Schnellauswahl

Der eine umwirbt Bürgerliche, der andere „das Volk“

BP-WAHL: PRAeSENTATION AKTUELLER PLAKATE DES FPOe-BUNDESPRAeSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN NORBERT HOFER FUeR DIE STICHWAHL
Die FPÖ präsentierte gestern ihre Stichwahlkampagne.APA/HERBERT NEUBAUER

Van der Bellen wird nun als Bewahrer des Wirtschaftsstandorts inszeniert, Hofer als „einer von uns“.

Wien. „Ich habe keine Wahlempfehlung für Alexander Van der Bellen abgegeben und werde das auch nicht tun“, sagt Irmgard Griss im Gespräch mit der „Presse“. Sie werde auch nicht sagen, ob sie selbst Alexander Van der Bellen wähle oder nicht.

„Griss deklariert sich für Van der Bellen“ hatte die Austria Presse Agentur davor getitelt. Griss hält allerdings fest: Sie habe am Vorabend in der Sendung „Talk im Hangar 7“ auf Servus TV lediglich gesagt, dass sie „für ein weltoffenes Österreich, für konstruktive Mitarbeit in der EU, für eine tolerante und offene Gesellschaft, gegen Angstmacherei, gegen Abschottung“ eintrete. Den Hinweis, dass auch Van der Bellen dafür eintrete, habe sie bejaht. Das heiße aber nicht, dass sie nun eine Empfehlung für ihn abgebe. Ihr sei wichtig, dass diese Werte nun nicht nur wortreich im Wahlkampf transportiert, sondern auch gelebt werden.

Also eine Art Nullsummenspiel für Alexander Van der Bellen. Hinter den Kulissen hat das Werben um potenzielle Unterstützer für die Stichwahl jedenfalls voll eingesetzt. Vor allem das Team Alexander Van der Bellens setzt auf Prominente aller Lager, um den Vorsprung Norbert Hofers aus dem ersten Wahldurchgang wettzumachen. Und da wäre die bürgerlich-liberale Unabhängige Irmgard Griss, die immerhin 18 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen konnte, natürlich ein Coup gewesen.

 

Ferry Maier für Van der Bellen

Aus dem konservativen Lager hat sich der ehemalige EU-Kommissar der ÖVP, Franz Fischler, bereits für Alexander Van der Bellen deklariert, ebenso der frühere Justizsprecher der ÖVP Michael Ikrath. Und gegenüber der „Presse“ outet sich nun auch Ferry Maier, der frühere ÖVP-Generalsekretär und Raiffeisen-Banker, als Van-der-Bellen-Unterstützer: „Mir ist die Vertretung nach außen wichtig und die Kontakte im Sinne der Wirtschaft. Diese Aufgaben bestmöglich zu erfüllen, traue ich am ehesten Van der Bellen zu.“

Die FPÖ wiederum verzichtet auf ein Promi-Komitee. Möglicherweise auch mangels Prominenter. „Es gibt schon welche, aber denen wollen wir nicht schaden“, sagt ein Freiheitlicher. Oder in den Worten von FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl: Die selbst ernannten Eliten würden glauben, „ihre Stimmen haben mehr Gewicht als die Masse der Menschen“. Solche Stimmen seien aber der wahre Rand der Gesellschaft.

Und ein wenig in Wir-sind-das-Volk-Manier ist nun auch die Stichwahlkampagne der Freiheitlichen gehalten: „Das Recht geht vom Volk aus“ steht auf einem der Plakatsujets, die gestern präsentiert wurden. „Die Stimme der Vernunft“ auf dem anderen. Schon bei der Abschlussveranstaltung der FPÖ auf dem Wiener Stephansplatz vor der Wahl am vorigen Sonntag hatte Norbert Hofer angekündigt, dass er als Bundespräsident kein Bild von sich in den Klassenzimmern haben möchte, sondern lieber eine Tafel mit den einleitenden Worten der Bundesverfassung: „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“

Sehr zufrieden ist man bei den Grünen mit dem derzeitigen Zulauf an Unterstützern. Nach und nach will man diese nun publik machen, einige will man sich auch noch für das Finale aufbehalten. Da vor allem die bürgerlichen Wähler von Irmgard Griss und Andreas Khol essenziell für ein Gelingen der Van-der-Bellen-Kampagne sind, werden unterstützende Unternehmer noch besonders hervorgehoben. Politiker und Künstler links der Mitte hat Van der Bellen sowieso.

In diese Richtung geht auch der Fokus der Kampagne: Dieser richtet sich auf das Bild Österreichs im Ausland, die damit einhergehende Sicherung des Wirtschaftsstandorts und der damit verbundenen Arbeitsplätze. Van der Bellen, der angesehene Wirtschaftsprofessor, soll als Bewahrer des einen wie der anderen inszeniert werden. Hofer als derjenige, der als Vertreter einer rechtspopulistischen Partei den guten Ruf Österreichs in der Welt aufs Spiel setzen könnte, was ganz sicher nicht im Sinne der exportorientierten Wirtschaft wäre.

Und was macht die FPÖ? Weiter wie bisher – wenn auch vom Programm her reduzierter. Der Kandidat ist nach vier Monaten Wahlkampf schon einigermaßen am Limit. Eine große Ländertour ist nicht mehr geplant, zumal der Dritte Nationalratspräsident auch noch etliche Plenartage zu absolvieren hat.

 

Hofer, die „Stimme der Vernunft“

Sonst verlässt man sich auch auf den Zeitgeist: Die Unzufriedenheit mit der Regierung kommt ohnehin eher Hofer zugute, der Stimmung in Bezug auf die Flüchtlingskrise wird mit dem Slogan „Die Stimme der Vernunft“ Rechnung getragen.

Norbert Hofer wird als „einer von uns“ dargestellt. Schon Rudolf Hundstorfer war damit in den Wahlkampf gegangen, hat allerdings Schiffbruch erlitten. Einem freiheitlichen Anti-Establishment-Kandidaten nimmt man das aber wohl eher ab. [ Foto: Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2016)