Wenn der Wein Gesellschaft bekommt

Josef Maier, Maria Beiring und Ilse Maier (von links) betreiben das Bio-Weingut Geyerhof. Zwischen 25-jährigen Veltliner-Reben leben Weiderinder, Bienen und allerhand Nützlinge.
Josef Maier, Maria Beiring und Ilse Maier (von links) betreiben das Bio-Weingut Geyerhof. Zwischen 25-jährigen Veltliner-Reben leben Weiderinder, Bienen und allerhand Nützlinge.Die Presse
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Familie Maier setzt bei ihrem Bioweingut Geyerhof auf einen ganzheitlichen Ansatz. Statt Böschungen zu roden, haben bei dem Projekt Wildwux im Kremstal auch Wiedehopf, Laubfrösche, Bienen und sogar Fleckvieh Platz.

Für die einen ist es eine Gstätten, die schlampig aussieht und zu dem Schluss verleiten könnte, dass der Inhaber der Fläche ebenso unordentlich ist. Für die anderen ist es ein wichtiger und schützenswerter Lebensraum, der erhalten werden muss und der auch den anderen Flächen, sprich der gesamten Landwirtschaft, zugutekommt.

Familie Maier, die das Weingut Geyerhof in Oberfucha im Kremstal bewirtschaftet, gehört definitiv zur zweiten Kategorie. „Meine Eltern haben das unbewusst gemacht und die Hecken gepflegt. Wir machen das jetzt gezielter und schauen uns an, welche Tiere gefährdet sind“, sagt Josef Maier, der gemeinsam mit seiner Mutter Ilse und seiner Lebensgefährtin, Maria Beiring, das Weingut betreibt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Hof im Jahr 1135, seit dem 16. Jahrhundert ist er in Familienbesitz. Ilse Maier hat den Geyerhof 1988 von ihrer Mutter übernommen und damals auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt. „Ich gehöre zur Hainburg-Generation und war auch auf der Boku. Es hätte für mich keinen anderen Weg gegeben, als biologisch zu arbeiten.“ Die junge Generation sieht das heute genauso. Josef Maier hat ökologische Landwirtschaft an der Boku studiert, Maria Beiring Landschaftsplanung. „Es gibt viele Naturschutzprojekte von NGOs, aber man kann auch im Kleinen viel bewirken“, sagt Maria Beiring. Sie war etwa ganz begeistert, als sie hörte, dass es auf den Flächen nahe dem Stift Göttweig noch Laubfrösche gibt – oder den ebenso bedrohten Wiedehopf.

Kampf dem Ordnungssinn

„Vielen ist das gar nicht bewusst, dass das wichtig ist. Es herrscht ein Ordnungssinn vor. Jede Böschung wird radikal gerodet, obwohl das wirtschaftlich gar keinen Sinn hat“, sagt Josef Maier. Vor allem in den vergangenen vier, fünf Jahren, seit es Böschungsmäher für den Traktor gebe, werde im Ort sehr viel gerodet. Die Familie versucht aber genau das zu verhindern, nicht nur, weil sie Gefallen an den Hecken gefunden hat, sondern vielmehr, weil der Wildwuchs dem Boden und somit auch dem Wein guttut.

Gemeinsam mit der burgenländischen Winzerin Birgit Braunstein hat Ilse Maier – die nächste Generation ist erst im Vorjahr eingestiegen – bereits 2011 das Projekt Wildwux ins Leben gerufen. Die Idee, der Natur mehr Platz zu geben und sich nicht überall einzumischen, hat also einen Namen bekommen, unter dem eigene Weine verkauft werden. „Wir machen auch regelmäßig Vorträge oder Spaziergänge, das kommt bei den Dorfbewohnern sehr gut an“, sagt Maria Beiring. Nur die Kollegen, also die anderen Landwirte, sind teilweise noch ein bisschen schwer zu überreden. Wobei ein Nachbar, ein Obstbauer, unlängst begonnen hat, auf chemische Spritzmittel zu verzichten.

Ilse Maier geht es nicht darum, andere zum Bio-Weinbau zu bekehren. „Ich will nicht belehrend sein, man kann auch sehr viel von konventionellen Winzern lernen.“ Vielmehr ist es ihr Anliegen, die Landwirtschaft ganzheitlich zu sehen. Ackerbau wird bei Familie Maier schon seit jeher betrieben. Derzeit werden Weizen, Kürbis, Sonnenblumen und Speisesoja angebaut. Jeweils 23 Hektar Acker- und Weinflächen bewirtschaftet die Familie, aufgeteilt auf 32 Feldstücke. Seit Kurzem sind auch Weiderinder und Bienen dazugekommen. Das Fleckvieh weidet natürlich nicht im Weingarten selbst, sondern jedes Jahr auf einer anderen Ackerfläche. „Wir wollen die Rinderhaltung in die Fruchtfolge integrieren, da brauchen wir nicht düngen“, sagt Josef Maier.

Im Vordergrund stehe nach wie vor der Weinbau. Einen direkten Nutzen hat der Wildwuchs nicht. Auf den zweiten Blick wirke sich der Ansatz aber sehr wohl auf den Wein aus. „Je intakter die Umwelt ist, desto widerstandsfähiger ist die Rebe“, sagt Ilse Maier. Ihr Sohn hat ein paar Beispiele aus der Uni parat: So gebe es Untersuchungen, dass Bienen den Ertrag bei Sonnenblumen um 30 Prozent erhöhen. Ähnlich sei es bei dem Verzicht auf chemische Spritzmittel. „Wenn man Erdbeeren gegen Blattläuse spritzt, sind die zuerst weg. Nach kurzer Zeit kommen sie wieder, und zwar explosionsartig, weil es keine Marienkäfer mehr gibt, die sie fressen. Wenn nicht gespritzt wird, hält sich das Gleichgewicht an Schädlingen und Nützlingen die Waage.“

Beim Wein hat seine Mutter durch diese Art der Bewirtschaftung auch geschmackliche Unterschiede festgestellt. „Über die Jahrzehnte merkt man, dass der Wein sehr viel Charakter und Persönlichkeit hat.“ Der Wein wird am Geyerhof auf vielen unterschiedlichen Böden angebaut, allein sechs verschiedene Grüne Veltliner gibt es. „Über die Jahre ist der Unterschied der Standorte immer ausgeprägter geworden.“ Ihr Sohn sieht darin auch die Zukunft: „Das ist noch ein langer Prozess, aber nicht kontaminierte Böden werden einmal das höchste Gut sein.“ Die Laubfrösche, Wiedehopfen und Marienkäfer werden sich freuen.

Auf einen Blick

Ilse Maier betreibt gemeinsam mit ihrem Sohn Josef Maier und dessen Lebensgefährtin, Maria Beiring, das Bio-Weingut Geyerhof im niederösterreichischen Kremstal. Sie bewirtschaften jeweils 23 Hektar Acker- und Weinbau. 2011 haben sie gemeinsam mit der burgenländischen Winzerin Birgit Braunstein das Projekt Wildwux ins Leben gerufen. www.geyerhof.at, www.wildwux.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2016)

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