"Ewig": Am End' is olles umasunst

Gerd Schilddorfer und David Weiss
Gerd Schilddorfer und David Weiss(c) Julia Stix
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Es gibt genug Rätselhaftes in der österreichischen Geschichte – zwei Autoren machen sich daran, daraus Krimis zu konstruieren. Erster Stopp: Friedrich III. und sein Geheimnis.

Seinen Namen wollen die beiden nicht einmal in den Mund nehmen. Und die Frage, ob es ihr Buch auch ohne Dan Brown geben würde, bejahen Gerd Schilddorfer und David Weiss vehement. Und doch erinnert ihr Krimi „Ewig“ frappant an das Muster, das den Amerikaner reich und berühmt gemacht hat. Mörderischer Klerus, abenteuerlich konstruierte Verwandtschaftsverhältnisse, Symbolismus, der nicht einmal vor Parfums haltmacht (wer „Ange ou démon“ aufträgt, kann demnach kein guter Mensch sein).

Einen Unterschied gibt es aber: Diese Schnitzeljagd spielt in Wien. „Wir wollten einfach diese anglikanische Oberhoheit brechen“, sagt Weiss. „Wenn man sich anschaut, wie alt das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ist und wie jung diese ganzen Geheimnisse sind, die es jetzt so am Buchmarkt gibt, war es hoch an der Zeit, einmal vor die eigene Haustür zu schauen und diese historische Amnesie aufzulösen. Wien war immerhin 670 Jahre lang das Zentrum des Reichs, es gibt bei uns so viele faszinierende historische Persönlichkeiten, die unter den Tisch fallen.“


Reichserzschlafmütze Friedrich III. Wie zum Beispiel Kaiser Friedrich III. „Der ist eigentlich wenig bekannt. Er wird immer als Reichserzschlafmütze bezeichnet, aber man darf den nicht unterschätzen. Man liest immer, er war als Bauherr so zurückhaltend, aber allein über vier Städte stolpert man in Österreich, die er ausbauen hat lassen. Er war ein introvertierter Intellektueller, der erkannt hat, dass man Kriege auch verlieren kann.“ Und für einen mysteriösen Krimi erweist sich Friedrich allemal als geeignet, ist er doch der einzige österreichische Kaiser, dessen Leichnam spurlos verschwunden ist.

Im Mittelpunkt des Thrillers steht also, unter anderem, Friedrich III. beziehungsweise seine fünf liebsten Buchstaben: AEIOU. Eigentlich hatten die beiden – Weiss ist Kulturanthropologe und Schilddorfer Journalist – ja an einem Buch über die Weltumseglung der Fregatte Novara geschrieben. „Das wird sicher ein wunderschönes Buch“, so Schilddorfer, „aber wie viele Schiffbegeisterte gibt es?“ Rätselbegeisterte gibt es jedenfalls mehr. Deswegen machten sich die zwei auf die Suche nach einem publikumswirksamen Geheimnis. „AEIOU ist sicher das größte Geheimnis der österreichischen Geschichte. Oder kennen Sie ein größeres? 500 Jahre lang hat das keiner entschlüsselt!“


„Ewig“-Führungen durch Wien wünschenswert. An die 200 mögliche Erklärungen gibt es für die Buchstabenfolge, die Geheimschriftenfan Friedrich III. auf allerlei Gebäuden zu hinterlassen beliebte. Von „Alles Erdreich ist Österreich untertan“ bis „Am End ist ollas umasunst“.

Im Buch liegt die erste Leiche nun unter einer dieser Inschriften, in der ältesten Kirche Wiens, der Ruprechtskirche. Sie markiert den Startschuss für die blutige, aber auch reichlich geschwätzige Jagd nach Friedrichs Geheimnis, auf die die Protagonisten, überraschenderweise ein Wissenschaftler und ein Reporter, geschickt werden. Dabei finden die beiden auch heraus, dass es in der Wiener Innenstadt ein „Drachenviereck“ gibt: Vier Kirchen nämlich befinden sich im Radius von 664 Metern um die Ruprechtskirche. Das hat bis jetzt noch niemand herausgefunden, sagen Schilddorfer und Weiss.

Bei der Recherche bemühten sich die beiden um Sorgfalt: „Ich habe mich so oft geärgert bei verschiedenen internationalen Thrillern, dass die Hinweise nicht stimmen, dass die Engel so hingelegt werden, wie man es gerade braucht“, sagt Schilddorfer. „Wir haben in jeder Kirche alles überprüft. Bei uns kann man mit dem Buch in der Hand durch Wien gehen und alles wiederfinden.“

Und geht es nach Schilddorfer und Weiss, wird das auch passieren. Denn „Ewig“-Führungen durch Wien können sich die beiden durchaus vorstellen. Sie überlegen schon, wie sie sich da die Rechte sichern können. Ach, und ein „Buch zum Buch“ ist auch schon fertig. Die nächsten zwei Bücher sind in Planung. Und natürlich der Film. Also gar nicht so wie bei Dan Brown.

Gerd Schilddorfer, David Weiss, "Ewig", Verlag LangenMüller, 450 Seiten, 19,95 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2009)

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