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Reinhard Bösch wird neuer Vorarlberger FPÖ-Obmann

Reinhard Bösch wird neuer Vorarlberger FPÖ-Obmann
Reinhard BöschAPA/HELMUT FOHRINGER

Der Wehrsprecher der FPÖ will die Partei inhaltlich und personell auf die Landtagswahl 2019 vorbereiten.

Der Wehrsprecher der FPÖ im Nationalrat, Reinhard Bösch, wird neuer Landesparteiobmann der Vorarlberger Freiheitlichen. Der aktuelle FPÖ-Chef Dieter Egger präsentierte am Montagnachmittag seinen designierten Nachfolger, der am 1. Juli bei einem Landesparteitag von der Basis bestellt werden soll. Bösch kündigte an, die Partei inhaltlich und personell auf die Landtagswahl 2019 vorzubereiten.

Der 59-Jährige betonte, dass es innerhalb der Partei keinen Richtungsstreit geben werde. Es werde nicht um Lager und Ideologie gehen, sondern um "pragmatische Politik". Das Programm werde von "Vernunft und Hausverstand" geprägt sein. Ziel sei es, Alternativen zu allen Inhalten der schwarz-grünen Landesregierung zu entwickeln. Man strebe an, der ÖVP 2019 eine Niederlage zu bereiten, sagte Bösch. Egger wollte die Vorarlberger FPÖ nach der Landtagswahl 2019 in einer Position sehen, in der man sich "mit uns über eine Regierungsbeteiligung unterhalten muss". Aus der Obmannschaft von Bösch lasse sich aber nicht ablesen, dass dieser auch Spitzenkandidat sein werde.

Bösch soll Bindeglied sein

Egger hatte nach seiner Wahl zum Hohenemser Bürgermeister angekündigt, die Funktion des Parteichefs abzugeben. Bösch soll künftig gemeinsam mit ihm und Klubobmann Daniel Allgäuer die Fäden in der Landespartei ziehen. Während Egger sich als Bürgermeister um die kommunale sowie Allgäuer um die Landesebene kümmern werden, wird Bösch sowohl als Bindeglied zwischen den Ortsorganisationen als auch zur Bundespartei agieren. "Wir verstehen uns persönlich und inhaltlich sehr gut", betonte das Trio.

Dass er dabei als Nationalratsabgeordneter etwa drei Tage pro Woche in Wien arbeite, sah der 59-Jährige als Vorteil. Mögliche mangelnde Bekanntheit in Vorarlberg oder auch Böschs Mitgliedschaft in der Burschenschaft Teutonia - sie wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als rechtsextrem eingestuft - sahen die (zukünftigen) FPÖ-Verantwortlichen nicht als Problem. "Er wird die Bekanntheit rasch erlangen, die wir uns wünschen", sagte Egger, und auch Bösch meinte: "Das wird sich dramatisch ändern". Egger unterstrich, er selbst und auch Allgäuer seien keine Burschenschafter, das sei die persönliche Entscheidung von Bösch. Die Vorarlberger FPÖ sei liberal, da habe auch die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft Platz.

Der 1957 in Dornbirn geborene Bösch, der eine Dissertation zum Thema "Die Haltung der südslawischen Soldaten des österreichungarischen Heeres im ersten Weltkrieg" verfasste, ist zwar landespolitisch bisher nicht groß in Erscheinung getreten, blickt aber auf eine lange politische Karriere zurück. So ist er seit knapp 30 Jahren in der Dornbirner Stadtpolitik aktiv, von 1989 bis 1994 war er für eine Periode Landtagsabgeordneter, anschließend fünf Jahre FPÖ-Mandatar im Bundesrat. 1999 zog er zum ersten Mal in den Nationalrat ein. Als es 2005 zur Spaltung zwischen FPÖ und BZÖ kam, blieb Bösch standhaft Freiheitlicher und verlor seine Sprecherunktion im orange-blauen Parlamentsklub.

Auch in der Landes-FPÖ fiel er in Ungnade - als sie sich von der Bundes-FPÖ lossagte, trat Bösch vehement gegen diese Trennung auf. Als Folge wurde er bei der Nationalratswahl 2006 nicht mehr von der Landespartei für den Nationalrat nominiert. 2013 folgte die Versöhnung in Form eines Comebacks im Nationalrat. Zu den Differenzen sagte Bösch damals bloß, dass diese ausgeräumt seien und man keine alten Geschichten aufwärmen wolle.

Mit dem nun angekündigten Wechsel an der Spitze der Vorarlberger Freiheitlichen löste Egger ein Versprechen ein, das er im Zuge der Bürgermeisterwahlen in Vorarlberg abgegeben hatte. Sollte er Stadtchef in Hohenems werden, so werde er sich schrittweise aus der Landespolitik zurückziehen, hatte er angekündigt. Kurz nach seinem Wahlerfolg übergab er im Jänner 2016 die Funktion des Klubobmanns an Daniel Allgäuer. "Es gilt mein Wort", betonte er am Montag. Außerdem sei ein Wechsel nach zwölf Jahren gut, er sei ein Fan von "frischem Wind".

(APA)