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Aleppo: Trotz Waffenstillstands 200 Tote in einer Woche

Nach einem Luftangriff auf Aleppo suchen die Menschen in den Trümmern nach Überlebenden.
Nach einem Luftangriff auf Aleppo suchen die Menschen in den Trümmern nach Überlebenden.APA/AFP/AMEER ALHALBI
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UN-Generalsekretär Ban nannte den Angriff auf ein Spital von Ärzte ohne Grenzen "unentschuldbar". USA und Russland vereinbaren "Regime der Stille".

"Regime der Stille". Das ist die Antwort Russlands und der USA auf die jüngst wieder aufflammenden Bombardements und Kämpfe in Syrien. Besonders betroffen ist die Stadt Aleppo im Norden Syriens: Trotz der offiziell noch geltenden Waffenruhe sind innerhalb einer Woche laut Aktivisten mehr als 200 Menschen getötet worden.

Rund 130 Opfer seien in Rebellengebieten durch Luftangriffe sowie Beschuss durch das syrische Regime getötet worden, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Etwa 70 Menschen starben demnach durch Angriffe von Rebellen auf Gebiete unter Kontrolle der Regierung.

Was das "Regime der Stille" konkret bedeutet, blieb zunächst unklar. Es solle für die Vororte der Hauptstadt Damaskus und einige Teile von Latakia gelten, meldete RIA unter Berufung auf Diplomatenkreise am Freitag. Die Agentur Tass berichtete, das Abkommen solle auch für Aleppo gelten. Die von den USA und Russland initiierte Vereinbarung soll laut RIA im Gebiet Damaskus ab Samstag 00.00 Uhr für 24 Stunden und in Latakia 72 Stunden gelten. Beide Staaten würden als Garanten der Übereinkunft wirken.

Blindwütige Bombardements

Nach der Bombardierung eines Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen herrschte am Freitag eine gespannte Ruhe in Aleppo. Allein bei den Luftangriffen auf das Spital in einem Rebellengebiet waren am Mittwochabend laut Rettungshelfern mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Die Opposition macht dafür das syrische Militär verantwortlich, das den Vorwurf zurückwies.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Angriff scharf verurteilt. Es sei "unentschuldbar", mit solchen Angriffen Zivilisten ins Visier zu nehmen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Ban klagte, es habe in Syrien unlängst wieder "blindwütige Bombardierungen durch Kräfte der Regierung und der Opposition" gegeben.

Kerry: Russland soll Einfluss geltend machen

US-Außenminister John Kerry macht Russland mitschuld an der jüngsten Eskalation. Die Truppen der von Russland unterstützten Regierung von Baschar al-Assad griffen "offenbar absichtlich medizinische Einrichtungen" an, erklärte Kerry in Washington. Die Attacke auf das Krankenhaus in Aleppo sei "empörend", kritisierte er. "Russland hat eine dringende Verantwortung, Druck auf das Regime auszuüben." Das militärische Vorgehen der Regierungstruppen in Aleppo verstoße gegen die Vereinbarungen des Waffenstillstands.

Eigentlich gilt seit Ende Februar eine Feuerpause zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Von ihr ausgenommen sind Angriffe auf islamistische Extremisten. Trotz wiederholter Verletzungen hielt die Waffenruhe prinzipiell bislang, doch droht sie nun zu scheitern. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura forderte in der Nacht auf Donnerstag in Genf, die Waffenruhe "dringend wiederzubeleben", bevor im Mai die nächste Runde der Friedensgespräche beginne.

(APA/AFP/dpa)