch aus einem anderen Grund: Die Affäre von Turin hat im Herbst in Italien ein gerichtliches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft von Susa hat zehn Personen angeklagt. Unter ihnen sind auch ÖSV-Präsident Schröcksnadel und Biathlon-Direktor Gandler. Sollten sie wider Erwarten verurteilt werden, wäre dies für den ÖOC äußerst peinlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2009)