Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer äußert Zweifel an der Eigenständigkeit des Sportwagenbauers Porsche im VW-Konzern. Der strategischen Entscheidungen würden in der VW-Zentrale in Wolfsburg fallen.
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet nach der Porsche-Übernahme durch VW mittel- und langfristig mit Jobabbau bei dem Stuttgarter Sportwagenbauer. In einem Interview der "Pforzheimer Zeitung" (Samstag) sagte Dudenhöffer: "Die Doppelfunktionen werden im Konzern wegfallen und damit auch Arbeitsplätze. Nach meiner Einschätzung zwischen zehn und 20 Prozent."
"Porsche ist zehnte Konzernmarke bei VW"
Das werde allerdings nicht sofort und sozialverträglich geschehen. "Es werden beispielsweise Verträge auslaufen und nicht mehr erneuert", sagte der Experte voraus. Auch könnten die Ersatzteilversorgung, das Produktionssystem und die Entwicklung angeglichen werden. "Wer etwas anderes behauptet, hat sich noch nie angesehen, wie eine Übernahme von einem Unternehmen funktioniert", betonte Dudenhöffer.
Zweifel äußerte er an der Eigenständigkeit von Porsche im VW- Konzern. "Porsche ist die zehnte Konzernmarke bei VW". VW werde künftig das Sagen haben. "Es sieht ganz klar so aus, dass die strategischen Entscheidungen in Wolfsburg fallen", meinte Dudenhöffer.
Streit um "VW-Gesetz" schwelt weiter
Indes hat die geplante Verschmelzung von Volkswagen und Porsche auch die Debatte über das sogenannte VW-Gesetz neu entfacht. Der CDU-Europaabgeordnete Klaus-Heiner Lehne forderte die EU-Kommission in der "Berliner Zeitung" vom Freitag auf, gegen das Gesetz vorzugehen, das dem Land Niedersachsen bei Volkswagen Sonderrechte einräumt. Lehne sagte, es gebe "keinen Grund, ein Unternehmen auf diese Weise zu privilegieren".
Der EuGH hatte das Gesetz 2007 für unvereinbar mit EU-Recht erklärt, da es den freien Kapitalverkehr einschränke und eine feindliche Übernahme unmöglich mache.
Die deutsche Regierung überarbeitete das Gesetz 2008, behielt aber die umstrittene 20-prozentige Sperrminorität statt der üblichen 25-Prozent-Schwelle bei.
Davon profitiert bisher Niedersachsen, was Folgen hatte für den Übernahmepoker zwischen VW und Porsche, in den Niedersachsens Regierung massiv eingriff.
Die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) werde offenbar aus politischen Gründen verschleppt. Aus der EU-Kommission hieß es am Freitag in Brüssel, die Neufassung des Gesetzes werde weiterhin geprüft. Mehrmonatige Prüfungen seien in einem solchen Fall "nicht unüblich".
"Barroso hat es verschleppt, um wiedergewählt zu werden"
Die deutsche SPD-Justizministerin Brigitte Zypries wies die Kritik Lehnes zurück. Das VW-Gesetz stehe "in Einklang mit Europarecht". Offenbar teile die Kommission diese Auffassung, sonst hätte sie das Verfahren vor dem EuGH weiter betrieben. Die Kommission hatte zunächst auch gegen die Neufassung Bedenken angemeldet, aber noch keine neue Klage vor dem Gericht erhoben.
Manche Experten gehen davon aus, dass EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso vor der Bildung einer neuen Kommission keinen Konflikt mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) riskieren will. "Barroso hat es verschleppt, weil er wiedergewählt werden will", sagte Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Dabei habe das Gesetz durch die Fusion "an Brisanz gewonnen". Denn es schütze jetzt einen klaren Marktführer im Premiumsegment - zum VW-Konzern gehören unter anderem Lamborghini, Bentley und Bugatti.
Wiedeking sollte 140 Mio. erhalten
Weiters wurde am Freitag bekannt, dass die Familie Porsche Ex-Firmenchef Wendelin Wiedeking nach Angaben von dessen Anwalt zunächst 140 Mio. Euro Abfindung geboten haben soll. Porsche-Erbe Wolfgang Porsche habe Wiedeking die Summe vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats schriftlich zugesichert, erklärte Wiedeking-Anwalt Jobst-Hubertus Bauer am Freitag in Stuttgart. Bauer wies darauf hin, dass sich aus dem Arbeitsvertrag von Wiedeking eine noch höhere Abfindung ergeben hätte.
Bei der Aufsichtsratssitzung in der Nacht zum Donnerstag, die den Rücktritt von Wiedeking besiegelte, habe es allerdings keine Mehrheit für die Abfindung von 140 Mio. Euro gegeben. Wolfgang Porsche habe das Angebot daraufhin zurückgezogen und Wiedeking eine Abfindung in Höhe von 50 Mio. Euro geboten. Diese habe Wiedeking akzeptiert. Der scheidende Porsche-Chef habe selbst niemals eine Forderung in irgendeiner Höhe gestellt.
Höchste Abfindung in deutscher Wirtschafsgeschichte
Die Abfindung von 50 Mio. Euro für Wiedeking ist immer noch die höchste, die jemals in der deutschen Wirtschaftsgeschichte gezahlt wurde. Wiedeking war bis zu seinem Ausscheiden dank einer Gewinnbeteiligungs-Klausel in seinem Vertrag auch der Top-Verdiener unter Deutschlands Managern gewesen. Die Hälfte von Wiedekings Abfindung fließt in eine Stiftung zugunsten der Porsche-Mitarbeiter.
(Ag.)