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Philippinen-Wahl: Das große Comeback des Marcos-Clans

(c) APA/AFP/TED ALJIBE
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Ferdinand Marcos junior, Sohn des gleichnamigen Diktators mit dem Spitznamen „Bongbong“, schickt sich an, bei den Wahlen auf den Philippinen das politische Erbe seines Vaters anzutreten.

Wien/Manila. Zum Wahlkampffinale in Manila ließ sich selbstverständlich auch die 85-jährige Matriarchin des Clans chauffieren, um ihrem Sohn symbolisch Beistand zu leisten. Imelda Marcos, die langjährige First Lady des südostasiatischen Archipels, einst als „Rose von Tacloban“ gepriesene Schönheitskönigin und später als „eiserner Schmetterling“ gefürchtet, nahm wie in alten Zeiten die Huldigungen der Filipinos entgegen.

Ferdinand Marcos junior, Sohn des gleichnamigen Diktators mit dem Spitznamen „Bongbong“, schickt sich an, bei den heutigen Wahlen auf den Philippinen das politische Erbe seines Vaters anzutreten. Der 58-Jährige gilt als Favorit bei der separaten Wahl zum Vizepräsidenten, die parallel zu den Präsidentenwahlen abgehalten wird. Rodrigo Duterte, der aussichtsreichste und hemdsärmelige Präsidentschaftsanwärter, machte bereits kein Hehl daraus, dass er am liebsten ein Macht-Tandem mit Marcos bilden würde.

Die Vertreibung aus dem Malacañang

30 Jahre ist es heuer her, dass ein Volksaufstand mit Cory Aquino, der Witwe des ermordeten Oppositionsführers Benigno, und Kardinal Jaime Sin an der Spitze, den Diktator und seinen Clan aus dem Malacañang-Palast in Manila gejagt hat. Ins Exil in Hawaii hat Marcos 22 Kisten voller Bargeld und zwei Transportflugzeuge mit Akten, Schmuck und Gold gerettet – von den geheimen Konten ganz zu schweigen. Ein Schatz blieb im Palast zurück – die Schuhkollektion der First Lady, die die ganze Welt in Staunen versetzt hat.

Nach dem Tod des Diktators 1989 kehrten die Familienmitglieder alsbald in die Heimat zurück – und ins angestammte Familienbusiness, die Politik. Imelda – auf Du und Du mit Ronald Reagan und Fidel Castro – zog als Abgeordnete ins Repräsentantenhaus, wie später auch ihre Kinder Imee und „Bongbong“. Die beiden brachten es später hintereinander zu Gouverneuren in der Provinz Ilocos Norte, der Heimat und Machtbastion des Marcos-Clans an der Nordspitze der philippinischen Hauptinsel Luzon. Dort hat der Clan auch ein Museum eingerichtet.

Präsident Benigno „Noynoy“ Aquino – Sohn der Ex-Präsidentin Cory –, dessen Mandat ausläuft, versuchte die Kandidatur „Bongbongs“ vergeblich zu verhindern, indem er neuerlich das Thema der verschwundenen Marcos-Milliarden aufs Tapet brachte. Ferdinand Marcos jun. lässt zwar das Charisma seines Vaters vermissen, doch er bedient die Sehnsucht der Filipinos nach dem Glamour der Dynastie, wie sie auch bei den Aquinos zum Ausdruck kam. Der Posten des Vizepräsidenten könnte „Bongbong“ schließlich sogar noch ins Präsidentenamt hieven.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2016)